Sabtu, 26 Januari 2013

Taufen? Ja, bitte! - Und dann? - Tauferinnerungsgottesdienst, Anspiel mit Konfis zu Apostelgeschichte 8,26ff. und Kurzansparche, 27.01.2013

Erzähler (Carolyn): Lange vor unserer Zeit. Ein wichtiger und reicher Mann, der Finanzminister der Königin von Äthiopien, hat Jerusalem besucht. Er war neugierig geworden auf den Gott, an den die Menschen in Jerusalem geglaubt haben. Er hat sich einen Teil ihrer Heiligen Schrift geben lassen. Und auf dem Heimweg liest er darin.
Minister (Kristina): „In Wahrheit aber hat er die Krankheiten auf sich genommen, die für uns bestimmt waren, und die Schmerzen erlitten, die wir verdient hatten. Wir meinten, Gott habe ihn gestraft und geschlagen; doch wegen unserer Schuld wurde er gequält und wegen unseres Ungehorsams geschlagen. Die Strafe für unsere Schuld traf ihn und wir sind gerettet. Er wurde verwundet und wir sind heil geworden.“ Ich verstehe das nicht. Interessant. Da wehrt sich einer nicht. Da tut einer anderen nicht nur irgendwie was Gutes, sondern er leidet für sie. Das könnte ich nicht. Aber was soll das?
Erzähler: Während er so liest bemerkt er gar nicht, dass ein Mann sich nähert. Philippus. Ein Mensch, der Jesus nicht nur kannte, sondern der zu denen gehörte, die ihm fest vertrauten. Philippus hatte eine Eingebung von Gott. Er sollte diesen Mann auf dem Heimweg suchen. Doch der war ganz in seine Schrift vertieft.
Minister: „Er wurde misshandelt, aber er trug es, ohne zu klagen. Wie ein Lamm, wenn es zum Schlachten geführt wird, wie ein Schaf, wenn es geschoren wird, duldete er alles schweigend, ohne zu klagen. Mitten in der Zeit seiner Haft und seines Gerichtsverfahrens ereilte ihn der Tod. Weil sein Volk so große Schuld auf sich geladen hatte, wurde sein Leben ausgelöscht. Wer von den Menschen dieser Generation macht sich darüber Gedanken?“
Philippus (Milli): Verstehst du eigentlich, was du da liest?
Minister: Oh, wer bist du denn? Nein, ich verstehe es nicht. Mir hat es auch keiner erklärt. Ich glaube, um eure Heilige Schrift zu verstehen, muss ich viel mehr wissen.
Philippus: Darf ich dir dabei helfen, das zu verstehen?
Minister: Gern! Ich möchte gern wissen,
ob der Prophet da von sich selber redet  oder von jemand anderem!
Philippus: Wir glauben, dass er von Jesus redet. Jesus ist Gottes Sohn. Er ist zu den Menschen gegangen, mit denen niemand was zu tun haben wollte. Er hat Menschen dazu gebracht, ihr Leben komplett zu ändern. Betrüger, Leute, die dauernd ihre Frau und ihren Mann betrogen haben, Leute, die schlimme Sachen in ihrem Leben gemacht haben: die haben erkannt: Gott gibt mir durch Jesus eine neue Chance. Gott vergibt mir meine Schuld. Das haben sie gespürt und ihr Leben geändert. Kranke, die von ihrer Familie weggeschickt wurden, sind  gesund geworden, als sie Jesus begegnet sind.
Minister: Interessant! Aber was hat das mit dem zu tun, der umgebracht wird und für andere leidet?
Philippus: Genau das ist Jesus passiert. Weil er so neu, so anders von Gott erzählt hat, weil er den Menschen erzählt hat, das Gott vergibt und weil er dazu aufgerufen, hat, umzukehren, sind viele, die Angst hatten, ihre Macht zu verlieren, eifersüchtig und ängstlich geworden und haben dafür gesorgt, dass er verhaftet und umgebracht wird. Obwohl er total unschuldig war.
Minister: Hat er sich nicht gewehrt? Er muss doch viele Freunde gehabt haben, die für ihn gekämpft hätten. Und wenn er Gottes Sohn ist, dann hätte Gott doch ein Wunder tun können.
Philippus: Nein, Gott wollte durch Jesus zeigen, dass ihm auch der Neid der Menschen nichts anhaben können. Und Jesus wollte den Menschen zeigen, dass er sogar bereit ist, für ihre Schuld zu sterben. So sehr liebt er die Menschen. Und Gott hat sogar ein viel größeres Wunder getan, als wenn er Jesus bloß so gerettet hätte. Jesus ist nicht nur gestorben, sondern er hat dann wieder gelebt. Gott und seine Liebe sind stärker als der Tod.
Minister: So etwas habe ich ja noch nie gehört! Zu diesem Gott will ich tun. Ich will Jesus wirklich vertrauen. Was muss ich denn da tun?
Philippus: Du musst von dem, was in deinem Leben falsch läuft, umkehren. Versuchen, es anders, besser zu machen. Und du musst halt daran glauben, dass Gott sich in Jesus wirklich gezeigt hat. Es gibt ein Zeichen dafür, dass du zu Jesus gehörst. Taufe nennen wir das.  Wir gießen Wasser über dich. Ein Zeichen dafür, dass deine Schuld wie Schmutz abgewaschen wird.
Minister. Ich will getauft werden. Können wir das gleich machen?
Philippus: Klar. Wenn du dir sicher bist!
Minister: Das bin ich. Aber wie geht es danach mit mir weiter? Wie muss ich leben?
Erzähler: Philippus hat den Minister getauft. Wer die Geschichte in der Bibel einmal selber lesen möchte, kann das gern machen. Sie steht im 8. Kapitel der Apostelgeschichte von Lukas. Aber wie es weiterging, wissen wir nicht. Es gibt kein fertiges Rezept, wie ein Christ zu leben hat. Es gibt viele Möglichkeiten, wie die Taufe sich im Alltag zeigen kann. Beim Umgang mit Problemen, beim Versuch, mit Gott zu reden, zu beten. Oder auch dann, wenn es Streit gibt.  Wie gesagt, es gibt viele Möglichkeiten. Aber zwei Möglichkeiten, wie das Vertrauen auf Jesus, das in der Taufe gezeigt wird, im Alltag gelebt werden kann, möchten wir jetzt zeigen:
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Spieler A (Oleg): Hi, wie geht’s?
Spieler B (Marlon): Frag bloß nicht! Und selbst?
Spieler A: Alles Mist! Dieses Jahr bleib ich bestimmt sitzen. Und überhaupt: Wofür lohnt sich’s noch zu leben? Ist doch nur Chaos! Und die Welt brauchst du dir doch erst gar nicht anzugucken! Krieg und Hunger und Terror. Da hilft auch beten nichts mehr!
Spieler B: Denk ich auch manchmal! Vor zwei Wochen ist ein Kumpel von mir gestorben. Leukämie. Ich hab so gebe-tet, dass der wieder gesund wird. Aber dann denk ich wieder: Hey, ich leb noch! Und beim Beten, da kann ich wenigstens mal meine Gedanken ordnen. Und was los-werden, ohne dass mich einer ständig unterbricht oder sein eigenes Zeug quatscht. Dann merk ich irgendwie: da hört doch einer zu!
                Und dann krieg ich wieder Lust, was zu tun! Jammern zieht einen doch nur runter! Wenn wir nicht anfangen, dann ändert sich nie was!
Spieler A. Dein Optimismus ist klasse! Hätte ich auch gern. Aber irgendwo hast du Recht. Wir sind nicht allein und wir leben. Und wir können was machen, damit’s besser wird.
Spieler B: Das kannst du laut sagen!
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(SpielerA (Kim) und Spieler B (Lilia) kommen auf Spieler C (Flora) und Spieler D (Carolyn) zu)
SpielerA: Guck mal, wer da steht! Die können was erleben!
Spieler C: Na ihr Schlampen, dass ihr euch noch hierher traut!
Spieler B: Halt die Klappe, sonst tret ich dir..
Spieler D: Komm, lass sein!
SpielerA: Ja, ist gut. War blöd, dass wir euch beim Abschreiben verpfiffen haben!
Spieler C: Das wir euch in Deutsch hängengelassen haben, war ja auch nicht so toll.
Spieler B: Dann sind wir ja quitt.
SpielerA. Ich glaub, wir gehen uns für ne Weile besser aus dem Weg!
Spieler D: Wenigstens können wir wieder normal reden!
Spieler B: Ist ja schon mal ein Anfang!

Erzähler (Lilia): Wie gesagt, das sind nur Anregungen. Das kann in ihrem und eurem Alltag auch anders aussehen. Viel Spaß beim Leben als Getaufte!


Vielleicht denkt jetzt jemand: „Was haben denn die letzten zwei Stücke mit Taufe zu tun?“ Natürlich ist das völlig unspektakulär, wenn man mal kurz über seine Traurigkeit redet oder wenn man sich nicht gleich schlägt oder zumindest zugibt, dass es auch an einem selbst liegt, wenn Streit da ist. Aber genau das sind für ich ganz praktische folgen aus der Taufe. Da passieren keine spektakulären Wunder. Taufe heißt: Ich gehöre zu Gott. Und natürlich kann ich als Mensch nicht so perfekt leben, wie Jesus gelebt hat. Aber ich kann ganz praktisch zeigen, was Vergebung heißen kann, was Gewaltverzicht bedeutet oder wo ich ein Stück Vertrauen in Gott haben kann. Taufe ist der Anfang eines lebenslangen Weges. Und wie jeder Weg gibt es auch auf dem Weg als Getaufter im Leben Strecken, die schön sind und die man gern geht und Abschnitte, auf denen es ganz schön schwer ist, weiterzugehen. Und wie bei jedem Weg gibt es auch hier immer wieder Kreuzungen und Abzweigungen, an denen man falsch gehen kann und gehen wird. Aber es gibt immer wieder auch Punkte, an denen man dann zurückfinden kann.
Was ich an der Geschichte von dem äthiopischen Finanzminister besonders schön finde, ist, dass da einer, der von Gott keine Ahnung hat, neugierig geworden ist. Gott ist nicht nur für die da, die schon immer an ihn glauben und die in Familien oder Ländern groß geworden sind, in denen der Glauben an Gott selbstverständlich ist. Es gibt kein zu alt, zu weit weg oder zu fremd für eine lebendige Beziehung zu Gott, für eine Taufe. Und was auch schön ist: da ist keine lange Prüfung und keine Ängstlichkeit von Philippus, der Jesus schon länger kennt. Der prüft nicht erst lang und breit, ob der Minister das ernst meint, der hat keine Angst, dass der Minister vielleicht doch nicht alles verstanden hat und nachher vielleicht doch nicht so ganz den richtigen Weg trifft. Der tauft. Taufe ist keine Belohnung dafür, dass man das nachsprechen kann, was ein Pfarrer oder was andere Christen für richtig halten. taufe ist das „Ja“ zu einer Beziehung mit Gott. Ja, ich will selbst eine lebendige Beziehung zu Gott haben. Oder: Ja, ich will, dass mein Kind eine lebendige Beziehung zu Gott hat. Beziehungen sind etwas sehr persönliches und können bei jedem so ein bisschen anders aussehen. Philippus stellt sich nicht selbst vor Gott, indem er den Türsteher spielt. Er überlässt Gott und dem Minister, was aus dieser Beziehung wird. eine schöne Geschichte. Amen.

Sabtu, 19 Januari 2013

Kein Urlaub für immer, aber Leuchtturm im Leben - letzter n. Epiphanias, 20.01.2013, Reihe V

Text: Johannes 12,34-36
Liebe Gemeinde!
Morgens ohne Wecker wach werden. Irgendwann, dann, wenn es soweit ist und nicht dann, wenn die Pflicht ruft. Gemütlich frühstücken. Stundenlang durch verschneite Wälder wandern. Zwischendurch gemütlich einkehren, was Gutes essen und trinken. Zeit zum Lesen. Auch mal eine Serie im Fernsehen einschalten. Zeit für den Menschen zu haben, den man liebt. Das müsste eigentlich immer so sein. Das würde ich gern festhalten, nicht mehr loslassen. Aber leider ist mein Urlaub schon wieder mehr als eine Woche vorbei.
Sicher sind es bei jedem andere Dinge, die das Gefühl auslösen: So müsste es doch immer sein! Das muss kein Urlaub sein, das kann einfach auch mal ein schöner Tag mit einem tollen Menschen sein, die neue große Liebe oder, warum auch nicht, ein Arbeits- oder Schultag mit dem Gefühl: heute hast du was richtig Gutes geschafft. Heute war alles so, wie es besser eigentlich kaum geht.
Gute Zeiten: am liebsten festhalten und für immer konservieren. Und viel mehr noch Menschen, die mir gut tun, deren Nähe nicht nur dazu führt, dass ich mich irgendwie gut fühle, sondern dass ich merke: mein Leben gewinnt durch diesen Menschen: nie sollen die weg sein! Ich glaube, dass ich nicht der Einzige bin, Augenblicke oder Menschen, die einfach gut sind, gern festhalten möchte.
Und in der Bibel, bei den Propheten, wird eigentlich so etwas versprochen. Etwas, was weit über einen schönen Urlaub oder den Mann oder die Frau fürs Leben hinausgeht. Da wird vorhergesagt, dass sich durch den Christus, den Messias, den Gott in diese Welt schickt, alles für immer zum Guten wendet. Ungerechtigkeit gibt es nicht mehr, Gewalt wird ein Ende haben. Alles wird gut. Nicht nur für ein paar nette Urlaubstag, sondern ganz grundsätzlich. Nicht nur für mich und meine Familie oder meine Freunde, sondern wirklich für alle.
Ja, solche Versprechen gibt es in der Bibel, und sie sind viel älter als Jesus. Und der kommt. Und er begegnet Menschen. Und die Menschen merken: Da passiert etwas mit mir. Die Begegnung mit Jesus macht nicht nur mein Leben gut, sondern da verändert sich auch um mich herum ganz viel. Da weiß einer wirklich, wovon er redet: von Gott. Da ist Gott zu sehen, da ist Gott wirklich da, wenn Jesus in der Nähe ist. Und die Menschen, die ihm begegnen und das spüren, die kennen die Versprechen aus der Bibel. Und sie glauben und hoffen: Jetzt wird alles wirklich gut. Für immer!
Und dann die Enttäuschung: Jesus lässt sich nicht festhalten. Er, der Christus, der Messias, der doch ewig sein soll, erzählt immer wieder, dass er weg gehen wird. Dass er erhöht wird, zurück zum Vater geht. Nichts ist es mit der Ewigkeit. Kein Wunder, dass sich ein Stück Enttäuschung breit macht bei den Menschen, die eben noch große Hoffnungen hatten. Kein Wunder, dass die Menschen misstrauisch werden und fragen: Wer bist du eigentlich?  du sagst, dass du der verheißene Messias bist, der Christus, aber bleibt der nicht ewig? Warum gehst du fort? Wieso sagst du, dass du erhöht werden musst und meinst damit, dass du sterben wirst?
Fragen, jede Menge Fragen, von denen unser Predigttext heute erzählt. Fragen sind menschlich, fragen ist menschlich. Das unterscheidet uns von allen anderen Lebewesen. Und Fragen haben können ganz verschiedene Zwecke verfolgen. Sie können
, ganz neutral, reine Wissensfragen sein, um Dinge oder Menschen näher bestimmen zu können und Zusammenhänge herstellen zu können. Wer hat den Schneeball geworfen? Wie groß bist du? Wo geht es nach Cappel? Welche Farbe hat das Edeka-Schild?
Aber Fragen können auch dazu dienen, andere in die Enge zu treiben, ihnen zu zeigen, dass sie doch nicht so viel wissen oder so gut sind, wie man glaubt, dass sie immer tun. Oder sie können dazu dienen, Trauer oder Wut oder Unverständnis etwas freundlicher auszudrücken. Für mich gehören die Fragen, die die Menschen in unserem Predigttext für heute an Jesus stellen, zu dieser Art von Fragen. Fragen, die nur mühsam die Trauer verbergen, dass sich Erwartungen nicht erfüllt haben. Fragen, die von der Enttäuschung erzählen, den, den man liebt, der einem gut tut, nicht festhalten zu können. Wer bist du eigentlich? Hast du uns auf den Arm genommen, als du uns erzählt hast, du wärst der Christus? du bist nicht ewig bei uns, du bist anders, als wir es uns vorstellten? Erzählt denn die Bibel, das Gesetz, Gottes Wort Unsinn, wenn Du so anders bist, als es da wörtlich steht? Worauf können wir uns eigentlich verlassen? Wer hat denn Recht? Zweifel, Trauer, Enttäuschung sprechen für mich aus den Fragen. Und es ist wichtig, dass nicht einzelne Menschen diese Fragen stellen, sondern das Volk. Alle. Für mich nimmt dieses Volk auch uns heute in diese Geschichte mit hinein. Kann ich Christus eigentlich wirklich trauen? Mache ich mir nicht etwas vor, wenn ich Jesus vertraue? Haben nicht doch die anderen Recht, die sagen, er hat nicht wirklich was mit Gott zu tun? Wie kann ich das, was mir gut tut, so bewahren, dass ich es nicht mehr verliere? Müsste der Messias, der Erlöser, den Gott schickt, nicht mitten in der Welt zu sehen sein, nicht alles gut machen, wenn es ihn wirklich gibt? wo bist du denn bei dem ganzen elend dieser Welt? Fragen und Zweifel, genährt nicht nur von Kriegen, Katstrophen und Unglücksfällen, nicht nur davon, dass christliche Krankenhäuser Vergewaltigungsopfer abweisen oder manche ihren kirchlichen Beruf missbraucht haben, um sich an Kindern zu vergehen. Fragen und Zweifel, genährt auch von persönlichen Enttäuschungen. Von Erfahrungen mit dem Tod, mit schwerer Krankheit, mit Selbstmorden, mit zerbrochenen Beziehungen, mit enttäuschter Liebe.
Und was sagt Jesus dazu? Mir fällt auf, dass er zwei Dinge NICHT tut, die ich vielleicht getan hätte. Erstens ist er nicht beleidigt. Er sagt nicht: „Was sollen denn die Fragen? Ihr habt ja keine Ahnung, ihr seid dumm und nicht wert, dass ich mich mit euch abgebe, wenn ihr mich in Frage stellt.“ So nicht! Und er erklärt auch nicht lang und versucht auch nicht haargenau auf die Fragen einzugehen, damit es auch noch der letzte kapiert. Auch so nicht.
Jesus macht etwas anderes. Er zeigt den Menschen, die ihn fragen und auch ein Stück weit in Frage stellen, einen Weg, wie sie in ihrem Glauben an ihn erwachsen werden können. Er zeigt kein Glaubenspflegeheim mit Rund-um-die-Uhr-Service, sondern er öffnet Räume der Freiheit im Glauben. Er sagt: Es ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch. Wandelt, solange ihr das Licht habt, damit euch die Finsternis nicht überfalle. Wer in der Finsternis wandelt, der weiß nicht, wo er hingeht. Glaubt an das Licht, solange ihr's habt, damit ihr Kinder des Lichtes werdet. Ihr werdet eigene Wege gehen müssen, ich werde euch euer Leben nicht abnehmen. Nichts anderes sagt Jesus hier. Und ihr werdet manchmal sicher auch Schwierigkeiten haben, einen guten Weg im Leben zu finden. Jesus macht den Menschennichts vor. Er verspricht kein einfaches und sorgenfreies Leben, sondern er verspricht, dass mit seiner Hilfe ein eigener, guter Weg im Leben gefunden werden kann. Das Licht, von dem Jesus erzählt, hat für mich etwas von einem Leuchtturm. Der zeigt einem auch nicht den ganzen Weg, sondern der gibt Orientierung und weist auf gefährliche Stellen hin. Ich bin als Mensch selbst der Kapitän auf meinem Lebensschiff. Ich muss mich entscheiden: Nehme ich den Leuchtturm ernst und als Hilfe an oder ist er mir egal und ich setze mein Lebensschiff vielleicht auf Grund und versenke es? Leuchtturm zeigt auch nicht den genauen Weg, sondern die Richtung. wie ich da einen guten Weg finde, das kann ganz vielfältig sein. Praktisches Beispiel: Jesus sagt nicht: als Christ darfst du dich nicht piercen oder tätowieren lassen und als Christin musst du Röcke und lange Haare tragen. Jesus sagt nicht: du musst zur Orgel singen oder moderne Lieder sind besser. Jesus sagt nicht: du musst einem Bettler 5 Euro geben oder du darfst deine Toten nicht in einer Urne bestatten. Welches für mich der richtige Weg ist, das kommt auch auf die konkrete Situation an, auf das, was ich schon mitbringen, auf das, was Jesus MIR für MEINEN Weg sagen will. Die Orientierung, die er gibt, ist die an seiner Liebe. An der Liebe, die Menschen annimmt und nicht ausschließt, weil sie anders aussehen, eine andere Sprache sprechen, weniger Geld haben. die nicht mobbt, weil jemand vielleicht bessere Noten oder eine Zahnspange oder eine große Nase hat. Kinder des Lichts werden wir nicht durch Lippenbekenntnisse, nicht dadurch, dass wir Glaubensbekenntnisse, Psalmen und Liedverse aufsagen können. Kinder des Lichtes könne wir dadurch werden, dass wir die Liebe, die wir in Christus erkennen und die uns geschenkt wird, dass wir die Orientierung, die er gibt, ernst nehmen und anderen dadurch Orientierungshilfen. Kinder des Lichtes werden wir nicht dadurch, dass wir perfekt und fehlerfrei werden, sondern dass wir immer wieder den Mut haben, uns an dem, was dem Licht der Welt entspricht orientieren und den Mut haben, einen falschen Kus zu korrigieren.  
Nicht das Gute festhalten, nicht den Urlaub und nicht die Liebe, noch nicht einmal den geliebten Menschen, sondern loslassen und sich immer wieder neu auf den Weg machen, auf dem Jesus Orientierung gibt, dazu macht er hier Mut. Dem Volk damals. Und hoffentlich auch uns heute. Das Licht der Welt will nicht durch grelles Ausleuchten Angst verbreiten, sondern den Mut stärken, auch im Dunkel Schritte zu gehen, weil es uns Wege weist. Wege zum Leben. Keinen für alle und zu allen Zeiten gleichen Weg, sondern einen Weg mit Raum zum eigenen Glauben, Hoffen, Lieben, Denken, Vertrauen und Handeln.Amen.

Rabu, 2 Januari 2013

Wo viel Licht ist, ist viel Schatten - Epiphanias, 6.1.13, Reihe V

Text: Jesaja 60,1-6
Liebe Gemeinde!
„Wo viel Licht ist, ist viel Schatten“ – ein Sprichwort, mehr nicht. Aber wie fast alle Sprichwörter und Lebensweisheiten hat es einen durchaus wahren Kern. Da, wo vieles in ein gutes Licht gerückt wird, da, wo vieles hell zu strahlen scheint, gibt es immer auch eine dunkle Seite. Etwas, das gern verborgen wird. Oder das, was an Schäden angeblich nicht zu vermeiden ist. Eindeutig gut, eindeutig im Licht stehen – das gibt es in dieser Welt nicht. Mich reizt der Bibeltext, der für den heutigen Tag als Predigttext vorgesehen ist, tatsächlich mal, nach den dunklen Seiten, nach den Schatten zu fragen. Es ist fast schon eine Überdosis Licht, die wir da abbekommen: Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir, so beginnt dieser Abschnitt aus dem Buch Jesaja. Schon wieder, wie zu Weihnachten auch, das hell strahlende Licht Gottes. Alles wird gut. Alles wird schön. Heute ist das letzte Fest im weihnachtlichen Festkreis. „Epiphanias“ heißt es. Wenn man diesen griechischen Namen ins Deutsche übersetzt, heißt das so viel wie „Erscheinung“ oder „Aufscheinen“. Gemeint ist, dass wir Christen feiern sollen, dass Gott in dieser Welt sichtbar geworden ist, dass etwas von seiner Herrlichkeit und von seinem Glanz in dieser Welt zu fassen ist. Deshalb der Predigttext. Und deshalb auch der beliebtere und bei den allermeisten Menschen auch bekanntere Name dieses Festes: Dreikönigstag. In Erinnerung an die drei gelehrten Männer aus dem Land des Sonnenaufgangs, von denen der Evangelist Matthäus erzählt. Die drei Gelehrten, die einen Stern sahen, in ihm die Ankunft eines besonderen Königs in dieser Welt sahen. Sie wussten nichts vom Gott Israels, von dem Gott, an den wir glauben. Sie machten sich auf, suchten im Palast. Dort fanden sie diesen König nicht. Aber sie entdeckten Gott als König der Welt in einem kleinen Kind, geboren in Bethlehem, dem sie wertvolle Geschenke mitbrachten. Gottes Herrlichkeit und Wirklichkeit wird in dieser Welt sichtbar: das erkennen die drei klugen Männer, die eigentlich an ganz andere Götter glaubten, aber in Jesus den wahren Gott sahen.  Davon erzählt eben auch auf andere Weise das Buch Jesaja. Und die, die in Jesus Gott erkannten, die bezogen dann diese Wort vom Licht auch auf ihn. Alles schön und gut. Aber mir manchmal auch ein bisschen zu gut. Die Feiertage sind vorbei, die Kerzen am Baum tauchen die Wirklichkeit vielleicht heute noch in ein etwas milderes Licht, aber dann geht der Alltag wieder los, spätestens doch nächste Woche, wenn auch die Weihnachtsferien vorbei sind.  Wie gesagt, wo viel Licht ist, ist viel Schatten. Wie recht hier der Volksmund hat, merke ich an der Schwelle zwischen Festtagen und Alltag ganz deutlich. Gerade auch an der Geschichte der drei Weisen aus dem Morgenland, dem Land des Sonnenaufgangs. Manche kennen sicher auch die Fortsetzung beziehungsweise das Ende der Geschichte: Aus Angst um seine eigene Herrschaft lässt König Herodes alle neu geborenen Jungen in Bethlehem töten. Jesus und seine Eltern können gerade noch rechtzeitig fliehen, weil ein Engel Josef im Traum erschienen ist. Aber zig Familien wurden ins Unglück gestürzt. Zig Jungen haben durch die Grausamkeit eines weltlichen Herrschers ihren ersten Geburtstag nicht erlebt.
Zwei dunkle Schatten wirft helle Licht für mich. Der erste dunkle Schatten: Warum hat Gott die anderen Familien nicht genauso vorgewarnt wie Josef, Maria und Jesus? Und der andere dunkle Schatten: Wie können Menschen nur so grausam sein und auf Befehl von wem auch immer einfach so kleine Kinder abschlachten?
 Ich habe auf beide Fragen keine befriedigenden Antworten. Sie bleiben. Wo viel Licht ist, viel Freude darüber, dass Gott sich auch von Menschen aus fremden Kulturen entdecken lässt, dass sein Licht ausgerechnet in einem kleinen Kind zu sehen ist, das unter ärmlichen Bedingungen geboren wird und nicht mit einem goldenen Löffel im Mund in einem Palast zur Welt kommt,  zu sehen ist, da ist auch viel Schatten. Die Erkenntnis, dass auch noch so viel Weihnachts- und Festtagsfreude mir die Erkenntnis nicht erspart, dass Gott eben doch oft genug der ganz andere ist. Der Gott, der mich vor ein Leben stellt und in ein Leben stellt, das ich nicht wirklich verstehe. Der Gott, der sich nicht nur als der ganz nahe, der ganz den Menschen zugewandte zeigt, wie wir es in diesen Tagen immer wieder gefeiert haben und wie ich es auch gern gepredigt habe, sondern auch der Gott, der uns Menschen und unserem Verstand fremd und entzogen ist. Und die Erkenntnis, dass Menschen sich auch über 2000 Jahre nach der Offenbarung von Gottes Liebe in der Welt immer noch gegenseitig das Leben zur Hölle machen können und sich durch Grausamkeiten und blinde Wut und gedankenlosen Gehorsam glauben, ihren Platz im Leben gegen andere sichern zu müssen. Ich denke dabei nicht nur an die größeren Schrecken dieser Tage. Zum Beispiel daran, dass Christen in Ägypten, Nigeria und anderen Ländern wieder verfolgt werden und in Angst um ihr Leben Gottesdienste feiern. Und zwar nicht deshalb, weil der Islam an sich eine grausame Religion wäre. Das ist er nicht, er ist als Religion nicht aggressiver, aber auch nicht friedlicher als unser christlicher Glauben. Gefährlich wird es, weil skrupellose Politiker und neidische Nachbarn Religion missbrauchen und vorschieben, um sich auf Kosten anderer bereichern zu können oder die eigene Macht zu sichern. Ich denke auch an die alltäglichen Grausamkeiten, zu denen Menschen fähig sind. Zum Beispiel an einen Streit unter zwei gut 50-jährigen Frauen über Lautstärke in Mietwohnungen, bei dem Der Sohn der einen den Kopf der anderen mit einem Baseballschläger zertrümmert hat. Kurz vor Silvester. Und an Kinder, die auch heute wieder, während wir hier Gottesdienst feiern, in vielfacher Hinsicht als Sexobjekte von Erwachsenen missbraucht werden.
Die großen, schönen Worte der Propheten, das hell erstrahlende Licht, die schönen Worte der Weihnachtsbotschaft, die Hoffnung auf das Licht der Welt, das in Jesus sichtbar geworden ist, all das zeigt mir umso schärfer, was alles im Dunkel steht und gar nicht leuchtet, sondern manchmal auch alles Licht zu verschlingen droht.
Was ist denn das jetzt für eine Predigt? So mag vielleicht jetzt mancher denken. Am Epiphanias- beziehungsweise Dreikönigstag, an dem Tag, der für uns westliche Christen die Weihnachtszeit im engeren Sinn abschließt und der, wegen der Ausrichtung nach dem julianischen, dem älteren, in Russland bis 1917 gebräuchlichen Kalender, für unsere orthodoxen Glaubensgeschwister den Beginn der Weihnachtszeit markiert, an diesem Tag so eine Predigt, die erst einmal vielleicht mehr Fragen aufwirft als beantwortet? Was soll das?
Gerade der Predigttext für heute,  der zu einer Zeit in das Buch Jesaja gekommen ist, als es für das Volk Israel auch nicht glänzend aussah, als sich manche Hoffnungen auf Neuanfang zerschlagen hatten, als es wirtschaftlich nicht besonders gut ging und als fremde Könige sehr viel mächtiger waren und das kleine Volk mit seinem Glauben auf das Wohlwollen andersgläubiger Herrscher angewiesen und diesen ausgeliefert war, gerade diese Worte und die Umstände, in denen sie überliefert wurden, machen mir deutlich: Gott zeigt sich nicht da, wo die Welt schon si ist, wie sie nach seinen Maßstäben sein sollte. Er zeigt sich nicht da, wo alles gut und schön ist und wo man ihn bequem konsumieren kann, wie einen netten Film, der Wohlgefühl hinterlässt. Gerade in all den Widersprüchen dieser Welt, in aller Zweifelhaftigkeit und in allen Fragen scheint etwas von der Möglichkeit auf, dass ein Leben mit Gott ganz anders und ganz gut sein wird. Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir! Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. In der Dunkelheit losgehen, nicht darauf warten, dass alles im grellen Licht steht, sondern in der Hoffnung auf das Ende der Finsternis vom Licht träumen, es klein entdecken und auch die Schatten nicht leugnen – davon erzählen mir diese Worte. Nicht davon, dass diese Welt, wie sie ist, gottgewollt perfekt wäre, sondern dass diese Welt mit aller Finsternis, mit allen Schattenseiten nicht gottlos ist. Sondern dass sie auch mit den Schattenseiten der Ort ist, an dem wir nicht nur leben, sondern an dem wir auch Liebe und das lebensnotwendige Licht erfahren und sehen können. Und der Ort, an dem selbst unvorstellbare menschliche Grausamkeit die Liebe nicht auslöschen kann. so, wie der brutale König Herodes und seine gedankenlosen und brutalen Helfer die sichtbare Liebe, das Licht der Menschen, nicht auslöschen können. Das ist die Hoffnung, zu der uns dieser Tag, zu der uns diese Zeit Mut machen will. Eine Hoffnung, die sicher nicht immer sichtbar ist, die sicher immer wieder auch in Frage gestellt wird. eine Hoffnung, die aber lebendig sein kann und will. die Leben verändern kann und will. Manchmal durch ein klitzekleines, unscheinbares Licht in aller Dunkelheit. „Wo viel Licht ist, ist viel Schatten“ – Ja, das ist so. Aber das Entscheidende sind nicht die Schatten. Das Entscheidende ist das Licht.

Amen.