Ahad, 29 Januari 2012

Zeig, was du hast! - Anspiel der Konfirmanden, Taufgedächtnis 2012, 29.1.

Im Brief an die Gemeinde in Kolossä schreibt Paulus über das Leben als Christ (Kolosser 3,12-14):


Geschwister, ihr seid von Gott erwählt, ihr gehört zu seinem heiligen Volk, ihr seid von Gott geliebt. Darum kleidet euch nun in tiefes Mitgefühl, in Freundlichkeit, Bescheidenheit, Rücksichtnahme und Geduld. Geht nachsichtig miteinander um und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat. Genauso, wie der Herr euch vergeben hat, sollt auch ihr einander vergeben. Vor allem aber bekleidet euch mit der Liebe; sie ist das Band, das euch zu einer vollkommenen Einheit zusammenschließt.



Musik, Auftritt der Moderatorinnen

(Musik: Adele, Rolling in the deep / Casper: So perfekt / Freispruch: Wenn es nur darum geht)



Herzlich willkommen zur Vorstellung der neuen Kollektion des Trendlabels SSG – Schöpfer, Sohn, Geist! Zeitloses Styling, Alltagstauglichkeit, Haltbarkeit, Qualität und beispiellose Passform zeichnen diese einmalige Kollektion aus. Und das Beste an dieser Kollektion: sie kostet nichts! Jeder kann sie sich leisten! Neugierig? Aber dazu später mehr.

Inspiriert wurde diese Kollektion von dem immer frischen Klassiker Paulus. Fast 2000 und immer noch stylish! „Zieht den neuen Menschen an, der von Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit!“ Sein Motto, nach dem er schon die Menschen in Ephesus um das Jahr 50 ausgestattet hat. Und die Leute in Kolossä haben ihn dann zu seinen klassischen Modellen, die immer wieder frisch sind, inspiriert. „Ihr seid von Gott erwählt, ihr gehört zu seinem heiligen Volk, ihr seid von Gott geliebt. Darum kleidet euch nun in tiefes Mitgefühl, in Freundlichkeit, Bescheidenheit, Rücksichtnahme und Geduld.“

SSG – Schöpfer, Sohn, Geist. Das internationale Trendlabel freut sich, ihnen heute die Spitzenklasse angesagter Topmodels mit der neuen Kollektion vorstellen zu können.

Musik lauter, Auftritt Flo, Musik wieder abregeln wenn Flo vorne ist

Hier sehen wir zuerst Flo Er präsentiert uns das Modell „Tiefes Mitgefühl“. „Tiefes Mitgefühl“ zeichnet sich aus durch einen weiten, bequemen Schnitt. Dieses Modell lädt geradezu ein, es nicht nur für sich zu behalten. Sankt Martin, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte, trug schon ein Vorgängermodell. Wärme, Nähe Geborgenheit, SSG scheut nichts, um diese Bedürfnisse mit zu verarbeiten. Mit lebendiger Weite und Platz für die Menschen. Beachten sie auch die vom barmherzigen Samariter inspirierten Accessoires. Ein offenes Ohr und Herz für Menschen in Not, Weite, Wärme. Hier noch einmal Flo mit unserem Modell „Herzliches Erbarmen“

Musik lauter, Auftritt Alina, Musik wieder abregeln wenn Alina vorne ist

Viki Und da kommt auch schon Alina. Alina präsentiert uns das beliebteste Modell dieser Saison. „Freundlichkeit“. Voller Farben, bunt, leuchtend. Nicht grau in grau oder schwarz weiß. Aus dem Leben für das Leben. Einladen, andere zum Lächeln bringen, sich wohl fühlen. Dazu lädt dieses Modell geradezu ein. Spaß und Freude am Leben. So wie im Glauben. SSG – Schöpfer, Sohn Geist, dieses Top-Designerteam ist stolz auf Alina, die dieses Modell so überzeugend präsentiert.

Musik lauter, Auftritt Marcel, Musik wieder abregeln wenn Marcel vorne ist

Carina Und heute geht es wieder Schlag auf Schlag. Als nächstes präsentieren uns die Macher von SSG ein Modell, das oft verkannt wurde. Aber wer was wirklich Exklusives möchte, der wird mit „Bescheidenheit“, vorgestellt von Marcel, wirklich aufs Beste bedient. Kein üblicher Sack und Asche Look, keine runtergezogenen Schultern oder auf den Knien rumrutschen.
Dieses Modell geht auf einen der Chefdesigner selbst zurück. Sohn – damals auch unter seinem Namen Jesus bekannt, hat auch schon mit einer Schürze seinen Jüngern die Füße getrocknet. Größe zeigt sich da, wo ich dem anderen helfe, zu seinem Recht zu kommen. Größe zeigt sich da, wo ich drauf verzichten kann, mich über andere zu stellen. Marcel und das Modell „Bescheidenheit“. Gewagt, gelungen, inspirierend.



Musik lauter, Auftritt Christina, Musik wieder abregeln wenn Christina vorne ist



Viki So richtig was zum Reinkuscheln ist unser Modell „Rücksichtnahme“, das ihnen heute von Christina gezeigt wird. Reine Wolle, von den Schafen des guten Hirten gewonnen. Ökologisch am frischen Wasser in der grünen Aue aufgewachsen. Mitverarbeitet ist auch die Wolle des verirrten Schafs. Vom Schäfer persönlich gesucht, während die 99 anderen gerade geschoren wurden. Und beachten sie auch die Accessoires: Handschuhe, die nicht nur vor Kälte schützen, sondern dabei helfen, andere nicht an Körper und Seele zu verletzen. „Rücksichtnahme“ – eine ökologisch – natürliche Kombination, für sie gezeigt von Christina.



Musik lauter, Auftritt Pascal, Musik wieder abregeln wenn Pascal vorne ist



Carina Als letztes präsentieren wir ihnen in unserer Kollektion das Modell „Geduld“ mit Pascal Enorm strapazierfähig ist dieses Designerstück. Ausgesuchte, widerstandsfähige Textilien machen es zu einem absoluten „Muss“ in den Stürmen des Lebens. Geduld, Ausdauer, sich von Rückschlägen nicht fertig machen lassen. Nicht aufgeben, wenn das Ende nicht abzusehen ist oder der Glaube schwach. Sturmerprobt, für Leute, die mitten im Leben stehen. SSG – Schöpfer, Sohn, Geist - haben hier wirklich ein Meisterstück abgeliefert, heute gezeigt von Pascal.



Musik lauter, Abgang Pascal, Musik wieder abregeln wenn Pascal hinten ist



Viki So, und hier sehen sie noch einmal die Gesamtkollektion. SSG – Schöpfer, Sohn, Geist - legen Wert darauf, dass jedes Modell auch für sich getragen werden kann. Aber eigentlich, gehört in jeden gut sortierten Kleiderschrank die komplette Kollektion.



Musik lauter, Auftritt alle, Musik wieder abregeln wenn alle vorne soind und sich gut hingestellt haben



Fotografin (Milena) Moment mal, da fehlt doch noch was. Irgendwie ist die Kollektion noch nicht rund. Irgendwie sieht’s auf den Fotos so gewollt und nicht gekonnt aus. Das kommt noch nicht wirklich rüber.



Viki Wirklich? Also, ich bin eigentlich begeistert. Und ich hoffe, dem Publikum gefällts auch!



Milena Hey, wir haben doch unsere Style-Expertin. Lass die doch mal draufschauen.



Musik lauter, Auftritt Lara, Musik wieder abregeln wenn Lara vorne ist



Stylistin (Lara) Leute, dass ihr auch nie was zu Ende lest! Dieser Style ist noch nicht fertig. SSG haben doch noch mehr drauf. „Vor allem aber bekleidet euch mit der Liebe; sie ist das Band, das euch zu einer vollkommenen Einheit zusammenschließt.“! Hier, ich hab’s gleich mitgebracht.



Carina Ja, jetzt ist es komplett. Ohne Liebe wirkt alles doch ein bisschen grau und trist. Ohne Liebe schrumpft es beim ersten Waschen und kratzt und zwickt. Aber mit diesem Accessoire ist die Kollektion endlich komplett. Danke, ________!



Lara Und hast du schon was über den Preis gesagt?



Carina Ja, am Anfang. Aber man kann’s nicht oft genug sagen. SSG – Schöpfer, Sohn, Geist, das internationale Top-Designerteam verlangt kein Geld für diese Kollektion. SSG tragen kostet nichts – Taufe, das war’s. Zeig, dass du dazugehören willst. Schnapp dir die Kollektion und setz deine eigenen Akzente. SSG – Schöpfer, Sohn, Geist - wollen nicht, dass alles immer gleich bleibt. Sie wollen, dass Du an ihren Modellen mitarbeitest. Setz deine eigenen Akzente. Finde deinen Style. Viel Spaß dabei. Viel Spaß beim Leben!



Musik lauter, Milena macht Foto, Musik wieder abregeln wenn Applaus einsetzt





Kurzansprache Taufgedächtnis 2012



Ja, ich glaube wirklich, dass das Leben als getaufter Christ etwas mit einer Modenschau zu tun hat:

• Eine Modenschau zu machen heißt, anderen zu zeigen WELCHE IDEEN ICH HABE – als Christ darf ich was von mir und meinem Leben zeigen, ich muss mich nicht verstecken, das ist nicht nur was für mein Zimmer oder ein Haus, sondern ich darf, vielleicht muss ich sogar manchmal, das nach außen tragen und anderen präsentieren, was es heißt, als Christ zu leben.

• Eine Modenschau zu machen heißt, AKTUELLES FÜR DIE GEGENWART zu zeigen. Im Glauben ist das auch so. Da brauche ich nicht nur das, was vor 20, 50, 100 oder 2000 Jahren für die Menschen wichtig war. Da muss ich Antworten finden, die mit den Fragen der Menschen heute zu tun haben. Da muss ich nach Antworten suchen, die Kinder oder Jugendliche verstehen können und nach Antworten, die ältere Menschen überzeugen. Die Art, wie ich Glauben lebe und glauben vorlebe, darf sich verändern. Glauben ist was Lebendiges.



Ja, Glauben darf etwas von einer Modenschau haben. Aber glauben ist noch viel mehr. Da geht es nicht drum, heute was schön zu finden und morgen oder übermorgen wäre das Gegenteil richtig. Sondern das, was Entscheidend ist, ist ein KLASSIKER, DER NIE AUS DER MODE KOMMT: GOTTES LIEBE ZU UNS MENSCHEN. Die ist schon länger da, als wir denken können und die wird auch noch dann da sein, wenn wir nicht mal mehr mit dem Rollator oder dem Rollstuhl uns auf dem Laufsteg des Lebens bewegen können.

Glauben, Leben als Christ darf ruhig was von einer Modenschau haben. Aber ICH DARF DAS NICHT MIT EINER MODENSCHAU VERWEWCHSELN:



FÜR GOTT BIN ICH STYLISH; AUCH WENN ANDERE ÜBER MEINEN STYLE LÄSTERN



FÜR GOTT KOMME ICH NICHT AUS DER MODE; AUCH WENN ANDERE SAGEN; DASS ICH VON VORGESTERN WÄRE

Sabtu, 21 Januari 2012

Respekt! Heilung! Geh in Frieden! - 3. nach Epiphanias, 22.01.2012, Reihe IV

Text: 2. Könige 5,1-19
Liebe Gemeinde!


Was für eine Geschichte! Nicht gerade eine der bekanntesten Geschichten der Bibel und vor allem für einen Predigttext viel zu lang. Fast so lang wie sonst eine Predigt. eine Geschichte, die, glaube ich, erstmal ganz fremd ist. die Leute heißen komisch, die Länder sind unbekannt und weit weg und sie ist ja sowieso uralt. Was soll man dazu nur sagen? Ich wollte mir schon was andres, kürzeres für die Predigt suchen. Und dann sind mir gerade in der Geschichte ganz viele Sachen aufgefallen, die so nicht nur für die Zeit vor knapp 3000 Jahren n einer ganz anderen Gegend der Welt interessant waren, sondern durch die Gott uns, so glaube ich es wenigstens, gerade heute ganz viel für unser Leben im Jahr 2012 sagen will.

Da ist einmal die Frage: wie gehe ich mit Menschen um, die mir was getan haben, denen es aber schlecht geht und die Hilfe brauchen? Am Anfang erzählt die Geschichte von einem Mädchen aus Israel, das von einer Art General, Naaman, nach einem Krieg, den Israel gegen Aram, das ist so ungefähr das heutige Land Syrien, verloren hat, aus seiner Heimat verschleppt wurde und bei dem Sieger Zwangsarbeit im Haushalt leisten musste. Das Mädchen bekommt mit, dass Naaman, der sie von ihrer Familie, aus ihrer Heimat mit Zwang weggeschleppt hat, der eine andere Religion hat und ein Fremder ist, schwer krank ist. Aussatz, Lepra, ist eine ziemlich eklige Krankheit, die Menschen entstellt, die ansteckend ist und die dazu führt, dass die Menschen, die das haben, von der Familie und von Freunden getrennt leben müssen. Mit denen will keiner was zu tun haben. Bis heute ist das oft so, in Indien und anderen Ländern gibt es die Krankheit immer noch. Das Mädchen könnte sich freuen. Sie könnte denken: „Geschieht ihm recht, jetzt wird er für das, was er mir, meiner Familie, meinem Volk angetan hat von Gott bestraft. Der soll doch verrecken, der ist mein Feind und der Feind meines Volkes.“ Aber so denkt sie nicht. Sie sorgt sich um den, der krank ist. Und sie möchte, dass Gott ihm hilft, sozusagen durch Vermittlung eines Propheten, eines Mannes, der eine besondere Beziehung zu Gott hat. Das ist alles andere als normal. Leider bis heute nicht. Wie gehen wir denn mit Menschen um, die uns was getan haben? Wie wird denn über Hilfsbedürftige aus anderen Ländern hier geredet? Wie wird auch in Kirchen und Gemeinden Menschen mit anderer Religion begegnet, Muslimen zum Beispiel? Ich glaube, dass Gott mir, vielleicht uns allen, durch dieses Mädchen aus Israel in der Geschichte sagen will:
Nicht die Herkunft, nicht die Religion, nicht die Vorgeschichte eines Menschen ist entscheidend, sondern die Bedürftigkeit. Nicht Rache und Hass sind der Weg, den Gott mit den Menschen gehen will, sondern Zuwendung und Liebe. Und das hier im Alten Testament, lange vor Jesus. Und ich glaube wirklich, dass das bis heute eine wichtige Botschaft ist. Gerade dann, wenn ich meinen weg mit Gott gehe, so wie das Mädchen aus Israel in der Geschichte, dann öffnet mir das den Weg, dem anderen als Menschen und nicht als Feind, mit Zuwendung und nicht mit Hass, zu begegnen.Ein anderer, bis heute aktueller Punkt ist das Misstrauen, das in der Geschichte besonders durch den König von Israel spürbar wird. Der König von Israel konnte sich nicht vorstellen, dass der viel mächtigere andere König ihm keine Falle stellen wollte. Der König von Israel wusste, dass er keine Macht über Krankheiten hat, dass das Gott zukommt, und glaubte, dass der König von Aram nur den Misserfolg sucht, um Grund für einen neuen Krieg zu finden. Natürlich lehrt einen die Lebenserfahrung, dass es schief geht, wenn ich anderen blind vertraue. Aber ich wage mir kaum vorzustellen, wie viele Chancen, Leben zum Guten, zu mehr Frieden und mehr Miteinander zu verändern, sowohl im Kleinen, Persönlichen, als auch im Großen, in der Gemeinschaft zwischen Kirchen und Gemeinden, zwischen Völkern, und Staaten, dadurch verpasst wer-den, dass Menschen, und davon bin ich alles andere als frei, anderen erst einmal misstrauisch begegnen und böse Motive unterstellen. Vertrauen wagen – auch dazu ermuntert mich die Geschichte.

Dann kommt Elisa, der Prophet, der Mann Gottes dazu. Er nimmt sich des Fremden, des Feindes an. Wie schon am Anfang gesagt: ich glaube, dass Gott uns mit dieser Geschichte deutlich machen will, dass er in der Bedürftigkeit der Menschen nicht unterscheidet zwischen denen, die schon immer an ihn glaubten, denen, die schon immer treu und brav seinen Geboten folgten oder die zu einem bestimmten Volk, zu einer bestimmten Rasse oder was es sonst noch immer an menschlichen Unterscheidungsmerkmalen gibt, gehören, sondern dass vor Gott und für ihn der Mensch in seiner Not zählt. Und wenn ich mir den Umgang mit Flüchtlingen in Europa anschaue, den Naziterror und Ausländerhass oder auch nur das alltägliche Gerede über Muslime, Juden oder wen auch immer halte ich gerade diesen Punkt in der Geschichte für superaktuell.

Das nächste in der Geschichte ist die Heilung von Naa-man. Der erwartet eine persönliche VIP-Betreuung mit Showeffekten und viel Brimborium. Stattdessen soll er einfach im Jordan baden. Es braucht andere, interessan-terweise Diener, also nach damaligem Verständnis Men-schen 2. Klasse, die ihn dazu bringen, es doch einmal zu versuchen. Und das Vertrauen, dass er dem schenkt, was so ganz anders als erwartet ist, führt dann dazu, dass er heil, gesund wird. Vertrauen schafft Heilung. Und nicht ein großes Drumrum und große Show. Und für Reiche und Mächtige gibt es keine Sonderbehandlung. Auch bei ihnen führt kein Weg am Vertrauen und an Gott vorbei. Für mich heißt das bis heute ganz viel. Dann, wenn wir sagen, dass Gott Leben heil und gesund machen, dass wir eben nicht auf spektakuläre Gebete und Aktionen setzen und dass es nicht der ist, der betet, der gesund macht, sondern die von diesem Menschen völlig unabhängige Tat Gottes. Elisa bleibt zu Hause, er begegnet Naaman erst nach der Heilung. Gott ist kein Showgott, sondern ein Gott, der auf unspektakuläre Art Menschen nahekommt und ihnen zum Leben helfen will. Und dass es für reiche keine Sonderbehandlung gibt und dass es auch in der Medizin auf Vertrauen ankommt, wäre ein Thema für einen ganzen Tag, zu dem andere viel mehr und besseres sagen könnten.

Wichtig sind mir noch drei Dinge an der Geschichte: das Vertrauen, das Naaman geschenkt, schafft nicht nur Hei-lung, sondern auch eine Umkehr. Er vertraut Gott, der nicht auf Macht und Show setzt, sondern der so ganz anders als erwartet ist. Vertrauen kann Umkehr schaffen. Das Vertrauen, Neues zuzulassen, alte Bilder und Vorstellungen loslassen zu können, ohne dabei etwas zu verlieren. Wer vertraut, wer loslässt, gewinnt Glauben. Gewinnt ein leben, das heil werden kann. Ohne das Vertrauen, loslassen zu können, wird das nicht unmöglich - ich bin nicht Gott, ich weiß nicht, auf welchen Wegen er anderen begegnet – aber es wird ziemlich schwer.

Dann ist da noch die Weigerung Elisas, die kostbaren Ge-schenke anzunehmen. Glauben und Vertrauen sind unbe-zahlbar, Gott lässt sich nicht kaufen. Ich finde es schön, wenn Menschen aus Dankbarkeit oder aus guten Erfahrungen heraus Geld spenden, auch für Kirche und Gemeinde, damit Sinnvolles für andere getan werden kann. Ich finde es auch gut, dass es einen festen regelmäßigen Beitrag gibt, der Leute mit wenig Geld bevorteilt und Reiche stärker belastet, damit einigermaßen zuverlässig gute Arbeit gesichert werden kann und nicht von Zufällen abhängig ist. Aber ich finde es sehr schwierig, wenn Geld dafür verlangt wird, dass ein Pfarrer Trauernde begleitet und einen Gottesdienst für sie hält, wenn Menschen für Taufen oder Trauungen be-zahlen sollen oder wenn Druck ausgeübt wird, Geld für Gemeinden spenden zu sollen. Ohne Geld geht heute keine gute Arbeit mehr. Aber Menschen zu begleiten, zu stärken, Menschen die Liebe und Zuwendung Gottes, sein Heil zu verkündigen und nahezubringen darf nie eine Frage des Geldes oder des Reichtums sein.

Und als letztes ist da für mich in der Geschichte die Tole-ranz und Freiheit, die der Glauben an Gott möglich macht. Naaman ist zum Glauben gekommen. Er will Gott dienen und keine anderen Götter anbeten. Aber sein Beruf als General des Königs von Aram, der an andere Götter glaubt, bringt es mit sich, dass er mit ihm in Tempel dieser Götter gehen muss und vielleicht auch einmal eine körperliche Verneigung als Stütze seines Königs mit ausführt. Elias, der Mann Gottes, nimmt ihm die Angst, etwas falsch zu machen. „Gehe in Frieden“. Das sagt er ihm. Respekt vor der anderen Religion des Königs heißt nicht, dass Naaman den wahren Gott verleugnet. Wer sich von Gott angenommen weiß, kann Toleranz und Freiheit schenken. Nicht, indem er Gott verleugnet und alles für gleich gültig hält. sondern indem er respektiert, das Glauben kein Zwang sondern ein Geschenk ist und dass ein anderer Glauben andere nicht zu Unmenschen, zu Menschen zweiter Klasse macht. Bis heute bitter aktuell. Engstirniger Fundamentalismus, der in jedem, der anders ist, eine Gefahr und einen Menschen zweiter oder dritter Klasse sieht, ist nichts, was auf andere Religionen wie den Islam beschränkt wäre. Gott ist kein Gott des Hasses, sondern ein Gott der Liebe, der Freiheit. Dem dürfen wir vertrauen. Amen.

Rabu, 18 Januari 2012

Das braucht man zum Glauben - 2. nach Epiphanias, 15.01.2012, Reihe IV

Text: 1. Korinther 2,1-10 (Neue Genfer Übersetzung)
Liebe Gemeinde!


Was braucht man eigentlich, um an Gott glauben zu kön-nen? Einen guten Konfirmandenunterricht mit einem überzeugenden Pfarrer und tollen Mitarbeitern? Einen Prediger, der amüsant und geschliffen redet, so dass man ihm gern zuhört? Einen Religionslehrer, der einen begeistern kann? Eltern, die einem aus der Kinderbibel vorlesen und abends am Bett beten? Gottesdienste oder Missionsveranstaltungen mit toller Technik und abwechslungsreicher Gestaltung, so dass einem nie langweilig wird? Nachbarn und Freunde, die auch in schweren Zeiten und Krisen zu einem stehen, damit man seinen Glauben, falls schon einer da ist, nicht ganz ver-liert? Eine tolle Jugendgruppe oder einen guten Bibelkreis oder erfüllende Seniorennachmittage?

Alles schön, alles hilfreich. Und doch kann das alles völlig nutzlos sein. Um an Gott glauben zu können, braucht es vor allem ein Geschenk, über das kein Mensch, nicht der klügste Theologieprofessor, nicht der begabteste Pfarrer, nicht der glaubwürdigste Mitarbeiter und nicht der bekehrteste Christ Verfügungsgewalt hat: es braucht das, was in der Sprache der Bibel Gottes Geist heißt. Es braucht die Kraft, die einen im Inneren aufschließt, wachmacht, bereit macht. Es braucht die Kraft, die es schafft,
 Predigten, Unterricht, Gespräche und Begegnungen, das Lesen in der Bibel nicht nur als intellektuelles Gedankenspiel, nicht nur als netten Zeitvertreib oder kluge Anregung zu verstehen, sondern als eine Botschaft, die Leben stark macht, bereichert und vor allem zum Guten verändert. Als eine Botschaft, die nicht nur intellektuell bedenkenswert ist, sondern die mich wirklich meint. Mich. Heute. 2012.

Glauben ist ein Geschenk. Manchmal ist das schwer aus-zuhalten. Vielleicht als Konfi oder auch als älterer Mensch. Vielleicht sagt man dann: Ich will das eigentlich. Ich will an Gott glauben. Und man sucht nach Techniken, wie das klappen könnte. Und man merkt: so, wie ich mir das wünsche, funktioniert es nicht. Ich höre Gott nicht, wenn ich das will und wenn ich versuche, zu beten. We-der dann, wenn ich mit geschlossenen Augen und gefalte-ten Hände still da stehe, sitze oder liege noch dann wenn ich mit erhobenen Armen laut meine Anliegen vorbringe. Es funktioniert nicht, regelmäßig in den Gottesdienst zu gehen. Da finde ich Gott nicht, weil ich mich doch lang-weile. Es gibt keine Technik, damit Glauben funktioniert und wächst. Leider. Auch nicht für Pfarrer oder Prediger. Ob Predigten etwas bewirken, ob sich das Leben auch von nur einem einzigen, der eine Predigt hört, verändert, das hat kein Pfarrer, keine Pfarrerin im Griff. Weder ein tolles Examen noch zig Rhetorikkurse, die einem beibrin-gen, überzeugend und technisch gut zu predigen noch ei-ne mit Beamer, Band und modernster Technik ausgestat-tete rappelvolle Kirche bringen letztlich Menschen dazu, Gott zu vertrauen und ihr Leben aus seiner Kraft zu ge-stalten.

Ich merke gerade, wie blöd sich das jetzt anhört.
 So, als wäre Glauben was ganz Schweres und Unmögliches. So, als müsste man traurig dasitzen und warten und wenn Gott nicht will, dann läuft halt nichts. Pech gehabt. Nein, Glauben ist eigentlich was ganz einfaches. Niemand ist zu alt oder zu jung, niemand geht auf die falsche Schule oder ist auf die falsche Schule gegangen. Niemand ist zu arm und ungebildet dafür. Glauben ist was ganz einfaches. Aber keiner von uns hat ihn im Griff. Den eigenen Glauben nicht. Und den von anderen erst recht nicht. Eine Erfahrung, die nicht erst Leute im Jahr 2012 machen, sondern etwas, von dem schon Paulus wusste. Etwas darüber schreibt er auch der Gemeinde in Korinth in seinem ersten Brief an sie, der in der Bibel überliefert ist:

Als ich zu euch kam, Geschwister, um euch das Geheimnis zu verkünden, das Gott uns enthüllt hat, versuchte ich nicht, euch mit geschliffener Rhetorik und scharfsinnigen Argumenten zu beeindrucken.2Nein, ich hatte mir vorgenommen, eure Aufmerksamkeit einzig und allein auf Jesus Christus zu lenken – auf Jesus Christus, den Gekreuzigten 3Außerdem fühlte ich mich schwach; ich war ängstlich und sehr unsicher, als ich zu euch sprach 4Was meine Verkündigung kennzeichnete, waren nicht Überredungskunst und kluge Worte; es war das machtvolle Wirken von Gottes Geist.

5Denn euer Glaube sollte sich nicht auf Menschenweisheit gründen, sondern auf Gottes Kraft. 6Und doch ist unsere Botschaft eine Botschaft voller Weisheit. Verstanden wird diese Weisheit allerdings nur von denen, die der Glaube an Christus zu geistlich reifen Menschen gemacht hat. Denn sie hat nichts zu tun mit der Weisheit dieser Welt und mit der Klugheit ihrer Herrscher, deren Macht schon bald vergeht. 7Nein, was wir verkünden, ist Gottes Weisheit. Wir verkünden ein Geheimnis: den Plan, den Gott schon vor der Erschaffung der Welt gefasst hat und nach dem er uns Anteil an seiner Herrlichkeit geben will. Dieser Plan ist bisher verborgen gewesen. 8Keiner von den Machthabern dieser Welt hat etwas von dem Plan gewusst; keiner von ihnen hat Gottes Weisheit erkannt. Sonst hätten sie den Herrn, dem alle ´Macht und` Herrlichkeit gehört, nicht kreuzigen lassen. 9Es heißt ja in der Schrift: »Kein Auge hat je gesehen, kein Ohr hat je gehört, und kein Mensch konnte sich jemals auch nur vorstellen, was Gott für die bereithält, die ihn lieben.« 10Uns aber hat Gott dieses Geheimnis durch seinen Geist enthüllt – durch den Geist, der alles erforscht, auch die verborgensten Gedanken Gottes.

Es ist nicht die kluge und geschickte Rhetorik, nicht die Überredung, die Menschen zum Glauben an Gott führt, schreibt Paulus hier. Glauben an Gott – für mich heißt das auch, darauf zu vertrauen, dass in Jesus Gottes Liebe für alle Menschen ohne Unterschied sichtbar geworden ist. Für mich heißt das auch, trotz aller Angst vor Tod und Sterben darauf hoffen zu können, dass der Tod nicht das endgültige Aus ist. Und nicht zuletzt heißt das für mich, dass Gott, anders als wir Menschen, wirklich vergeben kann und dass wir ihm auch unsere dunkle Seite nicht verbergen können und müssen. Dass wir umkehren dürfen. Aber das alles ist eben kein Produkt geschickter Überredung. Ich finde es merkwürdig, wenn Kirchen oder einzelne Pfarrer oder Gemeinden oder Missionare damit werben wie viele Menschen sie bekehrt haben. Wenn ich die Bibel, wenn ich Paulus ernst nehme, dann kann ich nicht einen einzigen Menschen zum Glauben an Gott bekehren. Gott kann schenken, dass ich ihn vielleicht angeregt habe, Gott im eigenen Leben Raum zu geben. Aber Vertrauen und Umkehr kann nur Gott selbst bewirken. Ich finde es sympathisch, dass Paulus sich zurücknimmt. Und es ist auch nicht unwichtig, wie ich, wie andere von Gott reden oder Glauben leben. Ich als Pfarrer zum Beispiel kann mich bemühen, nicht gar zu langweilig zu predigen und Menschen nicht wertvolle Lebenszeit durch langweilige Predigten zu klauen. Ich kann mich bemühen, Gottes Geist so wenig wie möglich im Weg zu stehen durch irgendwelche Forderungen, die ich im Namen von Kirche oder wem auch immer erhebe. Ich kann Gott darum bitten, dass er auch dann, wenn ich die Bibel falsch auslege, die Menschen, die das mitbekommen, nicht auf diese falschen Wege führt, sondern ihnen Mut macht, eigenständig zu denken und zu glauben. Mehr geht nicht. Nicht für Pfarrer, nicht für Lehrer, nicht für Kirchenvorsteher, nicht für Mitarbeiter, nicht für Eltern, Großeltern oder Freunde oder wer auch immer von seinem Glauben, erzählt, von Jesus und dem Geheimnis, dass sich ausgerechnet in diesem schwachen, gescheiterten Menschen am Kreuz Gott offenbart.

Paulus schreibt, dass das, was man im Glauben an Gott, an Jesus findet nichts ist, was man sonst in der Welt findet und vor allem nichts, was den normalen Mustern von Herrschaft von Menschen über andere entspricht. Die Welt findet es dumm, nicht auf Stärke zu setzen. Die Welt findet es dumm, zu vergeben, andere aufzurichten und nicht als erstes den eigenen Vorteil im Blick zu haben. Bis heute ziehen manche daraus den Schluss, sich im Glauben aus der Welt zu verabschieden. Zuletzt der Papst bei seinem Deutschlandbesuch, der eine Entweltlichung der Kirche gefordert hat. Sicher, Christen müssen aufpassen, dass sie nicht scheinbaren Sachzwängen sich hingeben und einfach so in Kirchen und Gemeinden kopieren, was in der Welt als „normal“ angesehen wird. Aber deshalb müssen sich Christen doch nicht aus der Welt zurückziehen! Auch als Christ habe ich nur diese Welt, in der ich jetzt lebe. Die Vollendung der Welt durch Gott, die steht noch aus. Und in dieser Welt, in diesem Leben kann ich doch die kritischen Möglichkeiten des Glaubens einbringen und so, wie Gott seine Kraft in der Schwachheit am Kreuz vollendet hat, dort für Schwache eintreten, wo sie es nicht können und Partei für die Schwachen ergreifen. Es ist nicht normal, zu glauben und diesen Weg zu gehen. Es ist ein Geschenk. Zu erkennen, dass nicht die scheinbare Stärke und Gewalt siegt, sondern dass Gott in Jesus am Kreuz, in der nach menschlichen Maßstäben totalen Schwäche die größte Kraft, seine Liebe, gezeigt hat, die die Welt total verändern kann, ist eben nichts, was sich logisch beweisen lässt, sondern etwas, das ich als Geschenk des Geistes, der Kraft Gottes, in dieser Welt zu leben und glauben zu können, annehmen kann. Nicht, weil’s mir ein Pfarrer gesagt hat. Nicht, weil es eine Mitarbeiterin, eine Großmutter von mir verlangt hat. Nicht, weil es mich zum Helden macht, sondern weil Gott es schenkt. Gebet Gott, dass wir die Kraft haben, uns beschenken zu lassen und dass wir dann, wenn wir spüren, dieses Geschenk zu haben, es anderen nicht aufzwingen wollen, sondern Gottes Geist den Raum und die Freiheit lassen. Und so Gott die Ehre geben.

Amen.

Sabtu, 7 Januari 2012

Dumm glaubt gut? - 1. n. Epiphanias, 8.1.2012, Reihe IV

Text: 1. Kor 1,26-31 (Übersetzung: Basisbibel)



Liebe Gemeinde!

Wenn wir uns mal umschauen, so, wie Paulus es von der Gemeinde in Korinth vor langer Zeit gefordert hat, wen sehen wir da bei uns hier heute Morgen im Gottesdienst? Ist das so wie vor fast 2000 Jahren in Korinth? Nach menschlichem Maßstab gibt es, so schreibt Paulus, nicht viele Weise, also kluge Menschen. Das kann ich nicht wirklich beurteilen, die Maßstäbe sind sicher unterschiedlich. Aber wenn man mal die Anzahl der Gymnasiasten unter den Konfis als Maßstab nimmt, sind es weniger als der Durchschnitt und Professoren findet man bei uns auch nicht so viele. Beides gibt es, aber anderswo findet man sicher mehr. Dann schreibt Paulus noch: nicht viele Einflussreiche sind dabei. Das ist sicher richtig. Außer aus dem Ortsbeirat gehören keine Politiker zu unserer Gemeinde, keine Inhaber größerer Firmen oder wichtige Berater von Institutionen. Und Paulus schreibt auch, dass nicht viele aus vornehmen Familien zur Gemeinde in Korinth gehörten. Das ist, glaube ich, bei uns gar nicht anders. Also: wenn wir die Aufforderung von Paulus ernst nehmen und uns umschauen, entdecken wir zuerst einmal etwas ganz Ähnliches. Aber wie ist es denn mit dem, was Paulus dann als positive Beschreibung nachschiebt, wer alles von Gott auserwählt wurde? Paulus schreibt, dass Gott die auserwählt hat, die von der Welt für dumm gehalten werden. Genauso wie die, die als schwach gelten und die, die nach den Maßstäben der Welt völlig bedeutungslos sind. Nehmen wir das gern als positive Beschreibung unserer Gemeinde oder von Christen überhaupt an? Dumm, schwach und bedeutungslos – ich jedenfalls tu mich schwer damit, mich so beschreiben zu lassen. Wer Christ ist, der gehört zu den Losern, zu den Opfern, zu den Schwächlingen? Ich glaube, selbst wenn man tatsächlich dazu gehört, zu den Armen, zu den Schwachen und Opfern, hört man das alles andere als gern. Viel lieber möchte man anders sein. Geachtet. Klug. Reich. Vielleicht auch einflussreich. Vielleicht widersprechen mir auch manche. Bei einer Predigt sagt man das ja nicht laut dazwischen. Aber vielleicht denken manche jetzt: Pfarrer, das kannst du aber nicht so allgemein sagen! Gerade als entschiedener und bewusster Christ
 bin ich gern arm und verzichte auf Macht. Kann sein. Und ich habe ganz großen Respekt vor den Armutsbewegungen, die es schon immer bei den Christen gab. Den Anfängen der Bettelorden wie den Franziskanern im Mittelalter, vielen sozial orientierten christlichen Bewegungen bis heute, bei denen die Menschen bewusst auf Reichtum und äußere Würden verzichten, um Benachteiligten und Menschen am Rand zu helfen. Trotzdem: zum einen waren das immer Bewe-gungen von kleinen Minderheiten. Zum zweiten haben auch solche entschieden und konsequent die Nachfolge Jesu lebenden Menschen Schwierigkeiten damit, sich als dumm oder töricht bezeichnen zu lassen. Und zum dritten gibt es da manchmal auch die Versuchung, sich selbst, weil man so konsequent leben kann, zu einer Elite zu zäh-len und sich für besser als andere zu halten.

Sitzt man als Christ also in der Falle, aus der man nicht mehr rauskommt, in der man eigentlich alles nur falsch und nichts richtig machen kann? Oder war es schlicht und einfach früher, als Paulus gelebt hat, viel einfacher und Christsein ist halt in der modernen Welt besonders schwer oder vielleicht auch nur was für Leute mit hoher Leidensbereitschaft oder für die, die den Anschluss an moderne Zeiten verpasst haben? Nein, wir sitzen nicht in der Falle. Nein, Christsein ist durchaus was für Menschen, die im 21. Jahrhundert leben. Und nein, früher, zu Zeiten von Paulus, war auch nichts besser und einfacher. Denn das, was wir für moderne Probleme und Fragen halten, war eigentlich damals auch schon vorhanden.

Die Gemeinde in Korinth, der Paulus den Brief schreibt, ist die Gemeinde, mit der Paulus am meisten zu tun hat. Keine einfache Gemeinde. Keine perfekte Gemeinde. Aber eine Gemeinde, die ihm vielleicht gerade deshalb besonders am Herzen liegt. Und in dieser Gemeinde fingen die Leute langsam an, echte Unterschiede zu machen und sich voneinander abzugrenzen. Beliebt war es, sich besser zu fühlen, weil man von einem scheinbar begabteren oder angeseheneren Menschen getauft wurde. Oder Unterschiede zu machen, weil man einen angeseheneren Beruf hatte und vielleicht auch mehr spenden oder zum Unterhalt der Gemeinde beitragen konnte. Oder aber die Begabungen, die Gott den Menschen mitgegeben hatte und die ganz verschieden sind, in Wichtigkeiten einzuteilen. Viele Möglichkeiten. Und genau das, was in der Welt außerhalb der Gemeinde vorkam und normal war, die Aufteilung der Menschen nach Ansehen, scheinbarer Wichtigkeit, Besitz, das passierte nun auch in der Gemeinde selbst. Paulus setzt nun nicht noch einen drauf und behauptet, dass er alles besser weiß und weil er schon länger Christ ist und sich besser auskennt und ein höheres Ansehen haben sollte, müssten alle gefälligst machen, was er sagt. Damit würde er ja genau wieder in die Falle tappen. Er zeigt einen Weg aus der Falle, der, finde ich, bis heute eigentlich richtig und gut ist.

Der Schlüssel zu dem Weg steckt in der Art, wie Paulus die Menschen anredet und sieht: „Brüder und Schwes-tern!“ Gut, wörtlich steht da nur Brüder, aber Gott sei Dank haben mittlerweile fast alle anerkannt, dass vor Gott nicht nur theoretisch sondern auch praktisch alle Menschen nicht nur unabhängig von ihrer Hautfarbe, Sprache oder Herkunft, sondern auch von ihrem Geschlecht gleich sind. Natürlich kann man die Anrede für albern, veraltet oder typisch nichtssagend kirchlich halten. Aber für mich steckt da ganz viel drin.

Paulus begegnet den Menschen auf Augenhöhe. Auch denen, die, seiner Meinung nach, auf einem falschen Weg sind. Er redet nicht wie ein bestimmender Vater zu Kin-dern, die noch viel lernen müssen, sondern von gleich zu gleich. Auch wenn es sich noch so altmodisch und viel-leicht auch abgedroschen und tausendmal gehört anhört: Unabhängig von unserem Alter, Wissen, Können, Ge-schlecht, Nationalität, Sprache gehören wir vor Gott zu-sammen. Geschwister kann man sich nicht aussuchen. Das ist auch gut so. Man kann und muss sich vielleicht auch manchmal streiten und man darf auch Dinge sagen, mit denen man nicht einverstanden ist. Aber wir sind über alle Uneinigkeit hinaus verbunden. Und zwar ohne Ansehensgefälle. Für Paulus war klar: auch wenn manche ihm mit ihrem Verhalten weh tun, fallen sie nicht aus der Geschwisterlichkeit vor Gott. Wenn alle gleich denken und handeln würden, wäre es auf Dauer doch langweilig und es würde keinen Fortschritt geben. Auch nicht in der Entwicklung der Liebe zueinander, auch nicht im Bezug auf das, was ich von Jesus erkennen kann. Wenn alle das Gleiche wie ich sehen, dann sehe ich doch nie was Neues. Erst dann, wenn ich mich mit neuen, anderen Sichtweisen auseinandersetzen kann, habe ich die Chance, auch für meinen Glauben Bereicherndes zu entdecken. Die Konsequenz daraus, sich als Geschwister zu verstehen, ist ja auch, dass es auf einen selbst, auf die eigene Familie sozusagen, zurückfällt, wenn man andere klein macht und über andere schlecht redet, wenn man glaubt, man wäre besser.

Nicht die Perfektion oder die Gleichförmigkeit hält uns zusammen, sondern dass Gott uns schon längst durch Jesus auf den Weg geschickt hat. In der Welt, zu ihm hin. Miteinander, nicht allein.

Und auf diesem Weg bleibt es der notwendige Antrieb, der notwendige Stachel im Fleisch, dass Gott uns manchmal ziemlich schmerzhaft deutlich macht, dass er mit anderen Maßstäben misst als wir. Macht, Geld, Einfluss, Wissen: was für uns so wichtig erscheint, ist kein Maßstab für seine Gerechtigkeit, für seine Liebe. Wir haben uns nicht ausgesucht, dass wir in dieser Welt sind. Wir haben es uns nicht ausgesucht, dass wir mit dem Glauben an Jesus in Berührung gekommen sind. Nichts, worauf wir stolz sein könnten, sondern Gottes Liebe, der Glauben, das Leben: alles geschenkt.

Wir dürfen klug sein, wir dürfen Besitz haben, aber bes-ser als andere macht uns das nicht. Im Gegenteil: manchmal führt uns das auf falsche Wege. Indem wir viel zu viel Kraft dafür verbrauchen, das, was wir haben, zu verteidigen oder uns auf Kosten von anderen groß zu ma-chen. Gottes Kraft zeigt sich da, wo Menschen bereit sind, zu ihrer Ohnmacht, auch zu Angst und Zweifel zu stehen, wo nicht künstlich Stärke und Macht aufgebläht wird und wo Menschen sich nicht von dem irre machen lassen, was scheinbar als alternativloses Verhalten in der Welt angepriesen wird.

Christen, Gemeinden sind in ihrem Verhalten nicht feh-lerfrei. Bis heute. Je nach persönlichem Hintergrund oder Vorliebe scheint es ja durchaus eine Rolle zu spielen, ob man in der Elisabethkirche oder der Thomaskirche ist. Ob man die Landeskirche besser findet oder eine freie Ge-meinde. Aber sobald man denkt, man wäre besser, tappt man in die Falle. Der Schlüssel zum Weg aus der Falle liegt für mich tatsächlich in der Geschwisterlichkeit. wir gehören zusammen, gehen vielleicht nicht immer auf dem gleichen Weg, sind aber zum gleichen Ziel hin unterwegs. Zu Christus und seiner Liebe. Die er nicht nach Ver-dienst, Ansehen, Größe des Geldbeutels, Alter des Kir-chengebäudes oder Modernität des Gebets schenkt. Gott sei Dank. Amen.