Sabtu, 23 April 2011

Halluja Amen! - Ostersonntag, 24.04.2011, Reihe III

Und hierzu ein Musiktipp: Michaela Meise, Preis dem  Todesüberwinder
Text: Matthäus 28,1-10

Liebe Gemeinde!
Jesus lebt. Amen.

Eigentlich kann ich gar nicht weiter predigen. Mehr kann ich gar nicht verkündigen. Etwas Größeres kann ich nicht sagen. Jeder Versuch, zu erklären, zu beschreiben, Ostern für den Verstand handhabbar zu machen, wird scheitern. Ostern ist die radikale Frage an unseren, an meinen Glauben. Weihnachten, die Geburt eines Kindes, in dessen Lebenslauf Gott zu erkennen ist, eine große Botschaft, aber alles im Rahmen dessen, was ein Verstand irgendwie erfassen kann. Karfreitag, der Tod eines unschuldigen Menschen mit dem Gott sich ganz und gar identifiziert, auch das stellt unseren Glauben nicht auf die ultimative Probe. Geburt und Tod markieren die Grenzen des Verstandes. Aber dass der Tod nicht das Ende ist, das kann ich nicht verstehen. Jeder Versuch, hier vernünftige Erklärungen zu finden, scheitert. Klar ist, dass es ein Ereignis in der Weltgeschichte gab: ein leeres Grab, in dem doch eigentlich ein Leichnam hätte liegen sollen. Was sich da abgespielt hat, davon schweigt sogar die Bibel. Matthäus erzählt hier, dass sich Maria aus Magdala und die andere Maria, zwei Frauen, die Jesus besonders nahe waren, auf den Weg gemacht haben, um nach dem Grab zu sehen. Als sie ankommen, erleben sie eine spektakuläre Show: Erdbeben, ein blendend  weißer Engel kommt vom Himmel, ein schwerer Stein wird weggewälzt. Aber wer jetzt erwartet, dass Jesus im Nebel und unter unerhörten Effekten aus dem Grab kommt. Aber nichts in dieser Richtung passiert. Das Wesentliche ist schon längst geschehen. Das Grab ist leer, der Übergang vom Tod zum Leben ist nicht zu beobachten, er ist wirklich unaussprechlich. „Kommt und seht!“
So werden die Frauen aufgefordert, das Grab zu betreten und sich mit eigenen Augen davon zu überzeugen, dass es nichts zu sehen gibt. Wer das Leben sehen will, muss vom Tod Abschied nehmen können. Die frohe Botschaft von Ostern ist nicht die, dass wir den Tod überspielen oder verleugnen müssen. Die frohe Botschaft ist die, dass der Tod überwunden ist. Weil er ernstgenommen wird. Jesus lebt – und Menschen sterben weiterhin. Jesus lebt – und die Welt hat immer noch ihre traurigen und schrecklichen Seiten. Jesus lebt – und genau das ist der Grund, warum wir uns nicht von dem Schrecklichen und Traurigen gefangen nehmen lassen müssen, das immer noch da ist. Nicht, weil wir die Augen davor verschließen müssten. Nicht, weil wir es überspielen müssten. Die Frauen am Grab – und mit ihnen auch wir, dürfen und müssen hinschauen. Wir dürfen und müssen dem ins Gesicht sehen, was uns Angst macht. Und das ist ja ganz viel. Der Tod. Die Erfahrungen von Leiden. Die Angst, Liebe zu verlieren oder keine Liebe zu finden. Die Angst, nicht mithalten zu können. Die Angst, zu kurz zu kommen. Die Angst, dass die ganze Welt zu Grunde geht. An einem unverantwortlichen Umgang mit der Umwelt. An Aggression und Gewalt, die im täglichen Umgang von Menschen immer wieder zu spüren ist. An Intoleranz und Feindschaft allem, was anders ist, gegenüber. Die Angst, dass die Welt zugrunde geht an ungehemmten Gewinnstreben, an der Verachtung der Menschlichkeit.
Im persönlichen und gesellschaftlichen Leben, auch im Glaubensleben gibt es sehr viel, was Angst machen kann, was Zweifel daran nähren kann, dass Gott es gut mit uns meint. Es gibt viel zu viel, das uns fragen lässt, ob es wirklich stimmt, dass der Tod, dass die Leben vernichtenden Kräfte ihre Macht verloren haben. Tut nicht so, als gäbe es das nicht. Das ist die Botschaft, die der Engel mitgibt. Öffnet die Augen, seht hin, stellt euch euren Ängsten und Sorgen. Aber: ihr müsst euch nicht mehr davon gefangen nehmen lassen. „Fürchtet euch nicht!“ Auch das ist eine zentrale Osterbotschaft. Die Begegnung mit Gott, mit einem Leben, das wirklich gut ist, ist eben ganz anders als das, was wir kennen. Fürchtet euch nicht. Lasst das, was ihr gewohnt seid, was euch aber gefangen nimmt, los und geht neue Schritte in ein Leben, das unbekannt ist.
Als die Frauen dem Ungewohnten trauen, als sie sich wieder aufmachen und voller Freude ins Leben gehen, da begegnet ihnen, so erzählt es Matthäus hier, auf wunderbare, aber völlig unspektakuläre Art und Weise. Jesus begegnet im Leben. Jetzt lässt sich das als Pfarrer von der Kanzel leicht behaupten. Aber wie ist das denn im Alltag? Keinem von uns ist Jesus so begegnet wie den beiden Frauen. Keiner von uns hat ihn so gesehen, konnte vor ihm auf die Knie gehen und seine Füße umfassen. Also alles doch nur erfunden? Wie gesagt, Ostern ist die echte Probe des Glaubens. Weil wir Menschen tatsächlich ganz auf das Vertrauen und den Glauben zurückgeworfen sind, ohne handfeste Beweise. Wenn ich jetzt sage, dass Jesus mir im Gebet begegnet, dass ich spüre, dass Jesus da ist, wenn beim Abendmahl mit einem alten Menschen dieser Mensch viel Lebensfreude ausstrahlt, dass Jesus da ist, wenn ein junges Mädchen, das viele Schwierigkeiten hat und viele Schwierigkeiten macht, in Konfer anfängt, einen Sinn in ihrem Leben zu entdecken, wenn eine Jugendliche, die bis vor kurzem durch ihre Aggressionen aufgefallen ist, diese in den Griff bekommt und freundlich auf Menschen zugeht, wenn ich noch viel mehr aufzählen würde, wo meiner Meinung nach Jesus wirklich lebendig zu spüren gewesen ist, dann ist das natürlich alles kein Beweis im klassischen Sinn. Ich habe bei diesen und anderen Gelegenheiten gespürt: Jesus lebt. Seine Kraft bringt heute noch Menschen dazu, sich dem Leben zuzuwenden. Seine Kraft verändert heute noch Leben zum Guten. Aber jemand, der skeptisch ist, der nicht glauben kann oder nicht glauben will, wird mit Sicherheit andere Erklärungen finden. Gott bietet Leben, bietet Glauben an. Er bietet an, er zwingt nicht.
In der Erzählung der Begegnung mit dem Auferstandenen, so, wie Matthäus sie überliefert, bekommen die Frauen, die Jesus zuerst sehen, die als Erste in ein neues Leben gehen, den Auftrag, den anderen zu erzählen, dass sie dem lebendigen Jesus in Galiläa begegnen werden. Jetzt wohnen wir natürlich nicht in Galiläa und sie können mich mit Recht fragen, warum das denn auch heute noch so wichtig sein sollte. Ich glaube, dass es wichtig ist, weil Galiläa der Ort war, an dem der Alltag stattfand. Nicht die Hauptstadt Jerusalem, in der die wichtigen Feste stattfanden und in der die Oberschicht wohnte, sondern das Land mit den normalen und einfachen Menschen, dort, wo sich der Alltag abspielt, ist der Ort, an dem Jesus erscheint. Jesus sagt das – und schwupp, schon ist er wieder weg. Auch der Auferstandene lässt sich nicht festhalten. Leben lässt sich nicht festhalten. Nur annehmen und leben. Kommt und seht – seht, dass alle Trauer ein Ende haben wird und dass das Leben siegt. Seht, dass es nichts zu sehen, aber alles zu erleben gibt.
Für mich hat Ostern, gerade so, wie der Evangelist Matthäus davon erzählt, etwas von einem weißen Blatt Papier. Für manche nichts weiter als ein leeres Blatt. Für andere ein Raum, der ganz viele Möglichkeiten zur Gestaltung öffnet. Eine Einladung, loszulegen, dem Leben Ausdruck zu verleihen und etwas zu gestalten. Ostern gibt es nichts zu sehen, aber viel zu erleben. Dann, wenn ich mich traue, mich dem Leben zu öffnen. Dann, wenn ich mich traue, mein Leben, meine Trauer, meine Angst, meine Schuld anzusehen und im Vertrauen auf den, der mir ins Leben vorangegangen ist, loszulassen und abzulegen. Und mit dem Leben neu zu beginnen. Das Blatt neu zu beschreiben. Und das Schöne an der Einladung zum Leben im Glauben: Ich darf sie immer wieder annehmen. Wenn ich merke, dass ich mein Blatt mit falschem gefüllt habe, dass Zweifel, Angst und Schuld stark werden, darf ich einen Neuanfang nehmen. Neu auf Ostern schauen. Auf Gott, der in Jesus die Macht des Todes zerbrochen hat und einen Neuanfang schenkt. Ostern stellt unseren Glauben auf die Probe. Trauen wir uns, mehr zu sehen? Trauen wir uns, das Unsichtbare, Unfassbare nicht als Bedrohung wahrzunehmen, sondern als Einladung zum Leben? Trauen wir uns, dem Unbekannten, dem Leben zu trauen oder lassen wir uns gefangen nehmen – von unseren Bildern, von unseren Ängsten, von dem, was wir schon längst zu kennen glauben?
Trauen wir uns zu glauben und zu leben! Gelobt sei Gott, Halleluja, Jesus lebt!
Amen.

Von ferne - Karfreitag, 22.04.2011, Reihe III

Wieder mal eine Predigt, bei der die gehaltene Fassung sehr deutlich von der hier veröffentlichten schriftlichen Fassung abwich.

Text: Lukas 23,33-49

Liebe Gemeinde!


Der Tod ist für manche faszinierend. Es gibt Menschen, die können nicht nahe genug dabeistehen. Die wollen alles ganz genau sehen. Es ist noch keine zwei Wochen her, da wurde ich zu dem Unfall gerufen, bei dem in der Nähe von Amöneburg ein Motorradfahrer tödlich verunglückte und ein junger Mann im Auto verbrannte. Ein Feuerwehrmann und ein Polizist, mit denen ich gesprochen habe, erzählten mir von Menschen, die nicht nahe genug an die Unfallstelle herankommen konnten. Ein Gaffer bat sogar den Feuerwehrmann, etwas zur Seite zu treten, damit er einen besseren Blick auf den Unfallwagen habe. Gaffer. Ganz anders die junge Frau, die zum Zuschauen verurteilt war. Sie fuhr unmittelbar hinter dem Unfallwagen, wollte helfen, konnte aber nichts mehr tun, außer Polizei und Rettungskräfte zu alarmieren. Menschen starben und sie war zum Zuschauen verurteilt. Ich habe mich mit ihr unterhalten. Es war unaussprechlich schlimm für sie.
Der Tod ist schrecklich faszinierend. An Unfallstellen immer wieder zu erleben. Auch auf Autobahnen. Unfall auf der Gegenfahrbahn, Särge stehen bereit. Gaffer auch. Dann wird weitergefahren. Langsam erst einmal, so ein wenig Schock und Gruseln sind noch da. Aber spätestens übermorgen ist alles wieder wie früher.
Hinschauen oder weitergehen, gaffen oder mitleiden, sich gruseln, weil jeder Tod an die eigene Sterblichkeit erinnert oder sich groß fühlen, weil ja nicht ich, nicht mein Verwandter, nicht mein Freund gestorben ist. Weil ich etwas gesehen habe, das nicht jeder sieht. Es hat einen ganz merkwürdigen Beigeschmack, beim Sterben zuzuschauen.
Aber genau davon erzählt eigentlich Lukas in seinem Evangelium. Alle, die Jesus folgten, alle, die ihm zeit seines Lebens nahe gewesen sind, haben nur von weitem zugeschaut. Es standen aber alle seine Bekannten von ferne,
auch die Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles. Mit dieser nüchternen Beschreibung endet Lukas‘ Bericht über das Sterben Jesu. Die, die die letzte Lebenszeit mit Jesus geteilt haben, laufen nicht ängstlich davon, sie stehen aber auch nicht direkt betroffen unter dem Kreuz und weinen. Sie stehen fern. Sie schauen zu. Merkwürdig. Aber vielleicht will Lukas, der die Geschichte vom Sterben genau so erzählt, auch den Menschen, für die er sie erzählt, deutlich ma-chen, wo sie, wo wir stehen. Wir können nicht so tun, als wären wir unmittelbar Betroffene. Aber wir müssen auch nicht weglaufen, aus Scham oder Angst. Die Distanz hilft, das Fremde auch fremd sein zulassen und aus dem Fremden für das Eigene zu lernen. Es ist Jesu Sterben, nicht unser eigenes Sterben. Aber dieses Sterben verrät uns etwas über uns und die Welt. Wir dürfen hinschauen, wir müssen es vielleicht auch. Aber eben nicht als sensationslüsterne Gaffer, die sich an Grausamkeiten ergötzen, sondern als Lernende. Jesu Sterben lehrt uns etwas über das Leben. Unser Leben. Zuallererst, dass Sterben zum Leben gehört. Jesus blendet den Tod nicht aus. Gott ist wirklich Mensch geworden. Kein Scheinmensch, der im letzten Moment einen Rückzieher macht und als Gott davon schwebt, sondern radikal mit allem, was zum Menschsein dazugehört. Sterben macht Angst. Die Angst vor einem langen, qualvollen Sterben ist da. Und die Unsicherheit über das, was sein wird. Unser Verstand findet seine Grenze am Tod. Gott ist auch da, wo unser Verstand seine Grenze findet, wo unsere Angst unaussprechlich da ist. Für mich ist das eine Botschaft des Kreuzes Jesu. Eine Botschaft, die wir, solange wir nicht selbst vom Sterben Betroffene sind, tatsächlich nur aus der Distanz sehen können. Aber so, wie sie den ersten Christen, den Jüngern und Freunden Jesu, Kraft gegeben hat, kann sie vielleicht auch heute noch, in unserem Leben, Kraft gewinnen. Nicht im Voraus, sondern dann, wenn es wirklich drauf ankommt, wenn wir die Distanz verlieren, weil es uns real betrifft. Der Test, wer wirklich Macht über unser Leben hat, was wirklich stark in unserem Leben und Sterben ist, findet nicht in der Theorie statt, sondern dann, wenn es soweit ist. Solange bleiben wir in der Distanz. Wir dürfen schauen und lernen. Aber wie viel Kraft das Geschaute und das Gelernte hat, das wird erst der Ernstfall des Todes zeigen.

Und da zeigt Lukas uns in seiner Erzählung drei wichtige Dinge, die er alle mit einem Wort Jesu verbindet. „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, so bittet Jesus für die, die sich an ihm vergangen haben und die für seinen Tod sorgen. Vergebung ist der Wille Gottes. Gott will nicht auf Schuld festnageln. Bis zuletzt nicht. Aber die meisten Menschen überspielen die eigene Schuld, die eigene Hilflosigkeit, indem sie dieses großartige Angebot, diese Versöhnung ins Lächerliche ziehen. Die Oberen und das Volk spotten, sie machen sich über die scheinbare Ohn-macht lustig. Und selbst der eine wahre Verbrecher ver-höhnt Jesus noch. Der scheinbar noch schwächere wird getreten, um die eigene Schwäche und Hilflosigkeit zu kaschieren. Versöhnung, Vergebung wird zurückge-wiesen, weil eigene Schuld nicht in den Blick kommt. Vielleicht ist gerade hier die Distanz heilsam, in die Lu-kas die Anhänger, die Jünger, die Freunde, die Frauen um Jesus, und damit auch uns heute, stellt. Hätten wir tatsächlich die Kraft, das Angebot der Versöhnung an-zunehmen, Schuld einzugestehen? Aus der Distanz lässt sich das leicht behaupten. Aber wenn wir schuldig sind, neigen wir dann nicht auch dazu, Schuld zu überspielen und sei es dadurch, dass wir scheinbar Schwächere noch schwächer oder noch kleiner dastehen lassen wollen? Die Distanz hilft vielleicht dabei, zu lernen und dann im richtigen Augenblick doch das Richtige zu tun. So, wie Lukas es von dem zweiten Verbrecher erzählt. Der steht zu seiner Schuld und spürt instinktiv, dass er sich Jesus anvertrauen kann. Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und wieder ein Wort Jesu: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradies sein! Paradies, das ist ein Leben, das eindeutig gut ist. In dem die Mehrdeutigkeiten und die Schuld, die hier, in der Welt, die wir kennen, übermächtig sind, keine Macht mehr haben. Paradies, in der Bibel ist das der Zustand, in dem Gott und Mensch miteinander leben, ohne dass die Schuld sie trennt. Nicht der Tod an sich bringt ins Paradies, erst recht nicht irgendein Märtyrertod. Es ist das Vertrauen in Jesus, in die Vergebung, die er noch – oder eigentlich ja gerade – in seinem Tod schenkt, die Einsicht in die eigene Schuld, die untrennbar dazu gehört, die diese unzerstörbare Einheit mit Gott wieder herstellt. Das, was dieser mit Jesus gekreuzigte Verbrecher anders macht als die anderen ist, dass er seine eigene Situation realistisch beurteilt, die eigene Bedürftigkeit erkennt und sein Heil weder in Ausflüchten noch in scheinbarer Stärke, sondern in bittendem Vertrauen zu Jesus sucht. Aus der Distanz schauen wir zu. Wie die Jünger, die Freunde und Freun-dinnen Jesu. Aus der Distanz lehrt uns Jesus die Einsicht in die Schuld, die Kraft der Vergebung und den Zugang zur Einheit mit Gott. Wir schauen zu – gebe Gott, dass dies ein vertrauendes, lernendes Schauen ist.

Lukas setzt auch weiter eigene Akzente in seiner Erzäh-lung vom Sterben Jesu. Schon vor dem Tod Jesu und nicht erst mit dem Tod zerreißt der Vorhang im Tempel. Der Vorhang regelte den Zugang zum Tempel, nur die Hohepriester durften hinter den Vorhang blicken und Gott nahe kommen. Mit dem, was am Kreuz geschieht, öffnet sich dagegen für alle, für jeden Menschen, der Zugang zum Allerheiligsten, der Zugang zu Gott. Nicht erst der Tod, sondern die Zuwendung zu den Menschen auch im eigenen Leid, die Macht, die Jesus in aller äußerlichen Ohnmacht ausstrahlt, zeigen Gottes Willen und Gottes Wesen.

Und am Ende dann das große Vertrauen: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Wir können wahrnehmen, zuschauen, hinschauen, dass Menschen so sterben. Jesus selbst und in seiner Nachfolge immer wieder auch andere, die voller Vertrauen die Wege konsequent zu Ende gehen, auf denen sie geführt werden. Die nicht nur ihr Leben, sondern ihr Sterben Gott wirklich anvertrauen.

Die Menschen, die dabeistanden, die sogenannten Hei-den genauso wie die Juden, verweigern am Ende Jesus nicht die Anerkennung. In einer Trauergeste schlagen sie sich an die Brust, als Zeichen eigener Schuld, sie kehren um. Und wir? Sind wir unbeteiligte, vielleicht nachdenk-liche Zuschauer in der Distanz? So, wie bei Unfällen oder Fernsehnachrichten, vielleicht geschockt für einen Moment? Ist dieses Sterben eines wie so viele, zu viele andere? Erfreut es uns vielleicht, befriedigt es unsre Lust auf Horror? Oder lehrt es uns, die Schrecken des Todes auszuhalten und mit dem Vertrauen anzufangen? Lehrt es uns, den Weg des Lebens nicht unter Verleugnung von Schuld und eigenem Sterben, sondern durch beides hindurch zu suchen? Werden wir unseren Weg zum Le-ben finden? Die Frage lässt sich von keinem von uns theoretisch oder im Voraus beantworten. Erst wenn wir vom Beobachter zum Betroffenen werden, werden wir erfahren, wo wir sind. Wie wir unseren Weg gehen. In Jesus hat Gott uns den Weg gezeigt, durch ihn hält er ihn uns offen. Bis zuletzt. Damit aus teilnehmenden Be-obachtern lebendige Zeugen werden können.



Amen.

Rabu, 20 April 2011

Da hilft nur noch Beten - Vorstellungsgottesdienst des Konfirmandenjahrgangs 2011, Palmarum, 17.04.11

Liebe Leserinnen und Leser des Blogs!
Am vergangenen Sonntag war mal wieder "Konfi-Vorstellungsgottesdienst". Die Konfis des Jahrgangs 2011 zeichnete eine Suche nach dem Glauben aus. sie stellten viele Fragen und hatten viele sehr persönliche Erfahrungen. Manches davon ist in den Vorstellungsgottesdienst eingeflossen. Anders als manche vorhergehenden Jahrgänge hatten Sie keine ausgeprägte "Spiellust" und wenig Lust, biblische Geschichten zu verfremden oder aktuell umzusetzen, da sie für Jugendliche dieses Alters erstaunlich gut und gern mit den Originalen selbst arbeiteten. Die Texte finden sie dann im Folgenden:

Begrüßung:


Liebe Gemeinde!

Zu diesem Gottesdienst heute begrüßen wir, die Konfirmandinnen und Konfirmanden des Jahrgangs 2011, sie herzlich. Es ist ein besonderer Gottesdienst. Es ist unser Vorstellungsgottesdienst. Deshalb wird manches anders als gewohnt sein.

Wir haben uns mit dem Thema „Beten“ im Unterricht und während der Konfirmandenfreizeit beschäftigt und wir haben versucht, dieses Thema in unsere Welt zu übersetzen. Statt einer Predigt sehen sie ein von uns selbst ausgedachtes Rollenspiel zum Thema. Die Gebete haben wir selbst entworfen und ein eigenes Glaubensbekenntnisse geschrieben.

An dieser Stelle möchten wir auch schon einmal Danke dafür sagen, dass wir eine gute Konfirmandenzeit hatten. Wir hatten eine schöne Freizeit in Fulda, die Mitarbeiter haben uns zu Grillabenden und anderen Veranstaltungen eingeladen und Sebastian aus dem Konfi-Café hat sich heute mit Freunden um die Musik gekümmert. Also Danke an dieser Stelle an Ursel, Juliane und Daniel, die sich neben Pfarrer Kling-Böhm und Vikarin Urhahn-Diel um den Unterricht und die Konferfreizeit gekümmert haben und an Daniel, Sebastian und in den letzten Wochen Caro und Celine vom Konfi-Café Team und an Jana und Lissy, die zwischendurch dort eingesprungen sind.

Damit sie wissen, wer wir sind, möchten wir ihnen alle einmal kurz mit Namen vorstellen:

Paul, Terrell, Julia, Dascha, Vanessa Tomzik, Jessica, Lisa, Doreen, Vanessa Sause, Maurice, Peter, Germann, Jakob und natürlich wir beide, Marcel und Bettina. Michael und Nikita können heute leider nicht dabei sein.

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, der uns wie ein guter Vater beschützt, der durch Jesus an unserer Seite steht und der uns durch seinen Geist Kraft geben will. Amen.









Wir rufen zu Gott mit Worten aus dem 23. Psalm. wir haben ihn ein bisschen umgeschrieben, so dass wir ihn besser verstehen:

Gott ist mein Beschützer,

mir wird nichts fehlen.

Er führt mich auf eine grüne Wiese

und führet mich zum frischen Wasser.

Er versorgt mich.

Er erfrischt meine Seele.

Er zeigt mir den richtigen Weg, dafür steht er mit seinem Namen.

Auch wenn ich in Schwierigkeiten stecke,

brauche ich keine Angst zu haben,

denn du bist bei mir und beschützt mich und rettest mein Leben.

Du schenkst mir ein Festmahl vor den Augen meiner Feinde.

Du begrüßt mich voller Freude und schenkst mir voll ein.

Mein Leben lang schenkst du mir alles, was ich brauche.

Und ich bleibe immer so nahe wie möglich bei dir.





Eigentlich kommt an dieser Stelle ein Bittruf. Aber am Palmsonntag, den wir heute feiern, haben die Menschen Jesus zugejubelt. Und wir haben auch gute Sachen erlebt, gerade auf der Konfifreizeit in Fulda. Deshalb wollen wir an dieser Stelle Gott loben:

Lobt unsern Herrn, erzählt gute Sachen über ihn,

denn er ist so wunderbar zu uns und wird damit nie aufhören. Lobt den Herrn.

Wenn wir bei dir sind, sind wir fröhlich,

wir können dir vertrauen, egal, worum es geht. Lobt den Herrn.

Gott, hör uns zu, wenn wir zu dir sprechen,

hilf uns in Notsituationen, damit wir wissen, dass du immer bei uns bist. Lobt den Herrn.





Gebet

Wir beten: Gott, wir beten heute Morgen dafür, dass du bei uns in unserem Gottesdienst bist. Lass uns dein Wort hören, sprich zu uns und hilf uns, dich zu verstehen. Zeige uns, wie die Welt gut werden kann, auch durch das, was wir machen. Hilf uns, auf Jesus zu hören und ihn als Vorbild zu sehen. Amen



Glaubensbekenntnis

Heute möchten wir ihnen zuerst unser eigenes Glaubensbekenntnis vorstellen. Danach sprechen wir alle zusammen noch einmal das Bekenntnis, das wir jeden Sonntag sprechen:



Wir glauben an Gott, unsern Vater, den Macher der ganzen Welt.

Und wir glauben Jesus, der uns von dem Bösen befreit und der vom Heiligen Geist empfangen wurde.

Gekreuzigt, gestorben und am dritten Tag auferstanden ist er für uns.

Jetzt sitzt er im Himmel an der Seite Gottes.

Er wird vom Himmel kommen, um uns und die Welt zu retten.

Wir glauben daran, dass es den Heiligen Geist gibt, dass die christliche Kirche mehr ist als das, was wir hier als Kirche sehen, und wir glauben daran, dass Gott uns durch den Glauben heilig macht.

Wir glauben, dass Gott unsere Sünden vergeben kann, dass die toten auferstehen, um ewig bei Gott zu leben.



Und gemeinsam sprechen wir: Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn. Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus… 

Predigtteil 1:

Wir wollen ihnen und euch heute eine Geschichte aus der Bibel vorstellen. Diese Geschichte ist vielleicht vielen gar nicht so bekannt. Deshalb soll sie nicht einfach so vorgelesen werden, sondern wir wollen ein paar Szenen daraus vorspielen und dazu das sagen, was uns an dieser Geschichte aufgefallen ist und was uns wichtig ist.

Die Geschichte handelt von Petrus. Petrus war einer der Jünger von Jesus. Er hat als erster erkannt, dass Jesus wirklich der Sohn von Gott ist. Jesus hat ihm viel zugetraut. Er wollte, dass Petrus Verantwortung für die Gemeinde übernimmt. Obwohl Jesus genau wusste, dass Petrus nicht perfekt ist. Als Jesus den Jüngern auf dem See begegnet ist, hat Petrus sich getraut, aus dem Boot zu gehen und ihm auf dem Wasser entgegenzulaufen. Aber dann hat ihn der Mut verlassen und er ist untergegangen. Als Jesus verhaftet werden sollte und die Jünger mit ihm im Garten wachbleiben sollten, ist Petrus eingeschlafen. Und später hat er aus Angst davor, selbst verhaftet zu werden, gesagt, dass er Jesus nicht kennt. Trotzdem konnte Jesus mit Petrus viel anfangen und später hat Petrus dann auch viel Verantwortung in den Gemeinden übernommen. König Herodes wurde das zu viel, er ließ Petrus in das Gefängnis werfen. Und hier beginnt unsere Geschichte.

Spielteil 1:

Szene 1: 4 Leute sitzen als Gemeinde zusammen

Vanessa: Was können wir denn für Petrus tun, unseretwegen sitzt er doch im Gefängnis!

Germann: Mit Gewalt können wir ihn nicht befreien, dafür sind wir zu wenige.

Jakob: Und Jesus hätte das auch nicht gewollt. Er hat ja auch keine Gewalt zugelassen, als er verhaftet wurde.

Peter: Und was schlägst du vor?

Jakob: Wir sollten für ihn beten!

Vanessa: Ja, das machen wir: Gott, du weißt, wie es Petrus geht. Lass ihn nicht allein, zeige ihm, dass wir in Gedanken bei ihm sind.

Peter: Und gib ihm die Kraft, im Gefängnis durchzuhalten.

Germann: Und wenn es irgendwie geht, dann sorge doch dafür, dass er wieder frei kommt

Jakob: Ja, Gott, sorge du für Gerechtigkeit und Freiheit



Szene 2:

Petrus: Marcel; Engel: Lisa; Soldaten: Maurice, Terrel, Paul

(Die vier bleiben betend zusammen, in einer anderen Ecke:)

Petrus liegt zwischen zwei anderen, ist an diese „gefesselt“, zwei stehen weiter vorne „Wache“ und unterhalten sich leise, der Engel tritt auf, stößt Petrus an

Engel: Petrus, steh schnell auf

Petrus: Wer bist du?

Engel: Ich bin Gottes Bote für dich.

Petrus: Aber ich bin doch gefesselt!

Engel: Glaube mir, Gott hat die Gebete deiner Freunde erhört, steh einfach auf!

Petrus steht auf, die Fesseln fallen ab. Er geht etwas unsicher zwischen den Wachen hindurch, doch die unterhalten sich, als wäre Petrus einfach Luft.





Predigtteil 2:

Es ist ein Wunder, dass Petrus aus dem Gefängnis freigekommen ist. Aber was ist eigentlich ein Wunder? Keiner von uns hat erlebt, dass Handschellen einfach aufgingen und man einfach so an Wachen vorbeilaufen könnte. So, als ob man unsichtbar wäre. wir haben uns überlegt, was denn für uns ein Wunder sein kann und wo wir selber schon Wunder erlebt haben.

Für uns ist es ein Wunder, wenn Menschen, die schwer krank waren, wieder gesund geworden sind. Das haben wir schon erlebt und wir haben auch erlebt, dass das so war, nachdem wir wirklich dafür gebetet haben. Auch wenn das natürlich nicht automatisch funktioniert. Ein Wunder war für jemanden von uns auch, dass Gott einen bei einem schweren Autounfall beschützt hat und nur wenig passiert ist, obwohl das Auto gegen einen Baum gefahren ist. Was manche von uns auch schon als Wunder erlebt haben ist, dass Jesus und der Glauben an Gott Menschen verändert hat, zum Guten. Zum Beispiel bei Alkohol- oder Drogensucht. Da haben Menschen zum Glauben an Gott gefunden und das hat geholfen, trocken oder clean zu bleiben. Überhaupt ist es vielleicht ein Wunder, wenn Menschen zum Glauben an Jesus finden und ihn kennenlernen. Es gibt so vieles, was einen davon abbringen kann. freunde, die einem erzählen, dass das nichts bringt oder traurige Erlebnisse, dass es schon ein Wunder ist, wenn Gott einem einen guten und starken Glauben schenkt und einem die Kraft gibt, nicht nur in der Not, sondern regelmäßig zu beten. Ein Wunder ist es für einige von uns auch, dass Jesus auch heute noch durch Menschen spricht. Es gibt Menschen, die bringen andere dazu, es mit dem Glauben an Gott zu versuchen und die zeigen einem durch ihr eigenes Beispiel, dass das auch im Alltag funktionieren kann. Ein Wunder, wenn man mal sieht, wie viel Schlechtes überall passiert, dass man da das Gute überhaupt sehen und erkennen kann. Eigentlich ist überhaupt auch jeder Mensch ein Wunder. Gott hat jedem von uns, der ganzen Menschheit, ganz eigene Sachen mitgegeben. Jeder ist besonders, jeder von uns kann etwas und keiner ist nutzlos. Auch das ist für uns ein Wunder. Manchmal ist es eben nicht das Besondere, sondern da steckt unser Alltag voller Wunder, die von Gott kommen. Aber jetzt sehen wir noch einmal, wie es mit Petrus weitergeht.



Szene 3:

Rhode: Julia; Petrus: Marcel

(auf der einen Seite sitzen 4 Leute (Gemeinde) und Rhode, die Dienerin steht, auf der anderen Seite steht Petrus)

Petrus klopft an, Rhode kommt

Rhode: Wer ist da?

Petrus: Ich bin es, Petrus

Rhode läuft zu den anderen

Rhode: Petrus steht draußen vor der Tür

Vanessa: Quatsch, der ist doch im Gefängnis

Jakob: Du träumst!

Germann: Das ist bestimmt sein Engel

Petrus klopft noch einmal, Rhode kommt, macht die Tür auf, nimmt ihn mit

Rhode: Hier, seht doch, Petrus ist da!

Peter: Das kann doch nicht sein!

Vanessa: Wie geht das?

Alle reden durcheinander, Petrus macht eine Handbewegung und alle schweigen

Petrus: Ich kann verstehen, dass ihr aufgeregt seid. Ich konnte es auch zuerst gar nicht glauben, als ein Bote von Gott, ein Engel, mich aus dem Gefängnis geführt hat. Aber es war so. Gott hat mir herausgeholfen, Gott hat mich befreit. Und ich glaube, dass es auch wichtig war, dass ihr für mich gebetet habt. Ich habe gespürt, dass ihr an mich gedacht habt, auch wenn ich nicht bei euch war. Ich habe gespürt, dass ihr Gott für mich um etwas richtig Gutes gebeten habt. Da habe ich mich nicht mehr allein gefühlt und Gott hat mich auch nicht allein gelassen.





Predigtteil 3



Anders als in dieser Geschichte aus der Bibel passiert natürlich nach einem Gebet nicht immer das, was wir wollen. Das sagt ja auch schon Jesus. Er betet, als er allein im Garten vor seiner Verhaftung ist: „Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe“. Und das beten wir ja bis heute im Vaterunser. Aber die Geschichte soll uns auch zeigen, dass wir nicht den Mut zum Beten verlieren sollen und dass es gut ist, im Gebet nicht nur an sich, sondern auch an andere zu denken. Beten kann Mut machen. Den Menschen, die Beten genauso wie den Menschen, für die gebetet wird, weil die merken können, dass sie nicht allein sind und dass sie anderen nicht egal sind. Beten erfüllt nicht alle Wünsche, aber Beten schafft Gemeinschaft und Verbindung. Mit Gott und mit Menschen. Und deshalb wünschen wir uns und allen, die an Gott glauben und die ihm vertrauen den Mut, zu beten, auch wenn es nicht immer im Leben so ist, wie wir es uns wünschen.





Fürbitten



Doreen: Gott, durch Jesus hast du uns gezeigt, dass wir dir alles sagen dürfen. Wir danken dir für Menschen, die uns von Jesus erzählen, für Menschen, die es gut mit uns meinen und die uns etwas Gutes tun. Wir danken dir für alle, die uns nicht aufgeben, auch wenn wir mal danebenliegen, sondern die uns, wie Jesus, einen neuen Anfang schenken.

Wir bitten dich heute aber ganz besonders auch für andere Menschen:

Lisa: Wir bitten dich dafür, dass die Welt besser wird, dass Kriege aufhören und Politiker sich mehr darum kümmern, wie Armut beseitigt werden kann.

Julia: Wir bitten dich dafür, dass schlimme Krankheiten ausgerottet werden können, dass kranke Menschen nicht ausgestoßen werden, sondern dass ihnen geholfen wird.

Dascha: Wir bitten dich darum, dass du den Menschen, denen sonst niemand helfen kann, hilfst und ihnen zeigst, dass sie nicht allein sind.

Jessica: Wir bitten dich um Schutz vor Unfällen und Gefahr, bewahre uns davor, zu leichtsinnig zu werden.

Wir bitten dich darum, dass es genug Arbeitsplätze gibt, damit jeder in der Lage ist, für sich, für die Familie durch eigene Arbeit zu sorgen

Doreen: Gott, wir beten auch dafür, dass wir im Leben Freude haben und unseren Spaß behalten, dass wir vielleicht auch manchmal die Erwachsenen damit anstecken können.

Jessica: Und wir beten dafür, dass wir nach der Konfirmandenzeit nicht aufhören, nach dir Gott, nach Jesus zu suchen, sondern dass wir dran bleiben und dass unser Glauben und unser Vertrauen wachsen können.

Julia: Für vieles, was wir beten wollen, fehlen uns selbst die Worte. Deshalb erhöre uns, wenn wir so zu dir beten, wie Jesus es uns gezeigt hat:





Segen



Julia: Gott, segne mir den Mond hoch über mir.

Gott, segne mir die Erde hier unter mir.

Doreen: Gott, segne mir die Musik, die um mich ist.

Gott, segne mir alles, worauf mein Blick ruht.

Lisa: Gott, segne mir das, worauf meine Hoffnung baut.

Gott, segne mir Verstand und willen; segne sie mir, o Gott, du Gott des Lebens.

Kling-Böhm: Und so segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist

Khamis, 7 April 2011

Ratlos. Fassungslos. Verstört - Judika, 10.04.2011, Reihe III

Text: 1. Mose 22,1-13
Liebe Gemeinde!


Nein, mit diesem Vater kann ich nicht mehr leben. Nein, mit einem Vater, der bereit ist, mich umzubringen, der nicht bereit ist, um mein Leben zu kämpfen, kann ich nicht zurückgehen. Mit einem Vater, der meiner Mutter ihr einziges, lang ersehntes und heißgeliebtes Kind wegnehmen will, weil er Stimmen hört. Mit einem Vater, der mich das Holz, auf dem er mich verbrennen will, tragen lässt. Nein, mit diesem Vater kann ich nicht mehr gehen.

Ob Isaak wohl so etwas durch den Kopf gegangen sein könnte? Die Bibel lässt es offen. Als Abraham die Knechte zurücklässt, vielleicht, weil er sich schämt, sie bei seiner Untat zusehen zu lassen, sagt er noch: „Wenn wir angebetet haben, wollen wir wieder zu euch zurückkehren“. Aber als alles vorbei ist, heißt es nur noch, das habe ich eben nicht vorgelesen: „Und Abraham kehrte zu seinen Knechten zurück und sie machten sich auf.“ Und Isaak? Vielleicht hat Abraham seinen Sohn verloren. Und vielleicht hat er auch ein Stück weit Gott verloren. Als die Geschichte mit Abraham beginnt, sagt Gott zu ihm „Du sollst ein Segen sein!“ Nachdem Abraham nicht davor zurückgeschreckt hat, seinen eigenen Sohn opfern zu wollen, sagt Gott: „Deine Nachkommen sollen gesegnet sein“. Vielleicht hat das wenig Bedeutung. Es fällt aber auf, dass Ab-raham nicht mehr direkt angesprochen ist.

Verstörend. Traurig. Unglaublich. Mir fällt es schwer, diese Geschichte aus der Bibel einzuordnen oder sie einfach nur zu beschreiben.
Das war nicht immer so. Als Kind hat mich die Geschichte nicht verstört. Ich hatte, Gott sei Dank, eine weitgehend glückliche Kindheit. Und als ich in meiner Kinderbibel die Geschichte gelesen hatte, da dachte ich, dass Abraham und Issak schon vorher wussten: da kann ja nichts passieren, weil Gott auf sie aufpasst. In meiner Welt als Kind kamen Erwachsene, Eltern, die das Vertrauen ihrer Kinder missbrauchen, nicht vor. Für mich war es als Kind unvorstellbar, dass im Namen des lebendigen Gottes getötet wird.

Heute verstört mich diese Geschichte. Mich macht sie heute traurig und wütend, weil mir viel zu viele Bilder aus der Wirklichkeit einfallen. Von Vätern und Müttern, die ihre Kinder schlagen, missbrauchen oder einfach nur vernachlässigen, weil andere Dinge wichtiger sind. Manchmal sind Suchtkrankheiten die Ursache. Das kann mühevoll, aber immerhin, vielleicht geheilt werden. Manchmal ist es aber einfach auch nur so, dass andere Dinge wichtiger als die Kinder sind. Beruf oder Disco, der neue Liebhaber oder das dicke Auto, dem die Liebe geschenkt wird. Und trotzdem erlebe ich diese Kinder manchmal so, dass sie auch bittere Wege mitgehen und nicht wahrhaben wollen, dass die Eltern ihr Vertrauen missbrauchen. Wie bei Isaak. Der geht mit. Auch als ihm dämmert, das irgendwas nicht stimmt, läuft er nicht weg sondern behält das Vertrauen zu seinem Vater. Sol-che Bilder machen sich heute in mir breit, wenn ich diese Geschichte höre.

Und Bilder von Fanatikern, die meinen, auf Gottes Stimme zu hören, wenn sie anderen das Leben nehmen wollen. Im Namen Gottes wird getötet. Nicht nur bei islamistischen Terroristen. Auch bei Menschen, die sich auf den Gott Israels, auf den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, auf den Vater Jesu Christi berufen. Nicht nur zu Zeiten der Kreuzzüge in einer finsteren Vergangenheit. Bis heute gibt es Fanatiker, die glauben, es sei Gottes Wille, dass Menschen getötet werden müssten. Wie weit darf man gehen, wenn man an Gott glaubt?

Ich glaube, dass Abraham hier eindeutig zu weit geht. Kurz bevor diese Geschichte erzählt wird, berichtet die Bibel davon, wie Abraham lange und zäh mit Gott verhandelt, damit wenigstens nicht alle Einwohner von Sodom und Gomorrha durch Gottes Zorn zu Tode kommen. Und jetzt, wo es um seinen eigenen Sohn geht, da schweigt er. Innerlich zerrissen wird er gewesen sein. Die Arbeit, die sonst die Knechte machen: Holz hacken, Lasttier vorbereiten, die macht er selber. Vielleicht, weil er mit niemandem auch nur andeutungsweise über das Schreckliche, das von ihm gefordert wird, reden will. Vielleicht, weil er merkt, dass er die Verantwortung mit niemandem teilen kann.

„Führe uns nicht in Versuchung!“ Für mich ist diese Ge-schichte von Abraham und Isaak eine Auslegung dieser Bitte aus dem Vaterunser. Führe uns nicht in Versuchung, Stimmen zu trauen, die den Tod fordern, wo du doch ein Gott des Lebens bist. Führe uns nicht in Versuchung, blind zu folgen, wo wir dich, Gott, doch auch auf deine Liebe, auf dein Erbarmen, auf deine Lebensfreundlichkeit ansprechen dürfen.

Es ist eine düstere Geschichte. Eine Geschichte, die ganz deutlich macht, dass auch der Glauben an Gott nicht vor Versuchungen, nicht vor Fehlentscheidungen, nicht vor dunklen Erfahrungen schützt. Natürlich zeigt die Ge-schichte auch, dass Gott eingreift und Leben rettet. Aber wie? Es ist fast eine Art Zeitlupe, in der erzählt wird, wie Abraham den Altar baut, das Holz aufschichtet, Isaak fesselt, auf das Holz legt, das Messer nimmt, aus-holt, bereit, seinen eigenen Sohn zu schlachten. Ich mag mir nicht vorstellen, was in Isaak vorgegangen ist, als er erkennt, dass sein eigener Vater bereit ist, ihn grausam umzubringen. Isaak bleibt diese Erkenntnis, dieser Schock nicht erspart. Der Eingriff erfolgt rechtzeitig vor dem Schlachten, das Leben bleibt erhalten. Aber es bleibt der Riss, die Verletzung. Wie ich am Anfang schon erzählt habe: Abraham verliert seinen Sohn. Er geht allein nach Hause. Gott greift ein – ein Bote von ihm, ein Engel stoppt Abraham im letzten Moment. Eine Jugendliche, mit der ich mich über diese Geschichte un-terhalten habe, hat sinngemäß gesagt: Es ist so, als ob Gott von seiner Verantwortung ablenken wollte. Am Anfang gibt er selbst den Befehl und dann lässt er den Engel sprechen. Es ist so, als ob aus dieser Geschichte keiner ungeschoren heraus käme. Abraham nicht. Isaak nicht. Und Gott auch nicht. Zumindest dann nicht, wenn wir das Bild von einem immer nur lieben Gott haben, den wir prima verstehen und der das macht, was wir uns an Gutem wünschen. Gott hat dunkle Seiten. Seiten, die wir nicht verstehen. Seiten, die uns ganz fremd sind. Wenn wir sagen: Gott ist der liebe Gott, dann sind wir mit unseren Erfahrungen ganz schnell da, wo wir nicht mehr weiterkommen. Weil nicht alles, was Menschen widerfährt, einfach nur lieb ist und schön ist. Weiter kommen wir dann, wenn wir sagen: Gott ist die Liebe. Und die Liebe hat eben auch die andere Seite, den Schmerz. Wer schon mal wirklich geliebt hat, kann viel-leicht ein Lied davon singen.

Zurück zu unserer Geschichte. Ich kann sie nicht perfekt erklären und alle Widersprüche, die sie auch bei mir aus-löst, aufklären. Ich kann ihnen und euch nur manches von dem sagen, was mich nachdenklich macht und was vielleicht zu einer Antwort führen könnte. Da ist der Widder, den Abraham findet und opfert. In der alten israelitischen Tradition ist der Widder ein Schuldopfer. Zur Sühnung eigener Schuld. Abraham dankt Gott also nicht durch das Opfer, sondern er bittet um Vergebung der Schuld. So kann man es vielleicht verstehen. Um Vergebung der Schuld, blind gehorchen zu wollen und so das von Gott geschenkte Leben aus dem Blick zu verlieren. Vielleicht, ich weiß es nicht, kann man es auch noch viel radikaler interpretieren. Vielleicht ist der Widder, den Gott bereit stellt, auch ein Schuldopfer dafür, dass Abraham ja nicht aus eigenem Antrieb sich auf den Weg zu der grausamen Tat gemacht hat. Ein Versöhnungsangebot Gottes an Isaak und Abraham. Wie gesagt, vielleicht ist dieser Gedanke auch zu radikal. Was mich gar nicht weiterbringt, was aber diese Geschichte in die Reihe der Predigttexte kurz vor Ostern gebracht hat, ist der Vergleich von Isaak und Jesus. Auch Jesus musste sein Todesholz, das Kreuz, auf seinen Schultern tragen. Auch hier hat der Vater seinen Sohn in den Tod gegeben. Aber anders. Jesus und Gott sind unauflöslich eins. In Jesus hat Gott sich auf die Seite des Leidens gestellt. Freiwillig, nicht hinten rum. Es waren Menschen, die ungerechte Anklage erhoben und ungerechtes Urteil vollzogen haben. Hier opfert kein Vater seinen Sohn um Gottes Willen, sondern hier geht Gott selbst in den Tod um der Menschen willen. Hier stellt sich Gott, und da liegt für mich vielleicht ein Berührungspunkt, auf die Seite Isaaks, des unschuldigen Opfers. auf die Seite Isaaks, von dem Gott ja weiß, dass Abraham ihn liebt. „Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du liebst“ – vielleicht soll die Geschichte von Abraham und Issak uns daran erinnern, wie schnell Menschen, wir, die Liebe vergessen oder nach hinten stellen, wenn wir meinen, von Höherem oder zu Höherem berufen zu sein. Ich weiß es nicht. Die Geschichte hinterlässt mich ein Stück weit ratlos, fassungslos, traurig. Aber sie zeigt mir auch, wie gut die Bibel für uns Menschen ist: sie ist kein Märchenbuch, das uns was über das Leben vormacht, was nicht stimmt. Sondern sie erzählt offen, ehrlich und ohne etwas wegzulassen vom Leben, vom Glauben. Von den guten und den dunklen Seiten. Von der Liebe, die manchmal auch schmerzt und manchmal ganz weit weg zu sein scheint. Von Gott, der die Liebe ist.

Amen.