Jumaat, 29 Jun 2012

Freiheit kann man nicht eingrenzen, Freiheit muss man ausatmen! - 4. Sonntag n. Tr., 1.7.2012, Reihe IV

Text: 1. Petrus 3,8-17 (Übersetzung: Zürcher Bibel)
Die Überschrift ist ein Zitat von Curse aus dem Lied "Freiheit"

Liebe Gemeinde!


Es ist wieder mal Ferienzeit. Viele werden sich aufmachen, in andere Städte, Länder, an Meere und in die Berge fahren und manche werden ein Gefühl erleben, dass sich kaum beschreiben lässt: die Luft, die man einatmet, scheint ganz anders zu riechen, ganz anders zu schmecken, wenn man sie einatmet. Ein Gefühl von Freiheit, Sorglosigkeit, Erholung, klarer, würziger Luft – am liebsten möchte man gar nicht mehr ausatmen, sondern die Luft tief in sich verschließen, mit nach Hause nehmen. Natürlich ist das biologischer Unsinn. Das funktioniert nicht. Man würde eingehen, sterben, wenn man nicht mehr ausatmet, wenn man nur noch einatmet. Biologischer Unsinn, wie gesagt. Aber vom Gefühl her kennen das, denke ich, einige ganz gut: das Gute und Schöne, das ich erlebe, das mir geschenkt wird, in sich aufsaugen, einatmen und nicht mehr hergeben zu wollen. Aber ich glaube, dass hier das Gleiche wie für das Atmen gilt: Wer nicht wieder ausatmet, stirbt. Wer das Schöne, das er erfährt, festhalten will, wer das Gute, dass ihm geschenkt wird, nur für sich selbst behalten will, stirbt vielleicht nicht biologisch, aber die Seele stirbt.

Freiheit kann man nicht eingrenzen, Freiheit muss man ausatmen! Am letzten Mittwoch habe ich diesen Satz, der leider nicht von mir stammt, zum ersten Mal gehört. Kurz zuvor hatte ich mir den Predigttext für heute zum ersten Mal angeschaut – und ich fand sofort, dass dieser Satz auf den Punkt bringt, was da in der Bibel gesagt wird. Freiheit kann man nicht eingrenzen, Freiheit muss man ausatmen! Und was für Freiheit gilt, gilt meiner Meinung nach für Glauben, für Hoffnung und für Liebe ganz genauso. Ich kann das nicht eingrenzen, nicht für mich behalten wollen – dann wird es sinnlos, wertlos, stirbt. Ich muss es ausatmen, weitergeben, weiterschenken. Als Christ zu leben heißt, auszuatmen. Ein Satz aus dem Predigttext, der das für mich auf den Punkt bringt, ist der: Vergeltet nicht Böses mit Bösem, nicht üble Nachrede mit übler Nachrede. Im Gegenteil: Segnet, denn ihr seid dazu berufen, Segen zu erben. Segnen, das Gute, das Gott uns schenkt, weiterzugeben, das ist unsere Aufgabe. Nicht aufzurechnen, zu vergelten, und Bösen Böses zu tun. Segen weiterschenken. Das ist es. Vielleicht bin ich davon auch im Moment so begeistert, weil ich ein für mich unvergessliches Erlebnis damit vor ein paar Tagen hatte. Als ich mit meiner 10. Klasse über den Verabschiedungsgottesdienst für die Absolventen der Richtsberggesamtschule und seine Gestaltung gesprochen habe, hat eine Schülerin, von der ich das überhaupt nicht erwartet habe, weil sie sich in den vier Jahren, die wir uns durch den Reliunterricht kannten, immer kritisch zum Glauben geäußert hat, gesagt: „Ich will da von ihnen gesegnet werden!“ Meine Antwort war „Klar, gern! Aber dann möchte ich auch von dir gesegnet werden!“ „Das kann ich doch gar nicht“
 war ihre Erwiderung. Aber dann im Gottesdienst hat sie es doch gemacht. Ich hab das als gegenseitiges Geschenk erlebt. Ihr war sehr wichtig, dass sie erlebt hat, so, wie sie nun mal ist, glauben zu dürfen, nichts fertiges vorgesetzt zu bekommen, sondern selbst auf Entdeckungsreise gehen zu können und auch die negativen Entdeckungen nicht verschweigen zu müssen. Für mich war wichtig, dass sie mich mit ihren kritischen Fragen lebendig gehalten hat, dass ich selber über den Grund meines Glauben nachdenken musste und von ihren Erfahrungen, die ganz anders waren als die, die ich als Jugendlicher gemacht habe. Für mich war der gegenseitige Segen ein sichtbarer Ausdruck von geteiltem Leben, geteilter Freiheit, geteilter Hoffnung, geteiltem Glauben. Und da bin ich schon wieder mitten in diesem Predigttext. Christsein heißt, auszuatmen. Hoffnung, Liebe, Glauben, Freiheit. Der Briefschreiber drückt das natürlich anders aus: Seid stets bereit, Rede und Antwort zu stehen, wenn jemand von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist. Tut es jedoch mit Sanftmut und Ehrfurcht, mit einem guten Gewissen, so sagt er es. Erzählt von eurer Hoffnung, von eurem Glauben, teilt sie – aber nicht so, dass ihr andere damit beschwert. Nicht so, dass ihr anderen etwas aufdrückt und aufzwingt. Nicht so, dass es um auswendig gelernte Sätze geht. Nehmt andere mit hinein in das Gute, in die Liebe, in die Hoffnung, in den Glauben. Ladet ein, atmet aus, behaltet das Gute nicht für euch. Und für mich gehört zu dem guten, zum Ausatmen von Freiheit, Hoffnung, Glauben und Liebe auch der Mut, die Ängste und Zweifel zu teilen. Was soll das jetzt, wird vielleicht der eine oder die andere denken. Wir sollen doch von dem Guten erzählen, davon, wie groß die Liebe ist, die Gott uns in Jesus geschenkt hat. Wieso sollen da Ängste und Zweifel sein? Ganz einfach: weil’s sonst unehrlich wäre! Die Bibel ist so ehrlich, dass sie nicht sagt: Alles ist gut, alles ist toll, Friede, Freude, Eierkuchen, Love, Peace und Happiness. Petrus, der zwar ziemlich sicher den Brief aus dem unser Predigttext kommt, nicht geschrieben hat, aber seinen Namen dafür hergibt, war kein Glaubensheld, sondern einer, der aus Angst Jesus verleugnet hat, obwohl er ihn gut kannte. Die Bibel ist voll von solchen Geschichten. Menschen, die Angst haben, die Zweifeln, die Fragen haben und mit denen Gott trotzdem was anfangen kann. Rechenschaft über die eigene Hoffnung zu geben heißt auch, sagen zu können: Jesus liebt mich, obwohl ich nicht perfekt bin, obwohl ich auch ängstlich sein kann und Zweifel habe. Den perfekten Christen gibt es nicht. Ausatmen. Auch den Mut haben, die Fragen und Zweifel zu teilen. Die Bibel macht uns nichts vor. Auch der Petrusbrief nicht. Er sagt nicht, dass es denen, die Segen weiterschenken, die Hoffnung, Liebe, Glauben, Freiheit weiterschenken, immer gut geht. Der Briefschreiber gibt ein paar ganz konkrete Beispiele, was das heißen kann, so zu leben: er sagt, dass es zu diesem Lebensstil gehört, Verständigung und Frieden zu suchen, sich nicht größer zu machen als man ist, Mitgefühl zu haben, nicht böses mit Bösem zu beantworten, nicht ein Schimpfwort, einen Diss, mit dem nächsten zu beantworten. Lauter Sachen, die eigentlich das Leben gut und angenehm machen würden, die im Alltag aber zu ganz andern Reaktionen führen. Man kann als Schwächling gelten, man kann ausgenutzt werden, andere, die sich das, was sie wollen, einfach nehmen, die rücksichtslos sind, stehen oft viel cooler und erfolgreicher da. Der Briefschreiber erzählt von der Hoffnung, das Gott das sieht, das Gott das nicht egal ist und das Gott bei denen ist, die die Liebe, die Freiheit, nicht um des kurzfristigen Erfolgs willen verraten. Gott ist nicht auf der Seite der Egoisten, der Gewalttäter, der Rücksichtslo-sen. Hoffnung. Mehr nicht. Hoffnung, die manchmal gar nicht so leicht fällt. Dann, wenn über Hauptschüler gelästert wird, wenn manche Akademiker glauben, sich alles unter den Nagel reißen zu dürfen, wenn Abschreiber und Betrüger die besten Zeugnisse haben, wenn so vieles passiert, was nicht in Ordnung ist. Hoffnung, die wir haben, weil Jesus mit seinem Leben dafür steht. Mit seinem Leben, das eben stärker ist als der Tod. Mit seinem leben, dass die Niederlagen und dunklen Seiten nicht ausgeblendet hat und dadurch die Liebe und die Freiheit erst so richtig zum Scheinen gebracht hat. Wer nur einatmet, erstickt. Auch an dem Guten. Jesus hat ein leben im Ausatmen der Liebe, der Hoffnung, der Freiheit geführt. Dieses Leben war stärker als selbst der Tod. Das kann unsere Hoffnung sein. Oder werden. Freiheit kann man nicht eingrenzen, Freiheit muss man ausatmen! Und Hoffnung, Liebe, Glauben auch. Auch, weil das alles nicht ohne Freiheit geht. Ich wünsche uns allen viel Freude beim Atmen. In den Bergen, an der See, auf dem Richtsberg, egal, wo wir in den nächsten Wochen sind.

Amen.

Sabtu, 23 Jun 2012

Trösten - Johannistag (3.n.Tr.), 24.06.2012, Reihe IV

Text: Jesaja 40,1-8
Liebe Gemeinde!


Wie viel Trost werden wohl in den nächsten Tagen Schülerinnen und Schüler brauchen? Es gibt mal wieder Zeugnisse. Und da bekommt man es schwarz auf weiß: gut in Mathe! Oder eben vielleicht doch nur ausreichend oder sogar mangelhaft. Sehr gut in Deutsch oder doch nur gerade so ausreichend oder sogar ungenügend. Du darfst weitermachen oder du wirst nicht versetzt, du genügst den Ansprüchen nicht. Und dann mache ich gerade bei den Schülern im 9. und 10. Schuljahr, die schon an Bewerbungen oder einen Schulwechsel denken müssen, die Erfahrung, dass sie unbedingt wissen wollen, wie ich ihr Arbeits- und Sozialverhalten beurteile, die Kopfnoten. Gut, sehr gut – oder doch nur ausreichend oder mangelhaft? Welcher Betrieb wird einen schon in eine Ausbildung über-nehmen, wenn einem bescheinigt wird, dass das Arbeitsver-halten gerade mal ausreichend war oder das Sozialverhalten nicht gut ist? Und dann kommt bei manchen noch das Gefühl dazu, ungerecht beurteilt worden zu sein. Nur weil man Widerworte gegeben hat, wird man schlechter beurteilt. Nur weil man MAAAAAAAAL die Hausaufgaben nicht hatte, bekommt man schlechtere Noten. Ob gerecht oder ungerecht: Manchmal braucht man sicher ganz schön viel Trost, wenn einem ein Zeugnis gegeben wird. Und wieviel Trost werden manche Eltern in diesen Tagen brauchen? Eltern, die Pläne und Hoffnungen für ihre Kinder und mit ihnen hatten, die merken, wie die Kinder leiden und nicht richtig wissen, wie sie ihnen helfen sollen. Eltern, die vielleicht auch merken: meinen Kindern scheint das völlig egal zu sein. Die machen sich nichts aus den Noten, denen ist ihre Zukunft egal, Hauptsache Spaß, was sollen wir da noch machen? Eltern, die sich schuldig fühlen, weil sie ratlos sind? Wie viel Trost wird nötig sein in der nächsten Zeit? Für Kinder und Eltern, für manche von uns in vielleicht ganz anderen Situationen, in denen wir merken: unser Leben würde als Note nicht gerade eine „1“ kriegen. Weil wir selber Sachen falsch gemacht haben, weil wir merken, dass unser Glauben, unsere Hoffnung, unsere Liebe an deutliche Grenzen gestoßen sind, weil uns das Leben mit seiner Härte eingeholt hat und Krankheit oder Tod, Arbeitslosigkeit oder Geldmangel einfach schwer zu ertragen sind?

„Tröstet, tröstet mein Volk“ – der Anfang von dem Predigt-text für heute scheint genau so gemacht worden zu sein, dass er in diese Zeugnistage hinein passt. Natürlich ist er das nicht. Die ersten, die das gehört haben, waren keine traurigen Schüler oder verzweifelten Eltern. Aber es waren Menschen, die merkten: das Zeugnis über mein Leben fällt eigentlich nicht besonders aus – und vielleicht hat das auch was mit mir zu tun und vielleicht hat das auch was damit zu tun, dass Gott eigentlich gute Wege zeigen wollte, die wir als Menschen nicht gegangen sind. Die Menschen, die als erste diese Trostbotschaft hörten, waren Menschen aus Israel, die vor gut 2500 Jahren nach einem verlorenen Krieg aus ihrer Heimat vertreiben wurden und sich im Land des Siegers, ungefähr im heutigen Irak neu ansiedeln mussten. Es ging ihnen nicht furchtbar schlecht, man darf sich das nicht als eine Art KZ vorstellen.
Wie alle anderen aus fremden Völkern mussten sie dem fremden König Steuern zahlen und gelegentlich für ihn arbeiten, aber sonst wurden sie weitgehend in Ruhe gelassen. Aber trotzdem fühlten sie sich fremd. Und sie wussten: es ist unsere Schuld, dass wir uns auf den Krieg eingelassen haben und die Heimat verloren haben. Gott hat durch Jeremia vorher gewarnt, dass der Weg, auf dem sich Israel befand, falsch war. Niemand wollte die Warnungen hören, alle dachten: es geht immer gut weiter. Falsch gedacht. Verloren. Versagt. Nicht aus irgendwelchem unergründlichen Schicksal, sondern aus eigener Schuld, aus eigenem Versagen. Nicht versetzt, lauter Fünfen, weil man meinte, Bequemlichkeit reiche.

Was ich an dieser Geschichte und an dem Predigttext für heute so wunderschön finde, ist das, was da von Gott erzählt wird. Der stellt sich nicht hin wie ein böser Vater und droht: Ich hab’s dir ja schon immer gesagt! Da hast du deine gerechte Strafe! Jetzt setz dich auf den Hosenboden und sieh zu, wie du da rauskommst! Mir geht hier das Bild durch den Kopf, das Gott hier wie die Eltern auftritt, die mit ihrem Kind mitleiden, obwohl sie genau wissen, dass das Kind es selbst verbockt hat und die jede Menge Warnungen und Hilfestellungen gegeben haben, die das Kind arrogant und besserwisserisch ausgeschlagen hat. Und trotzdem bleibt da die Liebe und der eigene Kummer über die Traurigkeit des Kindes, auch wenn es noch so sehr selbst schuld an seiner Lage hat. „Tröstet, tröstet mein Volk! Redet mit Jerusalem freundlich!“ – Das ist die Grund-botschaft, so ist Gott. Für mich ein schönes Bild, das Mut macht.

Aber was ist eigentlich Trost? Manche glauben, Trost wäre, einfach alles zuzukleistern, so zu tun, als wäre nichts gewesen und die Augen vor der Wahrheit zuzumachen. Ich glaube, dass Trost etwas anderes ist. Trost hilft, die Wahrheit anzunehmen und auszuhalten, nicht die Wahrheit zu ignorieren. Wenn Trost wirklich langfristig halten soll, dann kann er an der Wahrheit nicht vorbeigehen und so tun, als wäre sie nicht da. Ich glaube, dass das auch und gerade für den Trost gilt, der von Gott kommt und mit der er trösten will.

In dem Stück aus dem Buch Jesaja, das ich eben vorgelesen habe, ist auch von einer Stimme die Rede, die gerade in die lebensfeindliche Umwelt der Wüste und dort, wo sich ganz viele Hindernisse auftürmen, die Herrlichkeit Gottes erfahr-bar machen will und die darauf hinweist, dass die Hinder-nisse am Ende nicht mehr sein werden. Wir feiern heute den Johannistag, die Erinnerung an Johannes, den Täufer. Er hat nicht nur Jesus getauft, er hat den Menschen unbequeme Wahrheiten gesagt und sie zur Umkehr aufgerufen. Gottes letztes Wort war dann die Vergebung, die Versöhnung, ist Jesus, der die Hindernisse aus dem Weg räumt. Aber Jesus ist nicht ohne Johannes zu haben. Trost nicht ohne die Erkenntnis der Wahrheit, Vergebung nicht ohne die Einsicht in die Schuld. Gott lässt uns, die Menschen nicht mit Schuld und Versagen allein – er hilft uns, das auszuhalten. Es braucht beides – die Erkenntnis der Schuld, das Eingeständnis eigener Fehler – und die Zusage des Trostes, die Erfahrung, dass die Hindernisse nicht mehr zwischen uns und der Herrlichkeit Gottes stehen. Gott lässt uns mit unserem Lebenszeugnis nicht allein, er hilft uns mit ihm zu leben. Er hilft uns, zu wachsen und zu lernen – auch wenn wir immer wieder scheitern werden und die Erfahrung machen, dass man eben nicht immer aus Schaden klug wird. Das gilt für Eltern und Kinder, für Jugendliche und Erwachsene, für Menschen, die ganz fest an Gott glauben und für solche, die noch nicht oder nicht mehr wissen, an was sie glauben sollen und ob sie wirklich lieben, hoffen und Gott vertrauen können.

Gerade im Blick auf die letzten Verse aus der Bibel, die ich vorgelesen habe, ist mir das besonders wichtig. Da steht: Es spricht eine Stimme: Predige!, und ich sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. 7 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des HERRN Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk! 8 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich. Da könnte man ja beinahe wieder depressiv werden. Der Mensch ist wie Gras, das vertrocknet, das Gute, das er machen kann, wie eine Blume, die verwelkt – wo ist da denn der Trost? Für mich steckt sogar ein doppelter, eigentlich ein dreifacher Trost darin: Erstens: Gott kennt schon längst unsere Beschränktheit. Wir haben als Menschen unsere Grenzen. wir müssen nichts für die Ewigkeit herstellen, es reicht, wenn wir akzeptieren, dass selbst das Beste, dass wir tun können, nie vollkommen sein wird. Der erste Trost ist für mich die Befreiung von dem Wahn, perfekt werden zu müssen. Der zweite Trost liegt auch in der Vergänglichkeit: Wenn schon das Gute eben nicht ewig halten wird, gilt das auch für das Versagen. Wir sind eben auch nicht auf ewig auf unser Versagen festgelegt. Wir dürfen Mensch sein. Mit Grenzen. Wir müssen nicht Gott spielen. Auch ein Trost. Und der dritte Trost ist für mich der letzte Satz: das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich! Da ist etwas, auf das wir uns verlassen können und das uns weiterhilft, das nicht, wie Dinge, die wir Menschen tun, mal so und mal so ist und brüchig wird, sondern etwas, auf das ich immer wieder zurückkommen kann. Und was ist dieses Wort? Tröstet, tröstet mein Volk! Redet mit Jerusalem freundlich! Das, worauf wir uns verlassen können, ist Gottes Hingehen zu den Menschen auch dort, wo sie, wo wir, weit weg von ihm sind. Seine endgültige Erfüllung findet dieses Trostwort in Jesus, der alle Menschen in diese Liebe und diesen Trost Gottes mit hineingenommen hat. Den Trost, den es nicht ohne die Wahrheit, die Johannes ans Licht bringt, gibt, der aber dann wirklich Bestand hat. Ich wünsche nicht nur den Kindern und Eltern, die in den nächsten Tagen Trost wegen schlechter Schulzeugnisse brauchen, diese gute Erfahrung mit Gott, ich wünsche uns allen, dass wir Gott immer wieder als den erfahren, der er wirklich ist. Als den, dessen Trost und Liebe ewigen Bestand hat. Als den, der uns trotz unserer Grenzen nahe sein will, als den, der uns liebt und tröstet und so fähig dazu macht, Liebe und Trost weiter zu schenken.



Amen.

Ahad, 17 Jun 2012

Ziel: Liebe! - 2. Sonntag nach Trinitatis, 17.06.202, Reihe IV

Text: 1. Korinther 14,1-5+23-26 (NGÜ)
Liebe Gemeinde!


Menschen werfen vor Begeisterung die Arme in die Luft, rufen unverständliches Zeug, sind total aus dem Häuschen. Wer nichts damit zu tun hat glaubt, in einen Haufen Irrer geraten zu sein. Als ich selber ein paar Jährchen jünger war, möchte ich nicht wissen, was Leute gedacht haben, die mich bei einem Open-Air-Konzert gesehen haben, heute kann sowas vielleicht mal in Frankfurt im Waldstadion passieren. Und vielleicht passiert das ja mir oder anderen heute Abend um 22.30 Uhr hoffentlich, nach einem Sieg von Deutschland gegen Dänemark oder in 14 Tagen nach einem 4:3 nach Verlängerung im Endspiel der EM für Deutschland gegen Holland, die vorher die Spanier rausgeworfen haben. Begeisterung treibt Menschen dazu, manchmal nach außen ziemlich merkwürdige Dinge zu tun. Bei uns bringt man das mit Konzerten oder Sport in Verbindung, eigentlich nicht mit Kirche. In der Kirche flippt keiner begeistert aus. In Deutschland zumindest eher nicht. In anderen Kirchen, in Nord- und Südamerika oder in Afrika, findet man das öfter mal. Und vielleicht hat der eine oder die andere hier das schon mal persönlich erlebt oder zumindest im Fernsehen gesehen. Bilder von Menschen in Gottesdiensten, die begeistert die Hände nach oben reißen, die anfangen zu tanzen zu rufen, keine richtigen Sätze, sondern die so begeistert sind, dass es keine richtigen Worte für das gibt, was Gottes Geist in ihnen und durch sie macht. Ich glaube, hier im Got-tesdienst wären die allermeisten ziemlich verwundert, wenn jemand anfangen würde, so zu beten.

Das ist eigentlich nichts anderes als die „von Gott einge-gebene Sprache“, von der Paulus redet, wörtlich schreibt er vom „Reden in Zungen“. Manche finden es schade, dass es das bei uns so selten gibt. Andere sind sicher ganz froh. Vom Glauben an Gott begeistert zu sein, ist etwas ganz tolles. Und ich bin froh, dass viele Menschen auf so unterschiedliche Art hier bei uns begeistert sind. Ich denke an
unsere Kindergottesdienstmitarbeiterinnen, die schon viele Jahre immer wieder Kindern Mut machen, an Gott zu glauben. Ich denke an Ehepaare, die in ihrer Nachbarschaft ganz selbstverständlich und begeisternd Glauben praktisch leben. Ich denke an die jungen Er-wachsenen, die wir haben, und die Konfis und anderen Jugendlichen ganz praktisch vorleben, dass der Glauben an Gott nichts Verschnarchtes ist, sondern mitten in die Gegenwart passt. Ich denke an die Kirchenvorsteherin-nen, die sich mit viel Spaß in unserem Jugendprojekt „Auja-Mobil“ engagieren und an manche andere, die ein-fach oft selber begeistert sind und andere begeistern kön-nen. Begeisterung gibt’s also – auch wenn die Leute nicht immer gleich ausflippen. Obwohl Paulus selbst manch-mal so begeistert war, dass er in diesen Sprachen, die von Gott eingegeben sind, in Zungen, redete, war er sehr skeptisch, was den Wert von dieser Art von Begeisterung in der Öffentlichkeit angeht.

Paulus schreibt etwas, das ich wunderschön finde: „Das soll also euer Ziel sein: Ein Leben, das von der Liebe be-stimmt wird!“ Er merkt, dass das sehr nötig ist, nicht erst heute. Er merkt, dass auch Christen manchmal sehr lieblos miteinander umgehen, weil sie sich nach äußerlich sichtbarer Begeisterung in gute und weniger gute Christen einteilen. Für Paulus ist es am wichtigsten, dass alle Miteinander versuchen, gemeinsam immer mehr Schritte auf dem Weg zu gehen, den Gott uns zeigt. Ihm ist es wichtig, dass dabei eigentlich keiner auf der Strecke bleibt, weil mache schon losspurten und andere dabei abhängen. Es kommt nicht darauf an, als erster bei Gott zu sein, es kommt darauf an, miteinander zu laufen. Denn es ist nicht unsere eigene Leistung, dass wir bei Gott erkennen, was Liebe ist, dass wir Liebe erfahren, sondern das ist ein Geschenk Gottes. Und deshalb sagt Paulus: Dieses begeisterte, aber für andere schwer oder gar nicht verständliche Reden, das ist was Privates. Als Einzelner kann ich Gott so danken und ihn loben. Aber wenn sich Menschen versammeln, wenn Leute zusammenkommen, um von Gott zu hören oder sich auszutauschen, dann ist was anderes viel wichtiger: prophetische Rede.

Als Jugendlicher kann man vielleicht mit diesem Begriff gar nichts anfangen, könnte ich mir vorstellen. Und als Erwachsener? Vielleicht auch nicht viel mehr. Wenn man das im normalen Alltag benutzt, dann höchstens in dem Sinn, dass man als Prophet etwas voraussagen kann, was in der Zukunft passieren wird. Und so was soll vernünftig sein? Und so was soll man als Christ können? In dem Sinn kann ich bestimmt nicht prophetisch reden. Aber weder Paulus noch die Propheten, die es vor allem im Alten Testament in der Bibel gibt, die legen ihren Schwerpunkt auf eine Zukunftsvorhersage. Es geht eigentlich darum, Gottes Wort in der Gegenwart so zu sagen, so von Gott zu erzählen, dass es in der Gegenwart die Leute erreicht und die Leute verstehen, was Gott sagen will. Verständlich von Gott zu reden, das ist gar nicht mal so leicht. Verständlich zu reden, das heißt, den Verstand nicht auszuschalen. Beim Reden nicht und beim Zuhören nicht. Verständlich reden, das heißt auch: so zu reden, dass die andere verstehen, was gemeint ist. Jugendliche reden anders als Erwachsene. Manches, was für mich als Hesse selbstverständlich ist, ist für einen Norddeutschen unverständlich. Und je nachdem, welche Bücher man gelesen hat oder welche Fernsehsendungen man sieht oder was man gern für Musik hört, sind auch die Erwartungen an die Wörter, den Satzbau und das, was einen tief drinnen berührt, ganz anders. Prophetisch reden können ist also wirklich ein großes Geschenk, auch wenn es nichts mit der Vorhersage der Zukunft zu tun hat. Etwas, das Mühe macht. Und etwas, das wohl auch nicht immer gelingt. Aber vor allem etwas, das ganz sicher nicht auf Pfarrer oder studierte Menschen beschränkt ist. Paulus sagt, dass das was ist, was eigentlich jeder anstreben soll. Im Prinzip kann das jeder und ist auch eine Aufgabe von jedem Christen

Warum? Ich glaube, weil Paulus drei wichtige Merkmale von solcher Rede nennt, die wirklich wichtig sind. Er-bauung, Ermahnung und Trost. Hört sich ja ziemlich verstaubt an. Wenn man es überhaupt versteht, dann so, als wäre das nichts für Menschen von heute. Erbauung, so altmodisch sich das anhört, heißt nichts anderes, als das was aufgebaut. Gemeinschaft. Gemeinschaft mit Gott und Gemeinschaft untereinander. Wenn ich von Gott rede, dann eben nicht so, dass andere fertiggemacht und ausgeschlossen werden, nicht so, dass ich mich als den Superalleswisser hinstelle und die anderen als kleine Dummerchen, sondern so, dass die Einladung und die Liebe, die Gott uns schenkt, auch rüberkommt. So, dass was entstehen kann, so dass der, der zuhört, das Gefühl bekommt: eigentlich gehöre ich dazu und bin gemeint. Ermahnung hört sich noch furchtbarer an. Aber damit ist nicht gemeint, mit erhobenem Zeigefinger andere schlecht zu machen, sondern sich gegenseitig zu helfen, aus der eigenen Trägheit und Bequemlichkeit rauszukommen. Und Trost, klar – die Traurigkeit, die jeder manchmal mit sich rumschleppt, die Traurigkeit über eigenes Versagen oder über den Verlust eines Menschen oder über was anderes, was Leben schwer macht, die soll kleiner werden. Sich trösten, sich gegenseitig zu helfen, nicht zu bequem zu werden und sich trösten – eigentlich ganz wunderbare Aufgaben. Nicht nur für Pfarrer.

Paulus lässt das auch ganz praktisch werden. Was ist, wenn einer kommt, der keine Ahnung hat, und alle nur in dieser begeisterten, aber unverständlichen Art von Gott reden? Das bringt dem nichts, der hält die Christen für arme Irre, sagt Paulus. Wenn man aber was Vernünftiges sagt, dann wird er erkennen, dass Gott auch ihn meint, dann wird er erkennen, was er bisher falsch gemacht hat, dann wird er spüren, dass Gott auch ihn liebt und wird zum Glauben finden. Ob wir das schaffen? Es sit ein Geschenk. Ein Geschenk, um dass wir immer wieder bitten dürfen. Ein Geschenk, das unseren Verstand zum Partner hat. ein Geschenk, das uns und andere am Ende hoffentlich mindestens genauso begeistert macht wie ein gutes Konzert oder der Aufstieg oder die Meisterschaft einer Lieblingsmannschaft. Ein Geschenk, das aber sehr viel länger hält, als diese Begeisterung und dass leben auch wirklich stark macht. Wir brauchen Begeisterung, die richtig rausgeht, ganz bestimmt. Aber wir brauchen noch mehr: Die Liebe. So, wie Paulus es schreibt – und diese Verse stehen wirklich hintereinander: Nun aber bleiben Glauben, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die Größte unter ihnen. Das soll also euer Ziel sein: ein Leben, das von der Liebe bestimmt wird.

Amen.

Ahad, 3 Jun 2012

Gott macht auch aus Schlechtem Gutes - Trinitatis, 03.06.12

Statt Reihe IV habe ich Reihe V gewählt, weil in diesem Gottesdienst die neuen Konfis begrüßt wurden und eine frisch Konfirmierte mit mir gepredigt hat. Ihr fiel zum Segen einfach mehr ein, deshalb de Text:
4. Mose 6,22-27
UKB: Liebe Gemeinde!

Nein, der Gottesdienst ist noch nicht vorbei, auch wenn gerade der Segen vorgelesen wurde, der am Ende von jedem Gottesdienst hier bei uns und in den meisten anderen Kirchen gesagt wird. Es ist eigentlich Zufall, dass für diesen Sonntag, an dem bei uns in der Thomaskirche die neuen Konfis begrüßt werden, der Segen als Bibeltext für die Predigt „dran“ ist. Aber ich finde es ganz passend, gerade an so einem Tag sich mal Gedanken darüber zu machen, was für viele, die immer kommen, ganz normal und selbstverständlich ist. Für viele Konfis ist es nicht so. Am Dienstag haben wir ja auch mal über den Gottesdienst gesprochen und was so dazugehört. Der Segen wurde erst relativ spät genannt und als dann markiert werden sollte, was einem gut gefällt oder wichtig ist, da waren es nur ganz wenige, die das markiert haben. Gut, dass ich heute eine Expertin habe, die mit mir predigt. Milena, du bist ja erst seit fünf Wochen konfirmiert und kannst dich bestimmt auch noch gut an die Zeit erinnern, als du mit Konfer angefangen hast. Wie geht’s dir denn mit dem Segen?

Milena: Ich kannte das vorher auch nicht so wirklich, weil ich vor Konfer nicht oft im Gottesdienst war. Aber jetzt kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, dass es auch anders sein könnte. Ich finde es richtig gut, dass der Segen am Ende da ist. Da kriege ich ein richtig gutes Gefühl. Ich weiß dann, dass Gott auch für mich da ist. „Der Herr segne dich und behüte dich“ – das fasst noch mal alles zusammen, was wichtig ist. So vor dem Rausgehen. Gott ist nicht nur in der Kirche bei mir, sondern auch wenn ich rausgehe. Beim Hiphop oder in der Schule oder wenn ich mit meinen Freunden oder meiner Familie zusammen bin. Gott ist da und passt auf mich auf.

UKB: Ich finde es schön, dass du das so siehst. Ich hab mich auch richtig gefreut, als du vor ein paar Wochen gesagt hast, dass du mal mit mir predigen willst und auch was von deinem Glauben erzählen willst. Das ist ja überhaupt nicht selbstverständlich. Bist du da eigentlich von allein drauf gekommen? Hast du plötzlich irgendwie angefangen, an Gott zu glauben und den Segen für dich so wichtig zu nehmen?

Milena: Für mich ist der Glauben an Gott was ganz normales geworden. Aber viele von den Leuten aus meiner Klasse und von den anderen, mit denen ich befreundet bin, sehen das auch ganz anders.
 Es ist ziemlich schwer, da von allein drauf zu kommen. Als ich ein Kind war, haben mir meine Eltern immer mal davon erzählt und so, da war so ein Anfang da. Aber dann ist in Konfer noch mehr gekommen. Mit Karo und Daniel, mit Ursel und Juliane und mit Ihnen konnte ich mich drüber unterhalten. Da habe ich noch mehr kennenglernt und gemerkt, dass es für mich wichtig und irgendwie besonders ist. An Gott kann ich glauben, mit Gott kann ich reden – und auch dann, wenn man mal keine Lust dazu hat, mit Gott zu reden, ist er trotzdem da.

UKB: Deinen letzten Gedanken finde ich ganz interessant und wichtig! Der Segen, so wie ich ihn am Ende vom Gottesdienst spreche und wie er eben vorgelesen wurde, ist ja uralt. Er steht im Alten Testament, dem ersten Teil der Bibel. Aaron, so wird es da erzählt, der Bruder von Mose, soll das Volk Israel, die Menschen, die damals schon an Gott geglaubt haben, so segnen. Alle. Da steht nicht: Prüfe mal vorher, wer wirklich an Gott glaubt und segne sie. Und es steht auch nicht da: Du kannst zwar alle segnen, aber der Segen wirkt nur für die, die so richtig an Gott glauben. Es steht da: Gott will sein Volk, alle daraus, segnen. Eigentlich ist es ja Gott, der segnet. Das ist wichtig. Weder Aaron früher noch der Pfarrer heute sucht die Menschen aus, die es wert sind, dass sie gesegnet werden. Und Gott will auch bei den Menschen sein, die noch nicht oder nicht mehr an ihn glauben. Durch Jesus hat er es dann, lange, nachdem dieser Segen aufgeschrieben worden ist, noch einmal ganz deutlich gemacht: jeder ist wertvoll. Jede und jeder darf zu mir kommen. Und auch schon in seiner Geschichte mit den Menschen aus Israel hat Gott allen gezeigt: Die Menschen können zwar aufhören, Gott zu lieben und können ganz falsche Sachen machen, aber Gott hört nicht auf, die Menschen zu lieben und für sie da zu sein.

Milena: Aber wenn man gesegnet ist und aus dem Gottesdienst geht, merkt man ja trotzdem nicht immer, dass Gott da ist. Manchmal ist es doch auch so, dass ich glaube, Gott passt gar nicht so richtig auf. „Behüten“ sage ich zwar normalerweise nicht, aber für mich heißt das: Gott passt so auf dich auf, dass dir nichts Schlimmes passiert. Aber ich hab schon Schlimmes erlebt. Ich bin da wieder gut rausgekommen. Aber wie ist das denn, wenn jemand nicht mehr rauskommt? Wie ist das denn, wenn einer was wirklich Böses erlebt, ohne dass er was dafür kann? Eine schlimme, tödliche Krankheit oder einen Unfall oder so? Hat Gott ihn dann nicht gesegnet, auch wenn dieser Mensch ganz fest an Gott glaubt?

UKB:Gute Frage! Ich glaube, dass „behüten“ beim Segen nicht bedeutet, dass Gott so eine Art Schutzzauber macht, durch den nichts durchkommt, wie vielleicht bei manchen Computer- oder Fantasyspielen. Ich glaube, dass Gott mir die Kraft gibt, auch Böses auszuhalten und an Bösem nicht kaputt zu gehen. Vielleicht kann ja ein Mensch, der ganz krank ist, auch anderen helfen, ihre Krankheit zu ertragen oder aber die Hoffnung wach halten, dass Gottes Liebe auch mit dem Tod nicht aufhört, dass wir zum Beispiel nach dem Tod nicht irgendwie nichts sind. Aber theoretisch kann ich das nicht wissen. Erst dann, wenn es soweit ist. Es ist schwierig, das auszuhalten. Auch für einen Christen ist das Leben nicht immer nur easy.

Milena: Das stimmt! Ich glaube, dass gesegnet sein heißt: Ich darf hoffen, dass Gott auch aus Schlechtem was Gutes machen kann und das auch machen wird. Nicht immer so, wie ich das vielleicht ganz gern hätte. Und manchmal verstehe ich es auch wirklich kaum oder gar nicht. So ist das ja auch mit Segen. Am Ende vom Gottesdienst gibt er mir zwar ein gutes Gefühl, aber gerade was es bedeutet, wenn sie sagen: „Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden“, dann weiß ich gar nicht so genau, was da gemeint ist.

UKB: Was stellst du dir denn vor?

Milena: Weiß ich nicht. Wieso soll ich denn immer alles sagen? Was stellen sie sich denn vor?

UKB: Also, ich stelle mir vor, dass Gott tatsächlich eine Beziehung zu uns will. Anschauen, das heißt ja: ich stelle mich auf einen Menschen ein, ich nehme ihn ernst und wichtig. Da passiert was, wenn ich jemanden anschaue. Ich zeige ihm, dass er mir wichtig ist. Ich guck nicht vorbei und tu so, als würde mich der nichts angehen. Zu Recht habt ihr als Konfis euch ja im letzten Jahr darüber beschwert, dass ich euch viel zu wenig angucke. Und mir ist es wichtig, dass mich die Leute anschauen, wenn ich mit ihnen rede, ein paar von den neuen Konfis haben das schon gemerkt. Gott nimmt uns ernst und will uns was Gutes, er interessiert sich für uns, wir sind ihm nicht egal. Das bedeutet es für mich. Und er ist freundlich. Er guckt nicht böse auf uns, sondern er strahlt uns an, vielleicht so, wie wenn man als Erwachsener in einen Kinderwagen schaut und das Kind anlächelt – und dann lächelt es zurück. Wenn man jemanden freundlich anschaut, anlächelt, dann macht man vielleicht seinen Tag schöner und dann bringt man ihn auch zum Lächeln. Das ist ansteckend. So stelle ich mir das bei Gott auch vor. Er will uns anstecken. Mit Gutem. Und gnädig, das heißt: Gott rechnet uns nicht dauernd unsere Fehler vor. Nicht das, was wir falsch machen, ist für ihn das Wichtigste, sondern dass er bei uns sein will und vergeben kann.

Milena: Das mit dem ansteckenden Lächeln finde ich gut. Aber das mit dem Vergeben ist ganz schön schwer zu glauben und anzuwenden. Aber ich glaube, ohne gnädig zu sein, so wie sie es eben erklärt haben, kann es auch keinen Frieden geben. Wenn ich an meine Freundinnen oder so denke und Streit unter uns, dann würde der ja nie aufhören, wenn man immer nur darauf guckt, was die andere falsch gemacht hat. Und wenn ich an mich selber denke: wenn ich mit mir selber in Frieden leben will, also zufrieden sein will, dann muss ich auch Dinge akzeptieren, die ich bei mir nicht so toll finde. Sonst gehe ich ja kaputt und bin immer unzufrieden. Und dann kann ich auch andere gar nicht mit was Gutem anstecken. Eigentlich wirklich cool, dass der Segen am Ende vom Gottesdienst steht. Gott hat mit dem ganzen Guten schon angefangen. Und er gibt es uns mit in unsere Woche. Da können wir uns an das Gute erinnern, wenn es uns schlecht geht und auch anderen was Gutes tun. Und dann segnet Gott nicht nur durch Pfarrer, sondern auch durch uns. Euch als neuen Konfis wünsche ich so tolle Erfahrungen in Konfer und mit Gott, wie wir sie gemacht haben. Ganz viel Spaß und Begeisterung. Und der Gemeinde wünsche ich auch, dass wir weiter mit Jungen und Alten zusammen viele gute Erfahrungen mit Gott und seinem Segen machen. Ich wünsche uns, dass wir merken, dass wir gesegnet sind.

UKB: Dem kann ich nichts mehr hinzufügen, außer: Amen.