Text: Jes 29,17-24
Liebe Gemeinde!
Bei vielen, die älter als 18 oder 20 sind, gehen heute die Gedanken 10 Jahre zurück. 11. September 2011, das Undenkbare geschieht. Flugzeuge werden entführt und in das World Trade Center, in das Pentagon, das amerikanische Verteidigungsministerium, gelenkt. Weit über 3000 Tote bringt dieser Tag direkt. Bilder, die sich ins Bewusstsein eingebrannt haben. Töne, die einem kaum aus dem Kopf gehen. Wenn ich an diese Zeit vor 10 Jahren denke, dann geht mir eine Toncollage nicht aus dem Kopf. Handygespräche von Menschen aus dem World Trade Center, in denen sie ihren Angehörigen erzählen, wie sehr sie lieben, kurz bevor die Häuser einstürzen und die Gesprächsteilnehmer umkommen, rein gemischt in das Lied „Angel“ der amerikanischen Liedermacherin Sara McLachlan. Weit über 3000 direkte Tote – und ungezählte Tote in der Folge in den Kriegen im Irak, in Afghanistan, durch Terroranschläge in London, Madrid, vielen Ländern Afrikas und Asiens, durch Folter und Hass. Heute vor 10 Jahren. Ein Tag, der die Welt böser und schlimmer gemacht hat. Nicht nur, weil ein paar von blindem Hass getriebene Terroristen durch eine mehr als zweifelhafte Auslegung des Korans Tod und Schrecken gebracht haben und ihre ganze Religion im Westen unter den völlig irrsinnigen Generalverdacht des Terrors gestellt haben. Sondern auch weil Menschen, die sich im christlichen Glauben verwurzelt fühlten oder fühlen, auf diesen Hass angesprungen sind .
In Gefängnissen nicht nur im Irak wurden Menschen gefoltert und gedemütigt, in Gefangenenlagern das Recht auf einen fairen Prozess außer Kraft gesetzt. Und Menschen, die irgendwie muslimisch aussehen oder arabische Namen haben, wurden und werden immer noch bei Sicherheitskontrollen eher scharf und unfreundlich behandelt. Die Beschimpfung von Muslimen im Internet ist genauso salonfähig geworden wie rassistische Parteien in unseren Nachbarländern. Muslime sind mit Sicherheit keine besseren Menschen. Es gibt dort auch viele Gestalten, die sehr, sehr zweifelhaft sind und die Hass anstacheln. Aber dürfen wir als Christen uns davon in unserer Hoffnung und in dem, was wir in der Hoffnung auf das, was Gott möglich macht, leben, irre machen lassen? Ich glaube nicht. Wer sich, ob als Politiker oder als einfacher Bürger, auf das christliche Abendland und christliche Werte beruft, der kommt an den wunderbaren Frie-denshoffnungen der Propheten, die uns auch mit den Juden und dem Volk Israel verbinden, nicht vorbei. Und deshalb finde ich es mehr als nur einen gelungenen Zu-fall, dass ausgerechnet heute, am 11. September 2011, so ein Text der von der Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit, auf die hin wir leben, als Predigttext vorgesehen ist. Diese Hoffnung hat der Prophet Jesaja aufgeschrieben, sie steht in Kapitel 29 seines Buches:
Lesen: Jesaja 29,17-24
Augen und Ohren gehen auf, Menschen, denen Recht und Gerechtigkeit und ein das Überleben gut sicherndes Einkommen vorenthalten wurde, kommen zu ihrem Recht, Tyrannen und Unterdrücker werden beseitigt und das alles wird eine große Einladung dazu sein, Gott als wahren Herrn der Welt zu erkennen. Eine Einladung zum Glauben an Gott, die nicht durch Krieg
und irgend-welche Zeichen von Gewalt kommt, sondern eine Einla-dung, die erfolgreich ist, weil sich Gerechtigkeit und Recht durchsetzen. Alle, die sich irren, kommen wieder zu Verstand! Was für eine schöne Hoffnung! Und wie weit ist eigentlich unsere Wirklichkeit von dieser Hoffnung weg? Wie sehr verraten wir als Christen, auch ich als Pfarrer, auch wir als Gemeinde auf dem Richtsberg, unsere Hoffnung, in dem wir so leben, als würde das alles nur für eine ferne Zeit gelten und als könnten wir jetzt nur nach ganz anderen Maßstäben le-ben?
Sicher, die Wirklichkeit sieht nicht erst seit dem 11. Sep-tember und nicht nur in Afghanistan, Irak, Afrika ganz anders aus. Auch bei uns wird gelogen, auch bei uns kommen arme Menschen nicht zu ihrem Recht. Auch bei uns wird sehr stark darauf geachtet, wo einer herkommt und welchen Ruf einer hat. Wer im falschen Viertel aufgewachsen ist, hat manchmal schon mit seiner Adresse schlechtere Karten bei der Suche nach Arbeit. Es wird gelogen, betrogen und getrickst. Aber soll das ein Grund dafür sein, das richtig zu finden oder mitzumachen? Eines der falschesten und schlimmsten Worte der letzten Zeit ist das viel zu oft gebrauchte Wort „alternativlos“. Egal, ob es um den Euro-Rettungsschirm, den Einsatz in Afghanistan, sogenannte Anti-Terror-Maßnahmen oder Maßnahmen im Gesund-heitswesen geht – alles ist plötzlich „alternativlos“. Un-sinn. Es gibt natürlich bessere und schlechtere Handlungsmöglichkeiten. Aber es gibt nie nur eine Handlungsmöglichkeit. Gerade als Christen müssen wir uns doch fragen lassen und selber fragen, wie wir die Hoffnung mit Leben füllen, die in der Bibel, gerade auch bei den Propheten steckt. Gott will die Menschen nicht mit Gewalt, sondern mit Frieden und Gerechtigkeit davon überzeugen, dass er der wahre Gott ist, die Hoffnung der Welt. Natürlich sind wir Menschen nicht Gott und wir werden es nie schaffen, die perfekte Welt herzustellen. Aber wir können durch unser Leben jetzt schon Zeichen der Hoffnung setzen. Wir können widersprechen, wenn anderen ihre Menschenrechte verweigert werden. Wir können widersprechen, wenn Hass gesät wird. Wir können Zeichen der Hoffnung setzen, dass eben kein Mensch aufgegeben werden soll. Für mich ist es, wie gesagt, unglaublich gut, diesen Hoffnungstext gerade heute als Predigttext zu haben. Nicht nur wegen der Erinnerung an den 11. September 2001 und der Ermutigung, als Christ gegen Hass und Gewalt aufzustehen, sondern auch, weil heute Daniel Wegner in seinen Dienst in der Jugendarbeit eingeführt wird. Auch da geht es um Gerechtigkeit für Jugendliche. Darum, dass Jugendliche ihren Platz finden und sich als willkommen und geliebt, so wie Gott sie sieht, wahrnehmen können. Aber auch darum, dass Ju-gendlichen, die sich in falsche Wege verrannt haben, die Gewalt, Kriminalität oder Mobbing zu ihrem Lebensstil gemacht haben, ermutigt werden, eine andere Hoffnung zu finden und zu entwickeln. Daniel wird Rückschläge in seiner Arbeit haben, wir als Gemeinde werden das, jeder von uns erlebt das. Aber die Hoffnung, dass ein anderes Leben möglich ist, dass eine Welt, in der Gerechtigkeit, Frieden und die Erkenntnis der Wahrheit möglich sind mehr als ein frommer Wunsch ist, wird auch durch den Dienst von Daniel wachgehalten.
Und nicht nur Daniel hält Hoffnung wach oder kann das tun. Konfis, die spüren, wo andere ungerecht behandelt werden und das auch sagen, Erwachsene, die ihren Nachbarn in schweren Zeiten helfen, die sich auch nicht damit zufrieden geben, dass Muslime oft mit Terroristen gleichgesetzt werden, kostenlose Nachhilfe im Cafe Central, offene Ohren für die Sorgen und Probleme anderer: es gibt vieles, auch auf dem Richtsberg, auch in unserer Gemeinde, was diese Hoffnung, von der Jesaja spricht, wachhalten kann. wie schon gesagt, was mir nicht nur am 11. September wichtig ist, ist die Art, wie Jesaja hier davon redet, dass Menschen Gott als den Herrn der Welt erkennen: nicht durch Schrecken und Tod; nicht durch Gewalt und Krieg; sondern durch Gerechtigkeit und Frieden; durch ein Ende von Terror und Diktatoren. Gebe Gott,dass wir ein glaubwürdiges Zeugnis dieser Hoffnung abgeben. Gebe Gott, dass wir uns nicht irre machen lassen, wenn andere erzählen, dass die Welt so ist, wie sie ist und dass nichts zu än-dern wäre. Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist, es ist nur deine Schuld, wenn sie so bleibt. Kein christliches Zitat, aber ein Zitat, das die Richtung anzeigt. Wobei ich nicht von Schuld reden will. Vielleicht können wir manchmal nur wenig ändern. Aber umso mehr Hoffnung leben und Gott vertrauen, dass sich Hoffnungen erfüllen. Gebe Gott, dass wir der Hoffnung nicht durch unser Verhalten im Weg stehen. Amen.
Ahad, 11 September 2011
Ahad, 4 September 2011
Huren im Himmel? - 11. . Trinitatis, Reihe V (statt III)
(Die Predigt wurde zu einem Gemeindefest mit der Überschrift "Dem Himmel so nah" gehalten)
Text: Lukas 7,36-50 (Gute Nachricht, weil das die Übersetzung ist, die die Konfis haben)
Liebe Gemeinde!
Ganz nah am Himmel sind wir hier auf dem Richtsberg – zumindest ein paar Meter näher dran als auf dem Schlossberg. Ganz nah am Himmel sind wir auch mit dem, was die Geschichte erzählt, die ein paar von den Konfis eben vorgelesen haben und über die ich heute predigen will. Klar, die meisten werden mit recht sagen: auf dem Richtsberg geht’s nicht immer gerade himmlisch zu. Und manche wundert’s vielleicht auch, dass in der Bibel was von Prostituierten steht. Und das soll himmlisch sein? Wenn ich jetzt mal eine Spontanumfrage machen würde, käme wahrscheinlich raus: Himmel, das ist doch was anderes. Ein perfekter Ort. Ein Ort, an dem es nichts Böses gibt. Ein Ort, an dem niemand mehr unter Gewalt leiden muss. Ein Ort, an dem Engel sind, die auf eine aufpassen, die einem helfen. Ein Ort ohne Trauer, ohne Leiden, ohne Tränen, ohne jedes Böse. Ein Ort, an dem man sich leicht und gut fühlt. So oder so ähnlich sind wahrscheinlich die Antworten auf das, was den Himmel ausmacht. Und dann so was, so eine Geschichte, in der sogar von einer Prostituierten, einer Frau, die ihren Körper an Männer verkauft, die Rede ist! Das steht in der Bibel? So haben sich manche meiner Konfis, mit denen ich vor ein paar Wochen über die Geschichte gesprochen habe, gewundert. Ja, das steht in der Bibel. Und das das drinsteht, ist für mich schon ein Stück vom Himmel.
Die Bibel zeigt uns Menschen, was Gott mit uns, mit der Welt vorhat. Die Bibel erzählt uns davon, wie Gott, wie Jesus, in dem die Menschen Gott sehen konnten und sehen können, ist. Und ich finde es im wahrsten Sinn des Wortes himmlisch, dass Jesus, dass Gott, das Leben ehrlich wahrnimmt. Da wird keine Show gemacht und von einem Leben erzählt, das es in Wirk-lichkeit nicht gibt. Himmel auf Erden. Für mich fängt das da an, wo die Augen vor den Problemen und Schattensei-ten des Lebens nicht zugemacht werden. Vor knapp zwei Wochen habe ich in Frankfurt eine Fortbildung gemacht. Wir haben mit Bänkern gesprochen und mit anderen, die Milliarden an Vermögen verwalten. Und wir haben die Schattenseiten gesehen. Die Drogensüchtigen, die Druckräume, in denen sie Heroin spritzen können, die Bordelle, die Teenager, die sich verkaufen, um an Geld für Drogen zu kommen. Wir haben von Frauen gehört, die wie Sklaven verschleppt und gehandelt werden. Die sich erniedrigen lassen müssen, die keine Stimme haben, die in Abschiebehaft kommen, wenn sie auffliegen, trotz aller Gewalt und Misshandlungen, die sie erfahren. Frauen, mit denen niemand was zu tun haben will. Offiziell. Denn wenn nicht tausende von Männern täglich zu ihnen gehen würden, wären sie gar nicht hier. Aber das sagt natürlich keiner. Hier in dieser Geschichte aus der Bibel darf die Frau im Mittelpunkt stehen. Sie darf da sein. Jesus schmeißt sie nicht raus. Er sagt nicht: „Mit dir will ich nichts zu tun haben, weil du nicht so lebst, wie Gottes Gebote es wollen“. Er lässt einfach geschehen, dass diese Frau ihn liebt, ihn berührt, dass ihr die Worte fehlen, vielleicht auch, weil sie spürt, wie elend ihr Leben ist. Er nimmt sie ernst. Sie muss sich nicht verstecken, sie darf da sein, sie darf Mensch sein und ihr ganzes Elend in Tränen fassen. Sie muss nicht einer sensationslüsternen, gaffenden Menge schmutzige Details erzählen. Sie darf da sein, lieben und weinen. Himmlisch, weil Jesus ihr ihre Würde als Mensch zurückgibt.
Für die, die ein bisschen griechisch können und Lust daran haben, auch noch ein bisschen mehr als auf den ersten Blick sichtbar ist, in Bibelgeschichten zu entdecken, noch ein kleiner Hinweis: Jesus ist ja für die, die an ihn glauben, der Christus. Das ist kein Nachname wie Kling-Böhm, sondern ein griechischer Titel: „der Gesalbte“. Gesalbt wurden Könige mit kostbarem Öl durch Priester und Propheten. Jesus der Gesalbte, der König der Welt. Aber hier ist es kein Priester, kein Prophet, nicht wie im Mittelalter bei den Kaisern der Papst, der die Salbung vornimmt. Eine Frau mit einem schlechten Ruf und ganz viel Liebe in sich. Eine Frau, die in Jesus ihre Rettung sieht. Eine Frau, die liebt und darauf vertraut, dass Gott vergeben und einen Neuanfang schenken kann. Nicht die Anerkennung durch die, die von anderen Menschen für besonders wichtig, wertvoll und angesehen gehalten werden, macht Jesus groß, sondern die Liebe der Menschen, die in Not sind, die von anderen ausgestoßen werden, die sich ihm ganz anvertrauen können. Vor seiner Geburt singt Maria über ihren Sohn ein Lied, in dem heißt es: „Er stürzt die Gewaltigen vom Thron und richtet die Unterdrückten auf“.
Himmel ist schon in dieser Welt da, wo Menschen ihre Würde als geliebtes Geschöpf Gottes erfahren dürfen! Himmel ist da, wo Ansehen bei den Menschen keine Rol-le spielt und Unterdrückte aufgerichtet werden. Ein Stück Himmel, unsere Geschichte.
Für mich aber auch durch Simon, den Gastgeber. Simon lädt Jesus zum Essen ein. Erst mal nichts Ungewöhnli-ches. Wenn Simon nicht ein Pharisäer wäre. Wer sich in der Bibel ein bisschen auskennt, der weiß vielleicht, dass die Pharisäer ganz besonders ernsthafte Menschen waren, die sich streng an Gottes Gebote gehalten haben. Die Bi-bel erzählt, dass sie nicht damit zurechtkamen, dass Jesus sich auch für die Menschen geöffnet hat, die weniger ge-setzestreu lebten und dass er die Gebote Gottes immer im so ausgelegt hat, dass sie den Menschen dienen. Kurz be-vor Lukas in seinem Evangelium diese Geschichte er-zählt, erzählt er davon, dass die Pharisäer Jesus nicht verstehen wollten. Und da geht Jesus hin. Für mich auch ein Stück Himmel, dass Jesus seine Kritiker nicht zurück-weist. Und er verurteilt Simon ja nicht. Er stellt Simon nicht bloß und spielt nicht die Frau gegen den frommen Simon aus. Er sagt ihm: „du kannst nicht so stark wie die Frau lieben, weil du nicht weißt, wie es ganz unten aussieht. Dein Bemühen um ein Leben, das vor Gott gut ist, ist ja nicht schlecht. Aber du hast nicht so viel, was zu vergeben ist, du kennst die Schattenseiten nicht so und große Liebe braucht vielleicht auch die Schattenseiten.“ Jesus schließt auch den Pharisäer nicht aus. Er geht auch zu seinen Kritikern. Ein Stück Himmel auf der Erde, wo Menschen nicht gegeneinander ausgespielt werden, wo auch Menschen mit anderer Meinung ernst genommen werden. Jesus bringt dadurch auch ein Stück Himmel zu Simon. Mir kommt wieder Frankfurt in den Sinn. Wir waren bei der Deutschen Bank. Zum Zuhören, nicht zum Anklagen. Schon das stößt manchen kritischen Christen auf. „Mit denen kann man doch nicht reden, mit ihren Billionenspielereien sind sie doch Schuld an viel Elend!“ Wir haben zugehört. Auch als einer aus den oberen Etagen der Bank sagte: „Wir waren zu gierig. Wir müssen Wege finden, die richtigen Anreize zu setzen und Gier einzudämmen.“ Für mich auch ein Stück Himmel, wenn Menschen in der Lage sind, Fehler, auch eigene Fehler zu sehen, einzugestehen und umkehren zu wollen. Dem Himmel so nah, wenn Menschen miteinander reden, sich zuhören, wahrnehmen, Chancen zur Umkehr öffnen statt sich zu verurteilen und alles besser als der andere zu wissen.
Jesus wendet sich auch seinen Kritikern zu. Vielleicht heißt Nachfolge also auch davor nicht die Augen zuzumachen, sondern mit offenen Augen, Ohren, Herzen und Händen durchs Leben zu gehen. Dem Himmel so nah, wo nicht Ausgrenzung, sondern die Suche nach Miteinander passiert. Dem Himmel so nah – aber eben noch nicht im perfekten Himmel.
Und wie ist das hier auf dem Richtsberg, nicht nur vor 2000 Jahren in Israel oder während einer Fortbildung in Frankfurt? Sind wir dem Himmel deshalb nah, weil wir der höchstgelegene Stadtteil der Kernstadt sind oder gibt es vielleicht doch mehr? Wenn wir ehrlich sind, gibt es beides. Zustände, die alles andere als himmlisch sind. Menschen, die an Alkohol und Drogen kaputt gehen. Armut. Kinder, die vernachlässigt und misshandelt werden. Jugendliche, die Täter und Opfer von Mobbing und Gewalt sind. Böse Worte und Angst. Davor dürfen wir nicht die Augen zu machen. Himmel, das zeigt mir die Geschichte aus der Bibel, beginnt da, wo Not und Elend nicht versteckt werden, sondern in den Blick kommen. Aber es gibt eben auch das andere. Erzieherinnen in den Kitas, die trotz der vielen Steine, die ihnen in den Weg gelegt werden und mancher Niederlagen immer wieder versuchen, jedem Kind einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Christen, die sich engagieren, die auf Menschen in Not zu gehen. Mitarbeiter im Konfi-Café, die sich auch von derber Sprache und provozierendem Verhalten nicht davon abhalten lassen, mit Jugendlichen zu reden. Ältere Menschen, die auch schwierigen Jugendlichen eine Chance geben. Jugendliche, die sich in Konfer trauen, ein bisschen anders als in der Schule zu sein. Viele Menschen mit offenen Augen und Ohren und einem Lächeln, das sie schenken. Ein Stück Himmel – nicht der ganze Himmel. Dem Himmel so nah – aber noch nicht im Himmel. Ganz nah am Himmel sind wir auch am Richtsberg. Und damit es so bleibt, höre ich jetzt endlich auf, damit nicht zu viele vielleicht auch manchmal unnötige Worte vor dem Himmel stehen.
Amen.
Text: Lukas 7,36-50 (Gute Nachricht, weil das die Übersetzung ist, die die Konfis haben)
Liebe Gemeinde!
Ganz nah am Himmel sind wir hier auf dem Richtsberg – zumindest ein paar Meter näher dran als auf dem Schlossberg. Ganz nah am Himmel sind wir auch mit dem, was die Geschichte erzählt, die ein paar von den Konfis eben vorgelesen haben und über die ich heute predigen will. Klar, die meisten werden mit recht sagen: auf dem Richtsberg geht’s nicht immer gerade himmlisch zu. Und manche wundert’s vielleicht auch, dass in der Bibel was von Prostituierten steht. Und das soll himmlisch sein? Wenn ich jetzt mal eine Spontanumfrage machen würde, käme wahrscheinlich raus: Himmel, das ist doch was anderes. Ein perfekter Ort. Ein Ort, an dem es nichts Böses gibt. Ein Ort, an dem niemand mehr unter Gewalt leiden muss. Ein Ort, an dem Engel sind, die auf eine aufpassen, die einem helfen. Ein Ort ohne Trauer, ohne Leiden, ohne Tränen, ohne jedes Böse. Ein Ort, an dem man sich leicht und gut fühlt. So oder so ähnlich sind wahrscheinlich die Antworten auf das, was den Himmel ausmacht. Und dann so was, so eine Geschichte, in der sogar von einer Prostituierten, einer Frau, die ihren Körper an Männer verkauft, die Rede ist! Das steht in der Bibel? So haben sich manche meiner Konfis, mit denen ich vor ein paar Wochen über die Geschichte gesprochen habe, gewundert. Ja, das steht in der Bibel. Und das das drinsteht, ist für mich schon ein Stück vom Himmel.
Die Bibel zeigt uns Menschen, was Gott mit uns, mit der Welt vorhat. Die Bibel erzählt uns davon, wie Gott, wie Jesus, in dem die Menschen Gott sehen konnten und sehen können, ist. Und ich finde es im wahrsten Sinn des Wortes himmlisch, dass Jesus, dass Gott, das Leben ehrlich wahrnimmt. Da wird keine Show gemacht und von einem Leben erzählt, das es in Wirk-lichkeit nicht gibt. Himmel auf Erden. Für mich fängt das da an, wo die Augen vor den Problemen und Schattensei-ten des Lebens nicht zugemacht werden. Vor knapp zwei Wochen habe ich in Frankfurt eine Fortbildung gemacht. Wir haben mit Bänkern gesprochen und mit anderen, die Milliarden an Vermögen verwalten. Und wir haben die Schattenseiten gesehen. Die Drogensüchtigen, die Druckräume, in denen sie Heroin spritzen können, die Bordelle, die Teenager, die sich verkaufen, um an Geld für Drogen zu kommen. Wir haben von Frauen gehört, die wie Sklaven verschleppt und gehandelt werden. Die sich erniedrigen lassen müssen, die keine Stimme haben, die in Abschiebehaft kommen, wenn sie auffliegen, trotz aller Gewalt und Misshandlungen, die sie erfahren. Frauen, mit denen niemand was zu tun haben will. Offiziell. Denn wenn nicht tausende von Männern täglich zu ihnen gehen würden, wären sie gar nicht hier. Aber das sagt natürlich keiner. Hier in dieser Geschichte aus der Bibel darf die Frau im Mittelpunkt stehen. Sie darf da sein. Jesus schmeißt sie nicht raus. Er sagt nicht: „Mit dir will ich nichts zu tun haben, weil du nicht so lebst, wie Gottes Gebote es wollen“. Er lässt einfach geschehen, dass diese Frau ihn liebt, ihn berührt, dass ihr die Worte fehlen, vielleicht auch, weil sie spürt, wie elend ihr Leben ist. Er nimmt sie ernst. Sie muss sich nicht verstecken, sie darf da sein, sie darf Mensch sein und ihr ganzes Elend in Tränen fassen. Sie muss nicht einer sensationslüsternen, gaffenden Menge schmutzige Details erzählen. Sie darf da sein, lieben und weinen. Himmlisch, weil Jesus ihr ihre Würde als Mensch zurückgibt.
Für die, die ein bisschen griechisch können und Lust daran haben, auch noch ein bisschen mehr als auf den ersten Blick sichtbar ist, in Bibelgeschichten zu entdecken, noch ein kleiner Hinweis: Jesus ist ja für die, die an ihn glauben, der Christus. Das ist kein Nachname wie Kling-Böhm, sondern ein griechischer Titel: „der Gesalbte“. Gesalbt wurden Könige mit kostbarem Öl durch Priester und Propheten. Jesus der Gesalbte, der König der Welt. Aber hier ist es kein Priester, kein Prophet, nicht wie im Mittelalter bei den Kaisern der Papst, der die Salbung vornimmt. Eine Frau mit einem schlechten Ruf und ganz viel Liebe in sich. Eine Frau, die in Jesus ihre Rettung sieht. Eine Frau, die liebt und darauf vertraut, dass Gott vergeben und einen Neuanfang schenken kann. Nicht die Anerkennung durch die, die von anderen Menschen für besonders wichtig, wertvoll und angesehen gehalten werden, macht Jesus groß, sondern die Liebe der Menschen, die in Not sind, die von anderen ausgestoßen werden, die sich ihm ganz anvertrauen können. Vor seiner Geburt singt Maria über ihren Sohn ein Lied, in dem heißt es: „Er stürzt die Gewaltigen vom Thron und richtet die Unterdrückten auf“.
Himmel ist schon in dieser Welt da, wo Menschen ihre Würde als geliebtes Geschöpf Gottes erfahren dürfen! Himmel ist da, wo Ansehen bei den Menschen keine Rol-le spielt und Unterdrückte aufgerichtet werden. Ein Stück Himmel, unsere Geschichte.
Für mich aber auch durch Simon, den Gastgeber. Simon lädt Jesus zum Essen ein. Erst mal nichts Ungewöhnli-ches. Wenn Simon nicht ein Pharisäer wäre. Wer sich in der Bibel ein bisschen auskennt, der weiß vielleicht, dass die Pharisäer ganz besonders ernsthafte Menschen waren, die sich streng an Gottes Gebote gehalten haben. Die Bi-bel erzählt, dass sie nicht damit zurechtkamen, dass Jesus sich auch für die Menschen geöffnet hat, die weniger ge-setzestreu lebten und dass er die Gebote Gottes immer im so ausgelegt hat, dass sie den Menschen dienen. Kurz be-vor Lukas in seinem Evangelium diese Geschichte er-zählt, erzählt er davon, dass die Pharisäer Jesus nicht verstehen wollten. Und da geht Jesus hin. Für mich auch ein Stück Himmel, dass Jesus seine Kritiker nicht zurück-weist. Und er verurteilt Simon ja nicht. Er stellt Simon nicht bloß und spielt nicht die Frau gegen den frommen Simon aus. Er sagt ihm: „du kannst nicht so stark wie die Frau lieben, weil du nicht weißt, wie es ganz unten aussieht. Dein Bemühen um ein Leben, das vor Gott gut ist, ist ja nicht schlecht. Aber du hast nicht so viel, was zu vergeben ist, du kennst die Schattenseiten nicht so und große Liebe braucht vielleicht auch die Schattenseiten.“ Jesus schließt auch den Pharisäer nicht aus. Er geht auch zu seinen Kritikern. Ein Stück Himmel auf der Erde, wo Menschen nicht gegeneinander ausgespielt werden, wo auch Menschen mit anderer Meinung ernst genommen werden. Jesus bringt dadurch auch ein Stück Himmel zu Simon. Mir kommt wieder Frankfurt in den Sinn. Wir waren bei der Deutschen Bank. Zum Zuhören, nicht zum Anklagen. Schon das stößt manchen kritischen Christen auf. „Mit denen kann man doch nicht reden, mit ihren Billionenspielereien sind sie doch Schuld an viel Elend!“ Wir haben zugehört. Auch als einer aus den oberen Etagen der Bank sagte: „Wir waren zu gierig. Wir müssen Wege finden, die richtigen Anreize zu setzen und Gier einzudämmen.“ Für mich auch ein Stück Himmel, wenn Menschen in der Lage sind, Fehler, auch eigene Fehler zu sehen, einzugestehen und umkehren zu wollen. Dem Himmel so nah, wenn Menschen miteinander reden, sich zuhören, wahrnehmen, Chancen zur Umkehr öffnen statt sich zu verurteilen und alles besser als der andere zu wissen.
Jesus wendet sich auch seinen Kritikern zu. Vielleicht heißt Nachfolge also auch davor nicht die Augen zuzumachen, sondern mit offenen Augen, Ohren, Herzen und Händen durchs Leben zu gehen. Dem Himmel so nah, wo nicht Ausgrenzung, sondern die Suche nach Miteinander passiert. Dem Himmel so nah – aber eben noch nicht im perfekten Himmel.
Und wie ist das hier auf dem Richtsberg, nicht nur vor 2000 Jahren in Israel oder während einer Fortbildung in Frankfurt? Sind wir dem Himmel deshalb nah, weil wir der höchstgelegene Stadtteil der Kernstadt sind oder gibt es vielleicht doch mehr? Wenn wir ehrlich sind, gibt es beides. Zustände, die alles andere als himmlisch sind. Menschen, die an Alkohol und Drogen kaputt gehen. Armut. Kinder, die vernachlässigt und misshandelt werden. Jugendliche, die Täter und Opfer von Mobbing und Gewalt sind. Böse Worte und Angst. Davor dürfen wir nicht die Augen zu machen. Himmel, das zeigt mir die Geschichte aus der Bibel, beginnt da, wo Not und Elend nicht versteckt werden, sondern in den Blick kommen. Aber es gibt eben auch das andere. Erzieherinnen in den Kitas, die trotz der vielen Steine, die ihnen in den Weg gelegt werden und mancher Niederlagen immer wieder versuchen, jedem Kind einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Christen, die sich engagieren, die auf Menschen in Not zu gehen. Mitarbeiter im Konfi-Café, die sich auch von derber Sprache und provozierendem Verhalten nicht davon abhalten lassen, mit Jugendlichen zu reden. Ältere Menschen, die auch schwierigen Jugendlichen eine Chance geben. Jugendliche, die sich in Konfer trauen, ein bisschen anders als in der Schule zu sein. Viele Menschen mit offenen Augen und Ohren und einem Lächeln, das sie schenken. Ein Stück Himmel – nicht der ganze Himmel. Dem Himmel so nah – aber noch nicht im Himmel. Ganz nah am Himmel sind wir auch am Richtsberg. Und damit es so bleibt, höre ich jetzt endlich auf, damit nicht zu viele vielleicht auch manchmal unnötige Worte vor dem Himmel stehen.
Amen.
Prostitutes are close to heaven!?
Luke 7, 36-50
Dear concegration,
we're very close to the sky here at the Richtsberg – at least some meters closer than on the
Schlossberg (the other mountain in Marburg). The story we just heard as it was read by the
confirmees is also quite heavenly. It's the basis for today's sermon. Well, most people will say
the daily life here at the Richtsberg is not that heavenly. And maybe some are wondering why
the bible talks about prostitutes. Does heaven look like this? If I did a spontaneous survey,
most of you would say: Heaven, that's different. Heaven is a perfect place - a place without any
evil, a place where no one has to suffer violence, a place where the angels are, where they take
care and help us; a place without mourning, suffering, without tears or any evil. A place where
you feel good and easy. That's what the answers to a survey might look like. But, however, the
story today is about a prostitute – a woman who sells her body to men. Is that really in the
bible? Some weeks ago I discussed this story with some confirmees and they had exactly that
question. Yes, it's in the bible. And just this fact feels like heaven for me.
The bible describes God's plan for this world. The bible tells us what God, what Jesus - through whom we can see
the father - is like. God is very aware of our life. And that's to me literal heavenly. The bible
doesn't make up a show about an unrealistic life. Heaven on earth – it starts where we don't
deny the problems and downsides of life. Two weeks ago I attended a training workshop. We
had discussions with some banker and financial experts who manage funds worth several
billion Euros. But we also saw the shady sites of Frankfurt: the junkies, the rooms where they
inject drugs. We saw the brothels where teenage girls sell their bodies to get money to buy
drugs. We heard about women who were trafficked like slaves, got humiliated and who are
practically voiceless. If they are found by the police, they have to go to prison and leave the
country, though they have suffered violence, abuse and humiliation. They are women nobody
wants to deal with – at least officially. If there were not those thousands of men who go to
them on a daily basis, they would not get prostituted. But, of course, no one in our society is
speaking about it. Nevertheless today's bible text is about such a woman. She is in the centre
of the story and experiences acceptance by Jesus. He doesn't tell her: “Leave here, because you
don't follow God's commandments.” This woman who loves Jesus touches him - maybe
because she has no words to express her love for the Lord, despite all the suffering in her life.
Jesus takes her serious. She does not need to hide. Jesus accepts her and allows her to wet his
feet with her tears. He doesn't want her to expose all the cruel and dirty details before this
sensationalist and staring crowd of people. She's allowed just to be, to love and to weep.
That's heavenly, because Jesus is giving her back her dignity.
For those of you who understand Greek or are interested in discovering more than just the
obvious part of this biblical story: Jesus is called “Christ” by those who believe in him. “Christ”
is not a family name like “Kling-Böhm” but a Greek title: “The Anointed One”. In former times
kings got anointed by priests or prophets with a precious oil. But in this story it is not a priest,
nor a prophet, nor the pope who anointed the emperor during the middle age. In this story, it
is a woman who anoints Jesus. A woman with a bad reputation, but a huge love in hear heart.
It is a woman who sees Jesus as her saviour. She loves God and trusts him to forgive her and to
give her a new start. Jesus is not honoured by the approval of those who are appreciated or
respected by the people, but by those who love him, who trust him, although they might be
desperate or even expelled by their communities.
Before Jesus was born, his mother Mary sang in a song: “He has brought down rulers from
their thrones but has lifted up the humble.“
Heaven is even today in this world when human beings can experience the dignity as loved
creatures of God. Heaven is when people are not judged by their reputation, and when the
oppressed are lifted up. A piece of heaven, right in our story.
There's also another aspect of heaven in this story: Simon, the host. He invited Jesus for lunch,
although he was a Pharisee. Those of you who know the bible might remember that Pharisees
were people who took their faith very seriously especially by strictly following God's
commandments. The bible tells us that they had difficulties to accept that Jesus loved even
those who didn't follow his commandments. They did not agree with him to interpret the
commandments in a way that served the people. Just before this story, Luke tells us in his
gospel that the Pharisees refused to understand Jesus. And now Jesus is accepting the
invitation of a Pharisee. To me, this also sounds like heaven. Jesus does not reject his critics.
He doesn't judge Simon. He doesn't denounce him. He doesn't play off this woman against the
pious Simon. Jesus tells him: “You can't love me as deep as this woman can, because you don't
know what it feels like to be so far away from God. Your eagerness to live a life that pleases
god is not bad. But you don't have that much that needs to be forgiven. You don't know the
downsides of life, and sometimes only the downsides let us understand great love.
Jesus does not exclude the Pharisee. He goes also to his critics. It is a piece of heaven on earth
when people are not played off against each other, when people and their opinions are taken
serious. So Jesus helps Simon to experience what heaven might be like.
Again I have to think of the workshop in Frankfurt. We visited Deutsche Bank to listen to
them, not to blame them. Some Christians might wonder: “One can't just talk with them. By
gambling our money they have caused so much suffering!”. But we listened to them. And then
a senior banker said: “We have been too greedy. We have to find ways to control the
greediness and to promote better ways.” From my point of view, it's a piece of heaven on
earth when people commit own mistakes and when people want to change. We are close to
heaven when people talk with each other, listen to each other, are aware of each other and do
not judge arrogantly, but give others the opportunity to change.
Jesus faces his critics. Maybe discipleship also means not to close his eyes but to walk through
life with eyes, ears, hearts and hands open. We are close to heaven, when we don't try to expel
others any longer, but to strengthen the community. Then we are close to heaven, however
not yet in the perfect heaven.
So what about the life here, right at the Richtsberg (not just about life 2000 years ago in Israel
or about a workshop in Frankfurt)? Are we close to heaven, because we are the geographically
highest part of Marburg city, or is there something else? Frankly spoken, we see both. We see
things that are everything, but not heavenly. People who are broken by alcohol and drugs. We
see poverty, and children who are abandoned or even get abused. We see young people who
are perpetrators of violence and bullying, and we see their victims. We hear many evil words
and see much fear. We shall not close our eyes to that. Heaven – that is what I see in this story
– starts when suffering and desperation don't stay hidden but are revealed.
But there is also the other, more heavenly, side: We have pre-school teachers who try to
provide their children with a good start to life, even though they face many obstacles and
defeats. We have Christians who get engaged to help people in need. We have volunteers at
the Konfi-Café (a facility to meet for teenagers) who start conversations with the kids,
although they face a quite rude and provoking tone among them. We have elderly peeople
who give even difficult youngsters a chance. We have confirmees who are brave enough to
step out of their usual rude behaviour that they show in school. We have many people with
open eyes and open ears and smiling lips. A piece of heaven. We are close to heaven, but not
yet in heaven. Close to heaven, even here at the Richtsberg. And as I don't want a long sermon
to be an obstacle for heaven, I'll just stop here. Amen.
Dear concegration,
we're very close to the sky here at the Richtsberg – at least some meters closer than on the
Schlossberg (the other mountain in Marburg). The story we just heard as it was read by the
confirmees is also quite heavenly. It's the basis for today's sermon. Well, most people will say
the daily life here at the Richtsberg is not that heavenly. And maybe some are wondering why
the bible talks about prostitutes. Does heaven look like this? If I did a spontaneous survey,
most of you would say: Heaven, that's different. Heaven is a perfect place - a place without any
evil, a place where no one has to suffer violence, a place where the angels are, where they take
care and help us; a place without mourning, suffering, without tears or any evil. A place where
you feel good and easy. That's what the answers to a survey might look like. But, however, the
story today is about a prostitute – a woman who sells her body to men. Is that really in the
bible? Some weeks ago I discussed this story with some confirmees and they had exactly that
question. Yes, it's in the bible. And just this fact feels like heaven for me.
The bible describes God's plan for this world. The bible tells us what God, what Jesus - through whom we can see
the father - is like. God is very aware of our life. And that's to me literal heavenly. The bible
doesn't make up a show about an unrealistic life. Heaven on earth – it starts where we don't
deny the problems and downsides of life. Two weeks ago I attended a training workshop. We
had discussions with some banker and financial experts who manage funds worth several
billion Euros. But we also saw the shady sites of Frankfurt: the junkies, the rooms where they
inject drugs. We saw the brothels where teenage girls sell their bodies to get money to buy
drugs. We heard about women who were trafficked like slaves, got humiliated and who are
practically voiceless. If they are found by the police, they have to go to prison and leave the
country, though they have suffered violence, abuse and humiliation. They are women nobody
wants to deal with – at least officially. If there were not those thousands of men who go to
them on a daily basis, they would not get prostituted. But, of course, no one in our society is
speaking about it. Nevertheless today's bible text is about such a woman. She is in the centre
of the story and experiences acceptance by Jesus. He doesn't tell her: “Leave here, because you
don't follow God's commandments.” This woman who loves Jesus touches him - maybe
because she has no words to express her love for the Lord, despite all the suffering in her life.
Jesus takes her serious. She does not need to hide. Jesus accepts her and allows her to wet his
feet with her tears. He doesn't want her to expose all the cruel and dirty details before this
sensationalist and staring crowd of people. She's allowed just to be, to love and to weep.
That's heavenly, because Jesus is giving her back her dignity.
For those of you who understand Greek or are interested in discovering more than just the
obvious part of this biblical story: Jesus is called “Christ” by those who believe in him. “Christ”
is not a family name like “Kling-Böhm” but a Greek title: “The Anointed One”. In former times
kings got anointed by priests or prophets with a precious oil. But in this story it is not a priest,
nor a prophet, nor the pope who anointed the emperor during the middle age. In this story, it
is a woman who anoints Jesus. A woman with a bad reputation, but a huge love in hear heart.
It is a woman who sees Jesus as her saviour. She loves God and trusts him to forgive her and to
give her a new start. Jesus is not honoured by the approval of those who are appreciated or
respected by the people, but by those who love him, who trust him, although they might be
desperate or even expelled by their communities.
Before Jesus was born, his mother Mary sang in a song: “He has brought down rulers from
their thrones but has lifted up the humble.“
Heaven is even today in this world when human beings can experience the dignity as loved
creatures of God. Heaven is when people are not judged by their reputation, and when the
oppressed are lifted up. A piece of heaven, right in our story.
There's also another aspect of heaven in this story: Simon, the host. He invited Jesus for lunch,
although he was a Pharisee. Those of you who know the bible might remember that Pharisees
were people who took their faith very seriously especially by strictly following God's
commandments. The bible tells us that they had difficulties to accept that Jesus loved even
those who didn't follow his commandments. They did not agree with him to interpret the
commandments in a way that served the people. Just before this story, Luke tells us in his
gospel that the Pharisees refused to understand Jesus. And now Jesus is accepting the
invitation of a Pharisee. To me, this also sounds like heaven. Jesus does not reject his critics.
He doesn't judge Simon. He doesn't denounce him. He doesn't play off this woman against the
pious Simon. Jesus tells him: “You can't love me as deep as this woman can, because you don't
know what it feels like to be so far away from God. Your eagerness to live a life that pleases
god is not bad. But you don't have that much that needs to be forgiven. You don't know the
downsides of life, and sometimes only the downsides let us understand great love.
Jesus does not exclude the Pharisee. He goes also to his critics. It is a piece of heaven on earth
when people are not played off against each other, when people and their opinions are taken
serious. So Jesus helps Simon to experience what heaven might be like.
Again I have to think of the workshop in Frankfurt. We visited Deutsche Bank to listen to
them, not to blame them. Some Christians might wonder: “One can't just talk with them. By
gambling our money they have caused so much suffering!”. But we listened to them. And then
a senior banker said: “We have been too greedy. We have to find ways to control the
greediness and to promote better ways.” From my point of view, it's a piece of heaven on
earth when people commit own mistakes and when people want to change. We are close to
heaven when people talk with each other, listen to each other, are aware of each other and do
not judge arrogantly, but give others the opportunity to change.
Jesus faces his critics. Maybe discipleship also means not to close his eyes but to walk through
life with eyes, ears, hearts and hands open. We are close to heaven, when we don't try to expel
others any longer, but to strengthen the community. Then we are close to heaven, however
not yet in the perfect heaven.
So what about the life here, right at the Richtsberg (not just about life 2000 years ago in Israel
or about a workshop in Frankfurt)? Are we close to heaven, because we are the geographically
highest part of Marburg city, or is there something else? Frankly spoken, we see both. We see
things that are everything, but not heavenly. People who are broken by alcohol and drugs. We
see poverty, and children who are abandoned or even get abused. We see young people who
are perpetrators of violence and bullying, and we see their victims. We hear many evil words
and see much fear. We shall not close our eyes to that. Heaven – that is what I see in this story
– starts when suffering and desperation don't stay hidden but are revealed.
But there is also the other, more heavenly, side: We have pre-school teachers who try to
provide their children with a good start to life, even though they face many obstacles and
defeats. We have Christians who get engaged to help people in need. We have volunteers at
the Konfi-Café (a facility to meet for teenagers) who start conversations with the kids,
although they face a quite rude and provoking tone among them. We have elderly peeople
who give even difficult youngsters a chance. We have confirmees who are brave enough to
step out of their usual rude behaviour that they show in school. We have many people with
open eyes and open ears and smiling lips. A piece of heaven. We are close to heaven, but not
yet in heaven. Close to heaven, even here at the Richtsberg. And as I don't want a long sermon
to be an obstacle for heaven, I'll just stop here. Amen.
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