Isnin, 27 Jun 2011

Es ist besser, für das was man ist gehasst, als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden - oder? - 1. nach Trinitatis, Reihe III, 26.06.2011

Text: Johannes 5,39-47 (Neue Genfer Übersetzung)

Liebe Gemeinde!


Was ist eigentlich wichtiger? Die Wahrheit zu sehen und zu sagen oder vor anderen gut da zu stehen und dabei die Wahrheit ein bisschen, sagen wir mal, anzupassen? Ich gehe mal davon aus, dass alle, die jetzt zuhören, egal ob Konfi oder Rentner, Studentin oder mitten im Berufsleben, mit Abi oder mit Hauptschulabschluss spontan sagen: „Die Wahrheit ist wichtiger!“ Würde ich natürlich auch so sagen. Aber ist die spontane Antwort wirklich die ehrliche Antwort? Wenn ich zu mir selber ehrlich bin, dann muss ich schon zugeben, dass es mir zumindest nicht egal ist, was andere denken. Ich versuche, zum Beispiel, meine Predigten so zu halten, dass ich denke, auch Konfis oder Rentner können sie verstehen. Und da lasse ich sicher auch mal schwierige Gedanken aus. Und ich freue mich doch, wenn ich höre: „Ich komme gern zu ihnen in den Gottesdienst, weil ihre Predigten nicht so langweilig sind!“ Zum Beispiel. Ich glaube, den allermeisten Menschen ist es nicht egal, wie sie vor anderen dastehen. Und wem das egal ist, wer wirklich so lebt, dass er um jeden Preis seine Meinung sagt und das, was er für die Wahrheit hält zu 100% raushaut, der tut das oft sehr verletzend und lebt auch sonst eher wenig sozial. Wir Menschen sind auf Be-ziehungen angewiesen. Und deshalb ist praktisch niemand frei davon, auch nach dem Bild zu fragen, das andere von einem haben. Natürlich darf und soll das nicht so enden, dass mein Bild vor anderen künstlich aufgeblasen wird, große Klappe und nichts dahinter. Eines meiner nichtbiblischen Lieblingszitate lautet: „Es ist besser, für das, was man ist, gehasst, als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden!“ Es stammt von dem französischen Dichter André Gide. Aber mal ehrlich: Wer von uns strebt danach, gehasst zu werden? Ansehen, Liebe, das ist, wenn wir ehrlich sind, alles andere als unwichtig. Warum ich das jetzt so ausführlich sage und was das mit dem Stück aus dem Jo-hannesevangelium, das ich eben vorgelesen habe, zu tun hat, werden vielleicht manche fragen und mir „Komm endlich zur Sache!“ zurufen wollen.


Ich habe das deshalb gemacht, weil ich nicht möchte, dass sich bei uns heute eine Überheblichkeit gegenüber den frommen Juden, die Jesus hier kritisiert, einstellt. Ganz leicht stellt sich so etwas ein: Typisch, die machen alles nur wegen ihres Ansehens und gehen an dem, was Gott mit Jesus wollte, total vorbei. „Typisch für die jüdischen Priester oder Schriftgelehrten in der Zeit von Jesus.“ So denken viele. Und manche gehen dann gleich weiter: „typisch auch für Pfarrer, Priester, Bischöfe heu-te. Die verfälschen ja die Botschaft von Jesus. Wenn der heute leben würde, dann würde er die rund machen. Die haben ja nichts verstanden.“ Und wer Kirche kritisiert, schon ganz und gar Kirchenleitung, der kann sich sicher sein, dass er oder sie Applaus kriegt. Auch so manchem, der von sich selber sagt, dass es ihm um nichts anderes als die Wahrheit geht und es ihm egal ist, wie er vor an-deren dasteht, der freut sich nicht nur klammheimlich, wenn er als cooler Rebell dasteht. Als einsamer Prophet, der aus der Masse der so genannten Mitläufer heraus-ragt. Das allererste, was wir als Menschen nie aus dem Blick verlieren sollten, egal ob als Christen oder Nicht-christen, egal ob wir von Jesus, von Gott oder von ande-rem reden ist, dass wir nie vollkommen sind. Wir sind und bleiben auf Liebe und Vergebung angewiesen und wir sollten uns davor hüten, anderen so etwas abzusprechen. Für mich ist das, was Jesus hier einer Gruppe von frommen und gelehrten Menschen sagt, die auf ihre Art ihre Suche nach Gott ernst meinen, dabei aber Gott aus dem Blick verlieren, nicht irgendeine Diskussion von vor 2000 Jahren, die uns egal sein kann. Für mich ist hier vieles drin, was auch für unseren Glauben und unser Bild von Jesus, von Gott wichtig ist.

Woher wissen wir denn was von Gott, was von Jesus? Aus den Schriften, aus der Bibel! Da geht es uns doch genauso wie den Menschen, mit denen Jesus spricht. Jesus sagt, dass die ganze Bibel, eben auch das, was für uns das Alte Testament ist, so von Gott erzählt, dass es auch auf Jesus hinweist. Aber vor lauter Buchstabentreue, vor lauter wichtiger und gelehrter Auslegung gerät manchmal der lebendige Gott völlig aus dem Blick. Jesus legt sich mit den Gelehrten seiner Zeit an, weil sie nicht erkennen, dass Gott im Sinn der Bibel und nicht in jedem einzelnen Buchstaben zu finden ist. Die Grundaussage, die sich durch alle Schriften in der Bibel zieht, ist die, dass Gott ein lebendiger Gott ist. Aber die Leute, mit denen Jesus streitet, stellen den Buchstaben vor das Leben. Sie stören sich daran, dass Jesus am Ruhetag einen Kranken heilt. „In der Bibel steht doch, du sollst am 7. Tag ruhen, gar nichts arbeiten! Wenn du von Gott kommst, dann darfst du nicht gegen die Buchstaben des Gebots verstoßen. Die Schrift ist heilig!“ So argumentieren sie. Und viele andere fanden das gut, weil sie sich so gut in der Bibel auskannten und alle Regeln wussten. Aber das Entscheidende ist eben, nicht mit der Haltung an die Bibel zu gehen: „So, jetzt will ich den anderen mal zeigen, wie gut ich mich auskenne und wie ich meine Bildung zeigen kann!“ Das Entscheidende ist, danach zu fragen: „Was will Gott eigentlich mit dem, was da steht, sagen?“ Und das ist zuallererst, dass er kein starrer Block ist, den man beschreiben, vermessen und verehren kann, sondern lebendig. So zeigt er sich Mose zum Bei-spiel in einem brennenden Dornbusch. Ein Feuer flackert, kann wärmen und manchmal auch bedrohlich sein. Es hat viele Facetten. Und Gott stellt sich mit den Worten vor: „Ich bin, der ich bin – ich werde sein, der ich sein werde“. Gott ist Gott in Beziehung. Im ersten Johannesbrief im Neuen Testament wird in un-übertroffener Klarheit gesagt: „Gott ist die Liebe“. Le-bendiger geht es nicht. Der eben schon mal zitierte fran-zösische Schriftsteller André Gide sagt über die Liebe: „Das ist das Eigentümliche an der Liebe, dass sie nie-mals gleich bleiben kann; sie muss unaufhörlich wach-sen, wenn sie nicht abnehmen soll.“ Gott wächst mit uns. Er ist nicht der Gott, der stillsteht und von außen beobachtet, sondern der, der sich von sich aus in Beziehung begibt. Im Menschen Jesus drückt sich das aus. Gott ist nicht scheinbar Mensch geworden, er tut nicht so, als ob. Sondern er ist ganz und gar Mensch geworden um deutlich zu machen, wie lebendig seine Liebe zu uns ist. Liebe, das heißt eben auch, dass manchmal Trauer und Schmerz dazugehören. Wenn ich nicht liebe, dann kann ich alles objektiv betrachten, so dass mich nichts was angeht. Ich kann von außen beschreiben. Die Schrift, die Bibel, die in allem von Gott erzählt, die wird dann zu einem Buch, das ich klug auseinandernehmen kann, durch das ich mich toll darstellen kann, weil ich vielleicht sogar in der Lage bin, es im Original, in Hebräisch und Griechisch, zu lesen. Ich kann Ansehen bei anderen gewinnen. Aber wenn ich wirklich in eine Beziehung gehe, wenn ich in der Bibel Gottes Angebot, zu uns Menschen, auch zu mir, eine Be-ziehung aufzubauen, sehe, dann kann ich das nicht. Ich bleibe nicht objektiv außen, sondern ich bin mittendrin, ich bin Teil der Beziehung. Und da bin ich immer einer, der lernt. Anders funktioniert eine lebendige Beziehung nicht. Ich entdecke immer wieder neue Seiten an der Liebe, neue Seiten an dem, was da steht. Buchstaben werden lebendig. Manches stirbt vielleicht auch, weil es für meine Beziehung zu Gott nicht mehr so wichtig ist. Dafür ist es vielleicht für einen anderen mit seiner Beziehung ganz wichtig. Je mehr ich eigentlich in der Bibel drin bin, je mehr ich danach suche, was Gott sagen will, desto mehr werde ich zum Lernenden. Nie fertig mit einer Beziehung. Liebe kann eben niemals gleich bleiben. An Gott zu glauben, ihm zu vertrauen, heißt eben, sich selbst immer wieder als einen Menschen zu erfahren, der lernt, der sucht, der geliebt wird und liebt. So wenig wie Gott fertig ist sind wir Menschen und unser Wissen fertig. Schon Mose, so sagt es Jesus hier im Johannesevangelium, bezeugt den lebendigen Gott und nicht den toten Buchstaben. Nicht erst jesus, Gottes Mensch gewordene Liebe, wird deshalb diejenigen, die die Buchstaben für Gott selbst halten, anklagen, sondern schon Mose macht es. Es geht nicht um einen Buchsta-benglauben, sondern um einen Schriftglauben. Wir ha-ben keinen anderen Weg, von Gott zu erfahren, als die Bibel. Aber nicht, damit wir mit unserem Bibelwissen vor anderen oder vor Gott angeben können, sondern da-mit wir uns einladen lassen, geliebt zu werden und zu lieben und aus toten Buchstaben Leben werden zu las-sen. Leben, das wie Jesus gezeigt hat, stärker als der Tod ist.



Amen.

Sabtu, 18 Jun 2011

Wenn Konfirmierte predigen... - Trinitatis, 19.06.11, Reihe III, English version available

Während ihrer Konfirmandenzeit fragte mich eine Konfirmandin, ob sie denn auch mal predigen könne. Ich fand das nicht nur mutig, sondern wollte das in die praxis umsetzen. Trinitatis 2011 war der erste Termin, an dem es klappte. Den Predigttext durfte sich ide Konfirmandin selbst aussuchen, ich habe ihr alle Texte, die Trinitatis "dran" sind, und noch ein paar mehr Vorschläge gegeben. In zwei Sitzungen haben wir gemeinsam die Predigt vorbereitet und uns für eine Dialogpredigt entschieden. Es gibt eine englische Fassung, weil eine Partnerdelegation aus Südafrika zu Gast ist. Wir wechseln abschnittweise, ich beginne, dann kommt Lisa-Marie Kellermann. Und hier das Ergebnis:

Predigttext: Jesaja 6 (Gute Nachricht)

Liebe Gemeinde!

Es ist sicher sehr ungewöhnlich, dass nicht einer alleine, normalerweise der Pfarrer, hier vorne steht und eine Pre-digt hält, sondern dass eine Konfirmierte aus dem letzten Jahr mit da steht. Ich freue mich, dass Lisa so schnell „Ja“ gesagt hat, als ich sie gefragt habe, ob sie nicht mal mit mir zusammen predigen will.

Und ich frage mich mittlerweile, ob das wirklich eine gute Idee von mir war. Ich bin nervös. Heute sind fast alle neuen Konfis da, manche mit ihren Eltern. Und dann auch noch die Gäste aus Südafrika. Und die normale Gemeinde. Und dann auch noch der Predigttext von Jesaja. Ich habe ihn ausgesucht, weil ich fand, dass er ein schöner Dialog war. Aber als wir beide uns zusammengesetzt haben, da fiel mir erst mal gar nicht so viel ein, was man heute dazu sagen kann. Aber einen Rückzieher wollte ich dann doch nicht machen.

Warum denn nicht?

Ich hab’s schließlich versprochen.

Das stimmt, du bist wirklich zuverlässig. Als du noch jünger warst, konnte man sich beim Krippenspiel und im Kinderclub auf dich verlassen und als du selbst Konfi warst, da war das nicht anders. Bis auf die allererste Stunde, die du verpasst hast!

Aber danach war ich doch immer da! Und außerdem glaube ich an Gott. Und mir ist das wichtig. Und deshalb möchte ich auch gern anderen etwas davon erzählen. Obwohl ich mir überhaupt nicht sicher bin, ob ich das kann. Ich hab’s ja schließlich nicht studiert. Und ein perfekter Mensch mit einem perfekten Glauben bin ich ja auch nicht.

Und da sind wir schon mitten in diesem etwas komplizierten Bibeltext, der ausgerechnet für heute als Predigttext vorgeschrieben ist.
 Jesaja, der Prophet, der hier erzählt, welche Vision er gehabt hat, bevor er den Men-chen in Israel vor langer Zeit etwas von Gott erzählt hat, der erzählt ja auch, dass er sich erst mal sehr klein vorgekommen ist. Er weiß genau, dass er nicht perfekt ist. Und Gott ist so groß, so gut, da kann man als Mensch einfach nicht mithalten. Aber das, was sich in dieser Geschichte erst mal merkwürdig anhört, ist dann eine große Einladung und Chance. Jesaja muss ja nicht von sich aus alles Mögliche anstellen, damit Gott ihn überhaupt ernst nimmt und damit er was von Gott sagen dar. Gott kommt auf Jesaja zu.

Aber doch nicht er selbst, sondern seine Boten. Diese merkwürdigen Engel. Da nimmt einer eine glühende Kohle und reinigt Jesajas Lippen, ohne dass es ihm weh tut. Für mich ist das so etwas Ähnliches, wie Gott es für uns mit Jesus gemacht hat. Damit wir uns nicht klein und schlecht und im-mer schuldig fühlen müssen, hat Gott Jesus in die Welt geschickt. Er hat uns Menschen gezeigt, dass Gott uns liebt und dass er uns unsere Schuld ver-geben will. Wenn wir sie einsehen. So, wie Jesaja ja auch eingesehen hat, dass er nicht ohne Schuld ist. Gott macht uns Mensch sozusagen fähig, gut zu sein und anderen etwas von ihm zu erzählen.

Ja, auch wenn bei Jesaja ja noch gar nicht von Jesus die Rede ist. Aber schon vor Jesus konnte man das, was Gott mit uns Menschen vorhat, erkennen. Und wir können das heute noch. Jesus kennen wir ja nicht dadurch, dass er uns über den Weg gelaufen ist und sich uns persönlich vorgestellt hat, sondern durch den Heiligen Geist. Das ist die Kraft, die Gott auch heute noch den Menschen gibt, damit sie ihn und seine Liebe erkennen und damit sie spüren, dass er Schuld vergibt und Kraft gibt, von ihm zu erzählen. Wenn Menschen, die sich erst nicht trauen, den Mut haben, andere etwas von ihrem Glauben und von Gott zu erzählen, dann ist das für mich tatsächlich so ein bisschen wie bei Jesaja.

Aber da ist doch noch viel mehr in dieser Bibelge-schichte. Was mir gleich aufgefallen ist, ist die Be-schreibung, wie Gott dargestellt wird. Er ist so groß, dass schon der untere Rand seines Gewandes ei-gentlich alles ausfüllt. Ich habe mal versucht, mir das vorzustellen. Es ging auch ziemlich gut. Aber die Vorstellung hörte da auf, wo beim Menschen der Oberkörper beginnt. Gott ist größer als alles, was wir uns vorstellen können. Und selbst, wenn man Gott persönlich begegnet, kann man nicht alles sehen und erkennen. Und Gott ist so mächtig, dass wir Menschen Ehrfurcht vor ihm haben sollen. Bei ihm erkennen wir, wie unser Leben eigentlich ist. Und trotzdem habe ich, wenn ich an mich selber denke, vor Gott keine Angst. Ich sehe ihn wirklich als eine ganz mächtige Kraft und jemanden, der mir wirklich zuhört. Gott ist für mich einer, dem ich wirklich alles erzählen kann.

Ja, so sehe ich das auch. Gott ist größer als jede Vorstel-lung, die Menschen von ihm haben. Für mich drückt sich das auch an dem Feiertag aus, den wir heute haben. Es ist der, glaube ich wenigstens, unbekannteste Feiertag überhaupt. Trinitatis. Schon der Name: kaum einer kennt ihn, die wenigsten verstehen ihn. Trinitatis heißt: Dreieinigkeit. Auch nicht leichter zu verstehen. Es heißt aber nichts anderes, als das für Gott 1+1+1=1 ist. Nicht, weil Gott nicht rechnen könnte. Sondern weil Gott ganz vielfältig ist und doch immer derselbe bleibt. Gott als Vater, so sagen wir es immer wieder in der Kirche. Er ist der, von dem alles Leben kommt. Der hinter dem Leben steht, hinter der Evolution und hinter allen Naturgeset-zen. Er ist der, der den Anfang und das Ziel kennt. Und dann Gott als Sohn, als Jesus. Ein Mensch, in dem Gott erkennbar war. Ein Mensch, der gezeigt hat, dass man wirklich so leben kann, wie es gut ist. Ein Mensch, der uns zeigt, wie Gott ist: voll von Liebe, für die da, die von anderen klein gemacht werden, für die da, denen ihre Schuld wirklich leid tut. Gott als Sohn. Und dann noch Gott als Heiliger Geist. Als Kraft, die auch heute noch Menschen berührt. Als Kraft, die uns hilft, Gott zu erkennen. Als Kraft, die uns auch in schweren Zeiten beisteht. Alles drei gehört zusammen, alles ist derselbe Gott, von dem wir aber nur einen Teil erkennen können. Es ist nicht immer leicht zu sehen. Und manchmal tun wir uns, wie Jesaja auch, schwer damit, das auszuhalten, was wir von Gott sehen. Wir sehen nur einen Zipfel sei-nes Gewandes, um das Bild von Jesaja noch mal zu benutzen. Aber es ist immer der EINE, der einzige Gott.

Ja, es ist der Gott, der uns Menschen dazu bereit macht, mit ihm zu reden und von ihm zu erzählen. Deshalb bin ich ja auch hier. Ich weiß, dass Gott immer größer ist als alles, was ich sagen kann. Und ich weiß, dass anderen Menschen vielleicht anderes wichtig ist oder dass Gott ihnen etwas anders begegnet ist. Aber ich weiß auch, dass ich glaube und eigentlich so wie Jesaja „Hier bin ich!“ sagen kann. Und trotzdem fällt es mir schwer, alles zu verstehen, was ich vorhin aus der Bibel vorgelesen habe. Das Bild von dem großen Gott, den man nie ganz sehen kann oder von der Reinigung, das hat ja mit manchem zu tun, was ich selber glaube und weiß. Aber wenn Jesaja den Menschen etwas von Gott sagen soll und die Menschen sollen es nicht verstehen, wenn Gott zu Jesaja sagt: „Ihre Herzen sollen verstockt werden, ihre Ohren verschlossen und ihre Augen verklebt“, dann ist das schon sehr merkwürdig.

Oh ja, auch als Pfarrer und jemand, der studiert hat, fällt es mir manchmal schwer, die Bibel zu verstehen. Im Alltag denke ich auch: Welchen Sinn hat das denn, wenn ich den Menschen sagen soll, was sie alles falsch machen und dann sollen sie es erst gar nicht kapieren und unter ihren Fehlern leiden? Der Sinn wäre doch, dass sie ihr Verhalten ändern! Aber ich glaube, dass man mit zwei Überlegungen das ein wenig verstehen kann. Einmal ist die Bibel, auch das Buch von Jesaja, nicht in einem Rutsch aufgeschrieben worden. Die Menschen, denen Jesaja von Gott erzählt hat, die waren nur noch äußerlich so, dass sie behaupteten, sie glauben an Gott. Sie haben geopfert und an Feiertagen gebetet. Aber im Alltag haben sie eigentlich das Gegenteil gemacht. Da waren andere Götter interessanter, da wurden arme Leute unterdrückt und ausgebeutet, da war Gott ihnen ganz egal. Und am Ende ist der Teil von Israel, in dem Jesaja gelebt hat, tatsächlich in einem Krieg vernichtet worden, weil sich nichts geändert hat. Vielleicht hat nachträglich das noch jemand rein geschrieben, um zu zeigen, dass es Gottes Wille war und nicht die Schuld von Jesaja. Aber da ist auch etwas anderes, das mir wichtig ist: Gott entlässt die Menschen nicht aus ihrer Verantwortung. Sie spüren, was falsches Verhalten an-richten kann. Sie sollen nicht einfach so tun, als wäre nichts gewesen. Und gerade für die, die gelitten haben, war es vielleicht wichtig zu sehen, dass auch die, die al-les verbockt haben, nicht einfach so davonkommen.

Den Gedanken, dass Gott uns Menschen Verant-wortung für das gibt, was wir machen, finde ich nicht schlecht. Viele tun so cool und so, als wüss-ten sie alle. Gerade heute. Vielen ist es wichtig, dass sie gut dastehen, tolle Klamotten haben, viel-leicht gehen sie sogar in die Kirche und zu Konfer. Aber dann erzählen sie nachher, Gott ist blöd und sie hätten alles nur wegen Geld gemacht. Oder Erwachsene, die zwar in die Kirche gehen, aber danach übereinander lästern oder denen es egal ist, wie es armen Menschen woanders geht. Wir haben Verantwortung. Im Guten und im Schlechten. Wir sind schließlich keine dummen Marionetten. Und dann ist ja trotzdem noch Hoffnung in dem, was Jesaja sagt. „Der Stumpf aber bleibt und aus dem Stumpf wird neues Leben sprossen zu Gottes Ehre.“

Gott gibt die Welt nicht verloren. Auch, wenn wir viel-leicht nicht immer sehen, wo die Hoffnung herkommen soll, wird Gott einen Weg finden. Das war schon damals so. Es gab, als Jesaja das alles erzählt hat, zwar die große Katstrophe, aber Gott hat den Menschen in Israel immer wieder geholfen und ihnen immer wieder neu eine Chance gegeben, Gutes zu tun und mit ihm zu leben. Und bis heute will Gott uns ja immer wieder neue Hoffnung schicken. Auch dann, wenn wir Menschen uns total verrannt haben und glauben, wir kommen aus den blöden Situationen, in die wir aus eigener Schuld geraten sind, gar nicht mehr raus.

Diese Hoffnung ist eigentlich lebenswichtig. Für mich heißt das heute, dass vielleicht neue Leute kommen, denen man es gar nicht zutraut, die von Gott so erzählen, dass Menschen ihr schlechtes Verhalten ändern. Oder das Gott mir hilft, mich für das Gute zu entscheiden, wenn das auch nicht immer der einfachere Weg ist. Gott hat eben viel mehr Möglichkeiten, als wir erkennen und ihm manchmal zutrauen. Und vielleicht hilft ja auch Konfer, darauf zu hoffen.
Amen.

English version:
 
Pastor Ulrich Kling-Böhm:


Dear Church,

it is probably very unusual, that it is not only me – the pastor – standing in front of the congregation preaching. But it is also a former confirmee by my side. I am glad that Lisa said „yes“, when i asked her if she wants to preach together with me.

Lisa-Marie Kellermann:

And rigth now I am asking myself if it has been a good idea to say „yes“. I am pretty nervous. Today all of the new confirmees and some of their parents are present here. And there are our guests from South Africa. And the other members of our church. But that is not all. There is also the text from the book of Isaiah. I choose this text as I considered it to be a beautiful dialog. But when we thought about it together I did not get anything to say about it today. But I did not want to back down.

Pastor Ulrich Kling-Böhm:

Why not?

Lisa-Marie Kellermann:

Because I promised.

Pastor Ulrich Kling-Böhm:

That's true, you are really reliable. When you have been younger everybody could rely on you at the nativity play and the children's ministry. And last year during the confirmation classes it was the same. Except for the first lesson that you missed.

Lisa-Marie Kellermann:

But afterwards I have been there everytime. And by the way, I believe in GOD. And that is important for me. That's why I want to witness to others. Even though I am not sure if I am able to as I did not study theology. And I am neither a perfect person nor do I have a perfect faith.

Pastor Ulrich Kling-Böhm:

Here we are at the centre of this pretty difficult text which is presrcibed for today. Isaiah the prophet who tells about the vision he had had, before he has witnessed to the people of Israel about GOD long time ago. Isaiah felt pretty small and nervous himself in the beginning. And he knew that he was not perfect as well. And GOD is so great, so good that man can not keep up with him. But what sounds so strange in this story of Isaiah is a great invitation and chance. Isaiah must not prove his skills and do something big that GOD takes him seriously and that he allows Isaiah to do his ministry. It is GOD coming up to Isaiah.

Lisa-Marie Kellermann:

But not personaly, but his envoy. These curious angles. One of them takes glowing charcoal and cleans Isaiah's lips which does not hurt Isaiah. For me that is something similar to what GOD did by sending Jesus into this world. He has shown us HIS love and that he wants to forgive our sin if we confess them. The same was as Isaiah had confessed to not be without sin. GOD enabled us to be good and to tell others about HIM.

Pastor Ulrich Kling-Böhm:

Yes, even though the book of Isaiah is not forthright about Jesus. But even before the life of Jesus you could see that GOD had something in mind with man. And we can see it today as well. We don't know Jesus as we met him on the street or as he introduced himself personaly to us but through his Holy Spirit. That is the dynamic GOD gives to HIS people nowadays so that they can discover HIM and HIS love and that we recognize that HE forgives and gives the strength and confidence to witness to others. When people who at first did not dare to talk about their faith and about GOD get the confidence to do so it really seems to me like the story of Isaiah.

Lisa-Marie Kellermann:

But there is a lot more in this story of Isaiah. What catched me at first was the description of GOD. HE is so great that even the train of his robe fills everything. I tried to figure what that meant. That did not really work. GOD is so much bigger than everything we can imagine. And even if you meet GOD you cannot even see every part of HIM. And GOD is so mighty that we should fear HIM. When we discover GOD we discover our lives. When I think about myself even though I fear GOD I am not afraid of HIM. I surely consider HIM to be the strength of my live and to be someone who truly listens to me. For me GOD is someone whom I can tell everything.

Pastor Ulrich Kling-Böhm:

It is the same for me. GOD is greater than every image people can figure. That is especially expressed on a holiday like today. I believe it is the most unknown holiday of all. Trinity Sunday. Even the name is difficult to understand: barely a small number of people know it or even understand it. Trinity means that GOD is 1+1+1=1. Not because GOD is not a good mathematician, but because GOD is manifold and the one at the same time. GOD the father. That is what we talk about in church on and on. HE is the one all life comes from. HE is the one behind life, behind evolution and behind the law of nature. HE is the one knowing the beginning and the end. And GOD the son, Jesus. A man in whom GOD became visible. A man who has show us that it is possible to live as it is good. A man showing us how GOD is: full of love for small people and those who truly feel sorry for their sin. And then GOD the Holy Spirit. The strenght and dynamic touching people even today. As assistent helping us to discover GOD. As supporter in hard times. All three belong together, all three are the same GOD. The GOD we cannot fully discover as HE is to great. It is not always easy to see HIM. Sometimes it is the same with us as it was with Isaiah that it is hard to bear what we see about GOD. We can only see the train of his robe to use the picture of Isaiah. But it is always the one GOD we see.

Lisa-Marie Kellermann:

It is the one GOD who prepares us to talk to HIM and to witness to others. That is why I stand here. I know that GOD is greater than everything I can say. And I know that people are different and that GOD touches them in different ways. But I also know that I believe in GOD and that I can use the words of Isaiah: „Here I am!“ Even though it is sometimes difficult for me to understand everything I read from the Bible in the beginning.The vision of the great GOD whom you will never fully see and the purification. That has something to do with my faith. But on the other hand it seems strange to me when Isaiah should explain something to the people what they should not understand as it is written: „Go and tell this people: Be ever hearing, but never understanding; be ever seeing, but never perceiving.“

Pastor Ulrich Kling-Böhm:

Oh, even as a pastor and as someone having studied theology it is not always easy to understand the Bible. In everyday life I often think: What is the use of telling people about sin and then the should not understand it and suffer. The use should be that they change the lives. But I believe that you have to consider to things to understand the text. First of all the Bible as well as the book of Isaiah has not been writen at once. The people whom Isaiah has told about GOD where pretty hypocritcal. They said that they believe in GOD. They sacrificed and prayed on holidays. But in everyday life they have done the opposite of what GOD wanted them to do. They had other gods, they oppressed the poor and GOD was uninteresting for them. In the end the part of Israel in which Isaiah had lived was destroyed in a war as the people had not changed. Maybe someone added this later to show that it was the will of GOD and not the failure of Isaiah. But there is something else that I consider to be important: GOD does not release people from the responsibility. They realize what wrong behaviour can lead to. They should not act like nothing has happend. And especially for those having suffered it might have been important to see those having oppressed them to face judgement.

Lisa-Marie Kellermann:

I like the point that GOD gives us responsibility for what we do. Many people act like they know everything. Espescially nowadays. For many people it is important to look good, dressing the latest and maybe they do also go to church or confirmation classes. But afterwards they say GOD is a fool and that they have only done it for money. Or others who visit the sunday service and later they talk badly about others or they do not care about the poor. We have responsibility. That is a chance and a challange. After all we are not string puppets. And in the end the is hope in what Isaiah says: „So the holy seed will be the stump in the land.“

Pastor Ulrich Kling-Böhm:

GOD does not give up the world. And even if there are times when we do not see where hope should come from GOD will always find a way. It was like this in former times and it is like this today. There was the great disaster for Israel in the times of Isaiah on one hand but one the other hand GOD has helped HIS people again and again and has always given them a new chance to do good and live with him. And till this day GOD wants to give us hope even when we do not see a way to find out of the situations we are in through our own sin.

Lisa-Marie Kellermann:

This hope is essential. For me that means that people will come and talk about GOD on and on. People whom you do not dare to witness GOD. People like Isaiah telling people about GOD's will to change lives. And it means to me that GOD helps me to do the good even though it is not always the most easy way.

That is why GOD is greater than we can ever discover and even believe. And probably it is the confirmation classes helping to catch this Hope

Ahad, 12 Jun 2011

Tschüss, Pfüati, Adieu - Pfingsten 2011, 12.06.2011, Reihe III

Text: Johannes 16,5-15 (diesmal aus der BASISBIBEL gelesen)

Liebe Gemeinde!


Tschüss – oder eher geflötet: Tschühüss! Auf Wiederse-hen! Ciao! Bis bald! Wir sehen uns! Hau rein! Mach’s gut! Adieu! Servus! Pfüati! Bye! Bleib sauber!

Es gibt unglaublich viele Arten, sich zu verabschieden. Ich weiß nicht, welche sie bevorzugen, welche eure liebste ist. Sicher hängt es oft davon ab, von wem man sich verabschiedet. Von den Eltern verabschiedet man sich anders als von der Freundin, von der Nachbarin anders als vom Enkelkind. Wenn man denkt, dass man sich bald wiedersieht anders, als wenn das Wiedersehen ungewiss ist. Wenn ich zu einem Schwerstkranken oder einem Menschen, der im Sterben liegt, gerufen werde, finde ich ein „Auf Wiedersehen“ eher unpassend. Und mit „Hau rein! Wir sehen uns! oder: Bye!“ verabschiede ich mich auch nicht von meiner Frau. Gibt es so etwas wie die richtige, immer passende Form der Verabschiedung? Vielleicht hat sich das ursprünglich eigentlich ja rein auf Norddeutschland beschränkte „Tschüss“ dazu entwickelt. Manchen, vor allem älteren, ist das vielleicht zu locker, manchen jüngeren nicht cool genug. Aber benutzt wird es von fast allen. Ich finde das schön. Mir würde auch „Pfüati“ gefallen, aber für einen Nichtbayern ist das doch etwas schwer auszusprechen. „Pfüati“ meint nichts anderes als: „Gott führe dich auf deinem weiteren Weg“. Und „Tschüss“ ist nichts anderes als die norddeutsche Form des französischen und etwas aus der Mode gekommenen „Adieu“ – „Mit Gott“. Tschüss heißt nichts anderes als „Gehe deinen Weg mit Gott“ – kann’s einen schöneren Wunsch bei einer Verabschiedung geben? Tschüss – geh deinen Weg mit Gott, er geht ihn auch mit dir. Egal, ob wir uns bald wiedersehen oder lange Zeit getrennt sein werden. Egal, ob ich den Abschied voller Vorfreude auf das, was kommt, kaum erwarten kann, oder ob es ein Abschied für immer sein wird und nur noch die Hoffnung und der Glauben bleiben, dass der Tod nicht das Allerletzte ist, sondern dass Gott mehr für uns bereit hält. Tschüss, Adieu, Pfüati!

Genau das sagt Jesus eigentlich auch seinen Freunden, den Jüngern, den Menschen, mit denen er den Abend vor seiner Verhaftung und Kreuzigung verbringt. Ich habe es eben als Predigttext vorgelesen. Ich habe jetzt nicht die Jahreszeit verwechselt. Ich weiß, dass wir Pfingsten haben und nicht die Passionszeit, kurz vor Os-tern. Aber in diesem Jahr ist nun einmal dieser Abschnitt aus dem Johannesevangelium als Predigttext vorgesehen. Jesus sagt: „Tschüss!“ Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr wird dieses „Tschüss“ für mich tatsächlich zu einer fröhlichen oder wenigstens froh machenden Botschaft für Pfingsten. „Tschüss!“ – „Geht mit Gott!“ Nehmt Abschied, ihr müsst es tun. Haltet euch nicht am Vergehenden und Gewohnten fest. Geht ins Leben, aber seid gewiss: auf eurem Weg ist Gott mit euch. „Tschüss“ eben, nicht „Macht’s gut!“. Nicht ihr müsst irgendwas gut machen,
sondern bevor ihr was gut machen könnt, wird für euch was Gutes gemacht werden. Eine frohe Botschaft, die aber auch die traurigen Seiten nicht verschweigt. Ich sage es immer wieder gern: was ich so toll an der Bibel finde ist, dass sie uns nichts über das Leben erzählt, was falsch wäre. Sie sagt nicht: das Leben ist immer toll und wenn du nur fest genug glaubst und immer ganz nahe bei Gott bist, wird alles super laufen und es wird keine Zumutungen in deinem Leben eben. Die Bibel sagt: Das Leben ist voller Zumutungen und es ist auch manchmal traurig. Auch für die, die ganz nahe bei Jesus sind. Aber du kannst das aushalten, weil du in deinem Leben nicht allein bist. Du kannst wirklich leben. Nicht in einer Scheinwelt, sondern in der Wirklichkeit. Da kriegst du den Beistand, den du brauchst. Davon erzählt Jesus hier seinen Freunden, die am Abend vor seinem Tod bei ihm sind. Und das gilt auch für uns, viele, viele Jahre später. „Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, wenn ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe, kommt der Beistand nicht zu euch. Aber wenn ich fortgehe, werde ich ihn zu euch schicken.“ Ich finde es unglaublich gut, was Jesus hier sagt. Damit Neues beginnen kann, muss Abschied genommen werden. In manchen Bibelübersetzungen heißt es statt „Beistand“ auch „Tröster“. Aber „Tröster“ ist eigentlich zu wenig. Jesus meint „Beistand“ in einem ganz großen Sinn. Nicht nur den, der für einen da ist, wenn man traurig ist. Sondern eine Kraft, die hilft, das Leben wirklich zu entdecken. eine Kraft, die einem hilft, die Wahrheit zu sehen und auszuhalten. Eine Kraft, die hilft, im Sinn Gottes, in der Nachfolge Jesu zu leben, auch in den Momenten, in denen es gut läuft. Manchmal ist doch gerade das die Schwierigkeit. Wenn es mir schlecht geht, dann denke ich an Gott, dann erhoffe ich mir Hilfe von ihm, dann tröstet mich der Gedanke, dass einer da ist, der auf mich aufpasst und dem etwas an mir liegt. Und wenn’s mir gut geht? Dann denke ich doch, alles könnte aus eigener Kraft immer so weitergehen. Gott ist manchmal gerade in guten Zeiten in meinen Gedanken viel weiter weg als in schwierigen Zeiten. Und wenn ich jetzt „meinen Gedanken“ gesagt habe, dann meine ich das auch so. Und ich glaube nicht, dass ich mit dieser Erfahrung allein bin. Aber dann sehe ich auch, dass Gottes Beistand Menscen, denne es gut geht, zu etwas motiviert. Ich bin dankbar, dass wir es in nicht einmal vier Wochen geschafft haben, über 11.000 Euro für unsere geplante Jugendarbeiterstelle zu bekommen. vor acht wochen hätte ich das nie für möglichgehalten. Ich bin dankbar, dass Gottes Beistand, Gottes Geist junge Menschen bei uns motiviert hat, sich in Konfer zu engagieren und ihre guten Glaubenserfahrungen weiterzusagen. Ich bin dankbar, dass Gottes Geist auch ältere menschen bewegt, sich bei dden senioren, im Kirchenvorstand und anderswo nach ihren Gaben für Gottes Wort einzusetzen. Da ist für mich Gottes Beistand am Wirken, der Geist, den Jesus verheißt, gerade auch für die guten Zeiten. Und deshalb ist für mich das Wort "Tröster" viel zu klein.

Gottes Geist zeigt uns die Wahrheit über das Leben. Der Beistand, der uns Gottes Herrlichkeit und Jesus zu erkennen hilft, zeigt uns, wie Leben wirklich gut sein kann. Und dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit eher unangenehmen Dingen. Mit Schuld zum Beispiel. Schuld heißt, nicht an Gott zu glauben, steht hier. Klar, auch jemand, der mit Gott absolut nichts am Hut hat, kann gute Dinge tun und mancher, der sich auf Gott beruft und denkt, er hätte einen tollen Glauben, tut ganz furcht-bare Dinge. Aber genau das ist doch die Abkehr von Gott. Die Abkehr von Gott, von seinem Beistand und seinem Geist, passiert doch da, wo ich denke, dass es genügt, nach außen so zu tun, als wäre alles in Ordnung und als wäre ich ein frommer Mensch, als hätte ich keine Vergebung nötig. Schuld entsteht da, wo ich Gottes Willen, den Willen zum Leben, zu Recht und Ge-rechtigkeit, zur Erlösung für die Menschen nicht wahr-haben will. Schuld entsteht da, wo ich Menschen von mir abhängig mache, wo Unterdrückung herrscht, weil sich Menschen wie Gott aufspielen. An Gott glauben heißt vor allem, darauf zu vertrauen, dass er allein und kein Mensch die letzte Wahrheit weiß. Schuld entsteht da, wo ich etwas oder jemand anders, im Zweifel mich selbst, an Gottes Stelle setze. Das ist eine Wahrheit, die der Geist uns zu erkennen gibt. eine andere ist die, dass Gott und Jesus wirklich eins sind. Jesus ist kein Möchtegerngott, kein Guru. Er ist mehr als ein bloßer Lehrer. In ihm begegnet Gott. Und deshalb ist es ein Ausdruck der Gerechtigkeit, dass er, der zu Gott gehört, mit Gott vereinigt sein wird. Gerechtigkeit ist oft nicht sichtbar. Aber sie geschieht dort, wo nach den Vorstellungen Gottes gelebt wird. Und dazu gehört eben auch die Vergebung, für die Jesus einsteht. Und die Wahrheit, die der Beistand sichtbar werden lässt ist die, dass die ungerechten und egoistischen Zustände in dieser Welt nicht von Dauer sein werden. Wenn Leben mehr ist als die Zeitspanne zwischen Geburt und Tod, dann wird das, was das Leben hier schwer macht, auf Dauer keinen Bestand haben. Diejenigen, die auf Kosten der Schwachen leben, die andere ausnutzen, die zum Hass gegen andere anstacheln, die werden sich auf Dauer nicht durchsetzen. Natürlich ist das auch 2000 Jahre, nachdem diese Worte aufgeschrieben wurden, noch längst nicht erfüllt. Aber der Beistand, der Tröster, der Geist, den Jesus verheißt, gibt die Kraft, das alles nicht nur auszuhalten, sondern gegen Unrecht aufzustehen und etwas zu tun. In dem wissen, dass ich das nicht alles schaffen werde und auch Fehler mache. In dem Vertrauen, dass Gott unsere Bemühungen um Frieden und Gerechtigkeit bei sich zu Ende bringen wird.

„Tschüss“ – geht mit Gott in diese Welt. Das gibt Jesus seinen Freunden mit. Ihr braucht mich nicht direkt zu sehen, um das Leben dort auszuhalten, um etwas von der Herrlichkeit der Liebe Gottes zu spüren. Ihr habt einen Beistand in dieser Welt. Das ist das Versprechen von Pfingsten. Gottes Geist, der zum Leben anstiften und Mut machen will. Und deshalb höre ich jetzt auch endlich auf und sage: Tschüss – geht mit Gott ins Leben.

Amen.