Khamis, 5 April 2012

Endlose Liebe .Ostersonntag, 08.04.2012, Reihe IV

Text: 1. Samuel 2,1-2.6-8
Liebe Gemeinde!


Es gibt, Gott sei Dank, viele Gründe, die Menschen dazu bringen, von Herzen dankbar zu sein und richtig große, schöne, ansteckende Worte der Freude und Dankbarkeit zu finden. Es kann sein, dass ein Mensch in der Schule nicht ernst genommen wurde. „Du bist dumm, mit dir kann man nichts anfangen!“ – das haben nicht nur manche Lehrerinnen und Lehrer, das haben auch Mitschüler ihm immer wieder gezeigt. Und dann – ein Praktikum, in dem dieser Mensch merkt: Ich kann etwas, das gebraucht wird. Menschen interessieren sich für ihn und seine Fähigkeiten. Anders als bei anderen, die ihn vorher klein gemacht haben, klappt es doch mit einem Ausbildungsplatz und einem Beruf, der Zufriedenheit verspricht. Oder ein Mensch hat das Gefühl, nie jemanden abzukriegen. Alle anderen um einen herum haben feste Beziehungen. „So, wie du rumläufst, so, wie du dich anziehst oder schminkst oder dich gibst, wird das nie etwas!“ Das ist das, was, laut oder leise, transportiert wird. Und dann kommt DER Mensch, der alles verän-dert. Liebe ist da, und das nicht nur einseitig, sondern gegenseitig. Es gibt, Gott sei Dank, viele Gründe, die Menschen dazu bringen, von Herzen dankbar zu sein und diese Dankbarkeit auch laut werden zu lassen. Die Erfahrung, krank zu sein und wieder geheilt zu werden. Oder die Erfahrung, von anderen wegen etwas für minderwertig gehalten zu werden – und dann dreht sich das Leben und sehnsüchtige Wünsche werden erfüllt. So erging es Hanna, von der die Bibel erzählt, dass sie lange keine Kinder bekommen konnte. Eine andere Frau gab ihr das Gefühl, deshalb minderwertig zu sein. Hanna klagt Gott ihr Schicksal. Und dann wird sie schwanger. Niemand schaut mehr auf sie herab. Sie wird aufgerichtet, ihr Leben hat wieder Halt und Tiefe. Es gibt viele Gründe, dankbar zu sein. Hannas Grund ist einer davon. Und es ist kein Wunder, dass sie Gott überschwänglich dankt. Sie hat das Gefühl, tot gewesen zu sein, lebendig tot. Man atmet, man funktioniert, aber man lebt nicht. Und dann kehrt das Leben zurück, die Freude und auch die Erfahrung, dass Gott die, die sich für etwas besseres halten und die andere wegen ihrer scheinbaren Fehler klein machen und für minderwertig oder dumm halten, am Ende eben nicht siegen lässt, sondern dass am Ende die, die sich dem Tod nahe gefühlt haben, mit Gottes Hilfe wirklich stark und Sieger sein werden.

Auferstehung mitten im Leben – so kann man diese Erfahrung vielleicht nennen.
 Und ich will sie ganz bestimmt nicht schlecht machen. Wer einmal erlebt hat, wie es ist, wirklich unten zu sein und dann wieder neuen Lebensmut geschöpft hat, der weiß, wie unvergleichlich dieses Gefühl ist und wieviel Dankbarkeit, auch Gott gegenüber, da mitschwingen kann. Aber ist das wirklich schon Ostern? Ist das, was da erzählt wird, dass Jesus begraben war und am dritten Tag nach seinem Tod wirklich lebendig wurde, tatsächlich nicht mehr als ein Symbol dafür, dass Gott auch bei den Tiefpunkten im Leben da ist und dass Gott einen auch aus den Tiefpunkten herausholt?

So wichtig das ist, so schön diese Erfahrung von Auferstehung mitten im Leben ist: Ostern ist mehr. Es geht wirklich um das ganze Leben. Ostern ist die totale Erfüllung von dem, was sich in Hannas Worten so anhört: „Der Herr tötet und macht lebendig, er führt hinab zu den Toten und wieder herauf“. Man kann diesen Satz auf zwei Arten missverstehen. einmal in der Art, dass man sagt: Ganz willkürlich und undurchschaubar nimmt Gott manchen das Leben und manchen gibt er es oder schenkt es ihnen wieder, nachdem er es genommen hat. Das wäre das eine Missverständnis. und das andere wäre: Es gibt halt gute und schlechte Zeiten im Leben, so dass man sich wie tot fühlt, und Gott kann einem aus den schlechten Zeiten raushelfen und ist auch in den guten Zeiten da. Beides trifft es nicht richtig. Gott ist der absolute Herr des Lebens. Und er ist das nicht willkürlich, sondern der Tod hat überhaupt keine Macht mehr. Erst wenn dieser Satz so gehört und verstanden werden kann, erst dann wird er zu einem Ostersatz.

Natürlich erleben wir im Alltag das oft genug ganz anders. Da hat der Tod noch ganz schön viel Macht. Da sterben junge Menschen lange vor ihren Eltern. Da wird Menschenmit Gewalt ihr Leben genommen. Durch Mord und Totschlag, durch Verkehrs- und andere Unfälle, auch durch staatlich legitimierten Mord wie die Todesstrafe, in Kriegen auch. Da sterben Menschen sinnlos und die zurückbleiben, leben oft mit einem wahnsinnigen Schmerz weiter. Menschen können sich gegenseitig das Leben nehmen. Menschen sterben an schrecklichen Krankheiten. Immer noch. Trotz Ostern. Das, was Ostern, die Auferstehung Jesu, die Herrschaft Gottes über Leben UND Tod, sagen will, ist nicht, dass es ein leidloses Leben in dieser Welt geben wird, in der alles immer nur schön ist. Es geht darum, dass der Tod nicht das letzte Wort behält. Darum, dass der Tod nicht von Gottes Liebe trennt, darum, dass die Beziehung zu Gott durch den Tod nicht ausgelöscht wird.

Ostern erzählt nicht von Gedankenspielen und Symbolen, sondern von einer Wirklichkeit des Lebens, die die Grenzen unseres Verstandes sprengt. Vielleicht können wir von dieser Wirklichkeit gar nicht richtig reden, weil uns die Worte, das so auszudrücken, dass es der Verstand fassen kann, fehlen. Vielleicht können wir nur singen, so wie Hanna es lange vor Jesus tat. Ostern ist ein Fest, das wir nicht verstehen können. Weihnachten können wir einigermaßen verstehen - die Freude über ein Kind, das geboren wird, über ein Kind, in dem Gott seine Liebe zu den Menschen offenbaren wird. Ein Kind, schutzlos, greifbar – das muss man einfach gern haben! Auch den Karfreitag können wir einigermaßen verstehen. Das Unschuldige leiden müssen, dass Menschen für andere zu Tode gequält werden – leider ist das eine Erfahrung, die viel zu viele Menschen bis heute machen müssen. Gewaltsamer, trauriger, unschuldiger Tod. Aber Ostern? Da können wir uns nur unvollkommen helfen. Wir können uns freuen an bunten Ostereiern, die als Symbol des Lebens verschenkt werden. Wir können uns am Gefühl freuen, dass nach einem langen Winterschlaf und viel grau die Welt wieder grün und bunt wird, Blumen aufblühen und die ersten zarten Blätter an den Bäumen zu sehen sind. Und, wenn es sehr gut läuft, dann können wir uns, wie Hanna, an den Auferstehungen mitten im Leben freuen. An Genesung nach langer Krankheit. Am Gefühl, nach einer großen Enttäuschung wieder lieben zu können. Am Erfolg, den man hat, obwohl einem niemand was zutraut. Oder. Oder. Oder. Aber das alles ist nur ein klitzekleiner Abglanz von dem, was Ostern ist: der endgültige Sieg über den Tod. Wir können es nicht beweisen. Wir können es nicht verstehen. So wenig, wie wir die Liebe beweisen und verstehen können. Für mich ist der Sieg über den Tod der höchste Ausdruck der Liebe Gottes. Er will nicht, dass seine Liebe zu uns ein Ende hat. So, wie wir schon in der Liebe zwischen Menschen auf Glauben und Vertrauen angewiesen sind und die Zeichen, die wir wahrnehmen, eben nicht die Liebe selbst sind, sondern nur ein Ausdruck der Liebe, so ist das hier erst recht. Wir können glauben und vertrauen und uns an den Zeichen freuen und darauf hoffen, dass alles, was im Weg steht, uns nicht irre macht. Wir werden manchmal zweifeln – aber wir haben alles zu gewinnen und nichts zu verlieren. Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden. Und die Liebe hat kein Ende. Auch der Tod löscht sie nicht aus.

Amen.

Rabu, 4 April 2012

Opfer! Karfreitag, 06.04.2012, Reihe IV

Text: Hebräer 9,15.26b-28 (Neue Genfer Übersetzung)

Liebe Gemeinde!


Die Welt ist voll von Opfern, so kommt es mir manchmal vor. Da fordert der Straßenverkehr seine Ofer, wie es manchmal in Nachrichten heißt. Da fordert die wirtschaftliche Logik, das Betriebe Gewinn machen müssen, im Zweifel Opfer der Belegschaft, wie die Bereitschaft, ohne Lohnausgleich Überstunden zu machen. Und da gibt es Opfer wie Lena aus Emden, von einem jungen Mann vergewaltigt und ermordet. Opfer eines perversen jungen Mannes? Opfer eines Kranken, der doch nur seine krankhaften Triebe nicht im Zaum hatte? Opfer einer Entwicklung in den Medien, in der jede Form der Sexualität für jeden bildlich greifbar ist und Opfer einer Gesellschaft, die es immer mehr als richtig und normal ansieht, das Sex und Liebe getrennt voneinander werden? Opfer, so haben es die Meldungen der letzten Tage nahegelegt, vielleicht einer gedankenlosen und unaufmerksamen Polizei? Und dann ist da der junge Mann, der fälschlicherweise verdächtigt wurde und der beinahe gelyncht worden wäre. Opfer der neuen Möglichkeiten des Internet? Opfer einer hysterischen Gesellschaft, die nicht nach Tatsachen fragt, sondern die sich mit Gerüchten zufrieden gibt? Opfer von Rattenfängern, besonders aus der Nazi-Szene, die mit den Ängsten der Menschen spielt und aus der Angst Profit für die eigene, menschenverachtende Politik schlagen will?

Und da gibt es Menschen wie die mittlerweile verstorbene Frau, die mir kurz vor ihrem Tod erzählt hat, dass sie auf der Flucht aus Ostpreußen in den Westen bei Kriegsende vergewaltigt wurde. Die gesehen hat, dass die Soldaten es eigentlich auf ihre beiden Töchter abgesehen hatten, die sich aber dann, wie sie sagte, für ihre Kinder opferte, damit diese ungeschoren davonkommen.

Wenn wir von Opfern reden, dann schwingt ganz viel mit. Manchmal Mitleid mit den Menschen, die Unrecht erleiden mussten. Manchmal Zorn auf die Täter. Manchmal einfach nur der hilflose Versuch, ein Unglück oder ein Verbrechen oder ein negatives Erlebnis irgendwie in Worte zu fassen. Und manchmal auch Unverständnis oder Zorn für den und auf den, der leiden musste, weil er oder sie sich nicht gewehrt hat.

Und wie ist das heute, am Karfreitag, wenn wir wieder einmal hören, dass Christus sich selbst opferte, ein Opfer für die Sünden? Ist das etwas, was uns überhaupt noch berührt? Oder sind wir angesichts der vielen, vielen Opfer, die wir persönlich kennen, die vielleicht mancher von uns auch selbst gebracht hat, die uns durch alle möglichen Medien vermittelt werden, etwas, das wir gar nicht mehr hören wollen oder hören können? Oder sind vielleicht die im Recht die sagen: „Was ist das denn für ein merkwürdiger, vielleicht sogar perverser Gott, der Opfer will und fordert? Ist das nicht eine Verhöhnung der wahren Opfer unserer Zeit?
Mit einem solchen Gott will ich nichts zu tun haben, ich habe ihn nicht gebeten, sich für mich zu opfern!“ Das alles, vielleicht sogar noch mehr, sind Reaktionen, die denkbar sind, die da sind. „Jesus hat sich für uns geopfert“ – das kommt einem als Pfarrer oder überhaupt als Christ, der anderen von seinem glauben erzählen will, relativ leicht über die Lippen. Und gerade in den alten Liedern zur Passionszeit wird das ja auch ausführlich besungen. Aber ist das überhaupt noch zeitgemäß, so von Jesus zu reden? Müssten wir nicht angesichts der vielen Opfer, denen wir in unserem Leben begegnen, anders von Gott, von Jesus reden?

Zugegeben, mir selber fällt es oft schwer, von Jesus als Opfer für Sünden zu reden. Und ebenfalls zugegeben: solche Bibelstellen wie die aus dem Hebräerbrief, die ich eben als Predigttext vorgelesen habe, muss ich selber vier-, fünfmal durchlesen und in Ruhe darüber nachdenken, alles Chancen, die sie heute im Gottesdienst so nicht haben, um überhaupt nur ansatzweise eine Ahnung davon zu bekommen, was das eigentlich für ein Opfer ist, von dem hier die Rede ist. Und da ist mir dieser Abschnitt aus dem Hebräerbrief wirklich eine Hilfe geworden.

Da ist zuallererst die Frage: Wen sehen wir eigentlich in Jesus? Wer ist er? Ist er derjenige, der über die Welt herrscht, der König im Himmel? Oder ist er derjenige, der ganz unten ist, am Kreuz, das Leid der Welt tragend? In alten Kirchen, vor allem im Osten, ist oft auf Mosaiken der herrschende Christus zu sehen, der König der Welt und des Himmels. Ja, das ist richtig so. In Jesus begegnet uns Gott, der größer ist als alles, was wir uns vorstellen können, auch größer als der Tod, größer als jedes „Nein“ zum Leben. In Kirchen des Spätmittelalters, in barocken und auch in modernen Kirchen begegnet uns oft der andere Christus: der wahre, leidende Mensch. Am Kreuz geschunden, von seiner Mutter betrauert. Auch das ist richtig. Auch so zeigt sich Gott. Als der, der in die tiefs-ten Tiefen des Menschseins mitgeht. Beides gehört zu-sammen. Herrscher des Himmels, Herrscher der Welt ist Christus auch, weil er das Leid nicht leugnet oder igno-riert, sondern weil er mitleidet und Leid so überwindet. Es geht bei diesem Opfer nicht darum, wie manche be-haupten, dass Gott es fordert und braucht, damit er besänftigt und zufriedengestellt wird. Es geht darum, dass in Jesus Gott selbst die Opfer ins Recht setzt, dass er sich kompromisslos auf die Seite der Opfer stellt.

Das Opfer, das Jesus bringt, ist tatsächlich ein Opfer für uns. Nicht in dem Sinn, dass, wie bei Opfern in älteren Religionen, aufgerechnet wird, was symbolisch zu bezah-len ist für welches Vergehen. Sondern in dem Sinn, dass es Ausdruck der kompromisslosen Liebe Gottes ist, die sich auch von Gewalt und Lieblosigkeit, auch von der totalen Verleugnung dieser Liebe nicht beirren lässt. Es geht nicht um den rituellen Vollzug des Opfers, nicht um eine Kompensation, sondern um eine wirkliche Beziehung. Ich glaube, dass Gott uns durch Jesus am Kreuz sagen will: „Meine Liebe ist stärker als deine Ablehnung! Auch dort, wo du, Mensch, dich ganz weit von mir entfernt hast, will ich dir einen Weg zur Rückkehr zeigen. Einen Weg, den ich gegangen bin und den du nicht wiederholen kannst und musst, sondern auf den ich dich mitnehme.“ Im Hebräerbrief heißt es, dass Jesus gestorben ist „um uns durch das Opfer seines eigenen Leibes von der Sünde zu befreien“. Wir müssen davon wegkommen, Sünde als die eine oder zwei oder vielen einzelnen falschen Taten zu begreifen. Auch bei Menschen, die noch so fest auf Jesus vertrauen, sind Gefühle wie Neid und Lieblosigkeit da, und auch solche Menschen tun nicht nur Gutes. Wissentlich oder unwis-sentlich schaden sie Mitmenschen. Sünde ist hier eben nicht die einzelne falsche Tat, sondern die Gottferne des Menschen. Sünde ist die Abkehr von Gott und das alleinige sich Ausrichten auf den Menschen, auf sich selbst. Du kannst zu mir zurückkehren -auch wenn du meine Liebe geleugnet hast, auch da, wo Menschen mir ganz fern sind, will ich ihnen nahe sein – das ist das Opfer, das ist die Befreiung von Sünde, das ist die Botschaft Jesu, die Botschaft Gottes am Kreuz.

Zugunsten der Liebe, zugunsten der Beziehung zu ihm, zugunsten des Lebens durchbricht Gott die Regeln von Schuld und Strafe. Und das ist, in jeder Hinsicht, „einma-lig“, wie es im Hebräerbrief heißt: „Genauso wurde auch Christus nur einmal als Opfer dargebracht – als Opfer, das die Sünden von vielen auf sich nahm.“ Einmalig, das heißt nicht nur, dass keiner von uns das wiederholen kann oder muss, sondern auch: die Frucht dieses Opfers, die Liebe, ist unverlierbar. Die Tür bleibt offen. Auch wenn Menschen, auch wenn wir weiter versagen. Ein für allemal. Die Tür bleibt offen – hindurchgehen müssen aber wir, was der Hebräerbrief so ausdrückt: „Wenn er wiederkommt, kommt er nicht mehr wegen der Sünde, sondern um denen Rettung zu bringen, die auf ihn warten.“ Gottes Liebe zwingt zu nichts. Auch nicht dazu, sie anzunehmen. Das Opfer, das Gott in Jesus gebracht hat, eröffnet uns die Chance, befreit zu leben. Ergreifen müssen wir sie.

Und was ist mit den Opfern, die es bis heute gibt? Den Opfern von Gewalt, Lieblosigkeit, Gedankenlosigkeit, Machtmissbrauch und missverstandener Technikgläubig-keit? Den Opfern von wirtschaftlicher Logik und falschen Maßstäben? Den Opfern, die auch unserem Lebensstil geschuldet sind? Lena wird nicht wieder lebendig da-durch, dass Gott auf ihrer Seite steht. Der junge Mann, der sie umbrachte, ist nicht weniger verantwortlich da-durch, dass die Polizei vor Monaten möglicherweise Feh-ler gemacht hat. Karfreitag zeigt uns auch, dass wir bis heute am Leben irre werden können, am Leid der Opfer, an falschen Opfern. Gebe Gott, dass uns das nicht von ihm trennt, sondern dass wir in alldem seine Liebe spü-ren, die das Leben siegen lässt. Amen.

Wir sind viele! -Gründonnerstag, 05.04.2012, Reihe IV

Text: 1. Korinther 10,16-17
Liebe Gemeinde!


Ein idealer Abend, um miteinander zu feiern. Für mich zumindest. Nicht, weil wir hier in der Kirche heute besonders viele wären oder weil der Gottesdienst schöner als so viele andere ist. Sondern weil heute Abend auf der ganzen Welt in Gottesdiensten Abendmahl gefeiert wird. In Erinnerung daran, dass Jesus am Abend vor seinem Tod mit seinen Jüngern das Passahfest gefeiert hat. Ein Dankessen als Erinnerung daran, dass Gott sein Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat. Gott befreit. Ein schöner Anlass, zu feiern. Und an diesem Abend vor seinem gewaltsamen Tod, bei diesem bis heute für die Menschen jüdischen Glaubens so wichtigen Fest hat Jesus den Kelch mit Wein, aus dem gemeinsam getrunken wird, und das Brot, das geteilt wird, neu gedeutet: als Zeichen seiner lebendigen Gegenwart über seinen gewaltsamen Tod hinaus. Auch wenn heute vielleicht weniger Menschen in der Thomaskirche mitfeiern als an einem durchschnittlichen Sonntagmorgen: für mich ein idealer Abend, um zu feiern.

Mir wird an diesem Abend noch einmal ganz deutlich, dass unser Glauben uns in eine Geschichte stellt. Der Glauben an Gott, der Menschen befreit und der sich in Jesus zu erkennen gegeben hat, ist mehr als ein persönliches Ergriffensein, das unabhängig von mir belanglos wäre.
Der Glauben stellt mich in die Geschichte Gottes mit den Menschen. Nimmt mich in ein Geschehen mit hinein, dass mir hilft, mich selbst nicht absolut setzen, sondern mich befragen zu lassen – aber auch, das, was vor mir war, zu befragen. Ich gehöre mit hinein in die Geschichte Gottes mit den Menschen – dazu gehört zuallererst die Geschichte Gottes mit seinem Volk, mit dem Volk Israel und unseren Geschwistern jüdischen Glaubens. Jesus ist Teil dieser Geschichte und sein Leben, sein Sterben, seine Auferstehung sind nur in dieser Geschichte und mit dieser Geschichte zu haben, nicht daran vorbei. Jesus hat das Fest der Befreiung ge-feiert – so wie Juden das bis heute tun. Gott ist ein Gott der Freiheit, ein Gott, der aus ausbeuterischen Verhältnissen, aus Unterdrückung befreit. eine Geschichte, in die ich, in die wir hineingehören. Nicht, weil wir Juden wären oder werden müssten, sondern weil Jesus uns mit hineingenommen hat. Gott als Gott, der frei macht. Auch das dürfen wir uns heute Abend ganz besonders sagen lassen. Viel zu oft, und auch das ist Teil unserer christlichen Geschichte, haben wir Gott und Jesus nicht als den Befreier erlebt oder als Kirche verkündet, sondern als den, der straft, der in Regeln gefangen hält und der sich gegen andere wendet. Als einen kleinkarierten Gott, der Christen gegen Juden ausspielen würde oder Evangelische gegen katholische oder. oder, oder. Unsere Geschichte hat nicht nur schöne Seiten. Aber gerade heute Abend wird noch einmal deutlich, dass Jesus nicht zufällig an dem Abend dieses besondere Mahl gefeiert hat, der an die befreienden Taten Gottes erinnert. Ich glaube, dass es uns bis heute gut tut, dass wir uns das immer wieder sagen dürfen: Gott will keine Sklaven, Gott will keine Unterdrückung, weder körperliche spürbare noch wirtschaftliche noch geistige, sondern da, wo Gott uns Mut macht, in die Freiheit aufzubrechen, da wird ein Stück der Geschichte Gottes mit seinen Menschen erfahrbar.

Ein idealer Abend um zu feiern. Auch weil die Erinnerung an das letzte Mahl Jesu noch einmal deutlich macht, dass heute Abend nicht nur Christen in der Thomaskirche oder in Marburg oder in Deutschland, nicht nur evangelische Christen feiern, sondern dass weltweit Menschen feiern und sich in die Gemeinschaft mit Jesus hineinnehmen lassen. An diesem Abend wird mir persönlich das noch einmal viel deutlicher als an einem normalen Sonntag mit Abendmahl an dem wir zwar vielleicht in größerer Zahl in der Thomaskirche versammelt sind, aber eben doch der Blickpunkt oft auch auf unsere Kirche und unsere Gemeinschaft eingeengt bleibt. Ich finde es schön, dass in diesem Jahr zwei Verse von Paulus aus dem ersten Korintherbrief als Predigttext vorgesehen sind, die diese Einengung ganz deutlich aufheben: Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn ein Brot ist's: So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.

Die Gemeinschaft ist groß. Zum einen ist die Feier eine Gemeinschaft mit Jesus. Indem wir es tun, indem wir das Dankgebet, und das ist hier mit „Segen“ gemeint, über dem Kelch sprechen, indem wir das Brot brechen und teilen, indem wir das tun und feiern ist Jesus einfach da. Wie das geschieht, da haben sich kluge Köpfe seit Jahrtausenden den Kopf zerbrochen, darüber sind dicke Bücher geschrieben worden, darüber haben sich Christen zerstritten und zerstreiten sich bis heute. Ist Jesus da, leiblich in Brot und Wein, wenn ein geweihter Priester in seiner Nachfolge die Einsetzungsworte spricht, wie es die katholische Lehre sagt? Ist Jesus im Moment der Feier gegenwärtig, wie es lutherische Lehre nahelegt oder doch nur symbolisch, wie die reformierte Theologie zu wissen glaubt? Es bleibt ein Geheimnis, Und das ist das Schöne. Wer Recht hat, lässt sich nicht beweisen. Paulus lässt die Frage auch völlig offen und entscheidet nichts. Die Gemeinschaft mit Leib und Blut Jesu – das heißt die Gemeinschaft mit dem Leidenden und dem Auferstandenen, mit dem, der das ganze Leben annimmt und verwandelt, geschieht dadurch, dass wir feiern.

die Gemeinschaft, das ist mir das Wichtigste, hängt nicht davon ab, mit welcher Ordnung gefiert wird. sie hängt nicht davon ab, zu welcher Kirche oder Konfession man gehört. sie hängt nicht davon ab, ob der Gottesdienst nach lutherischer, reformierter, katholischer, orthodoxer oder anderer Liturgie gefeiert wird. Auch nicht davon, ob der Priester prächtige Gewänder trägt und auch nicht davon, ob laut und schön oder kläglich gesungen wird. sie hängt nicht davon ab, ob Konfirmanden da sind, die aus Unsicherheit kichern und so ältere Menschen in ihrer Andacht stören oder ob ältere Menschen vielleicht unfreundlich zu Konfirmanden sind. Die Gemeinschaft hängt nicht an den Regeln, die wir Menschen aufstellen. Gott sei Dank. Sondern die Gemeinschaf ist da, weil Jesus es so will. Weil eine Gemeinschaft mit sich selbst schenkt. Weil er uns in unserer Unvollkommenheit ausgesucht hat, zeugen seiner Liebe und Größe zu sein und weil er gerade mit uns unvollkommenen, kichernden, mürrischen, rechthaberischen oder zu nachgiebigen Menschen Gemeinschaft haben will. Weil ausgerechnet wir in diese große Geschichte Gottes mit den Menschen hineingehören. Nicht, weil wir uns das so ausgedacht oder ausgesucht hätten, sondern wie er das so will.

ein ganz wichtiger Satz ist für mich: Denn ein Brot ist's: So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben. Wir gehören zusammen, nicht, weil wir es uns ausgesucht haben, sondern weil uns das Feiern und Jesus verbindet. Er ist es, der für den Zusammenhalt sorgt. Ich finde das sehr entlastend. wir müssen keine künstliche Gemeinschaft herstellen. Wir dürfen auch unsere Fragen haben und vielleicht auch manches beim Anderen nicht verstehen. Das ist nicht das Entscheidende. Das Entscheidende ist, dass Jesus uns trotzdem verbindet. wir sind eins. Verbunden mit den vielen, die Mitfeiern. An anderen Orten, mit anderen Riten, vielleicht auch manchmal so, dass es uns schwer fällt, ihr Mitfeiern zu akzeptieren. Aber nicht wir sind es, die die Gemeinschaft herstellen, sondern Christus. Gott sei Dank.

Amen.

Die zarte Versuchung? "Ihr hattet Böses mit mir vor, aber Gott hat es zum Guten gewendet": Josef, Potifars Frau und anderes, Vorstellungsgottesdienst der Konfirmanden, 25.03.2012

Während der Konfirmandenfreizeit hatten wir uns mit der Josefsgeschichte beschäftigt - für mich eine der schönsten Geschichten der Bibel. Nach zwanzig Jahrne war es für mich auch mal zeit, ein neues Thema für Konferfreizeiten auszuprobieren. Es hat gut geklappt, allerdings konnten wir bei der Friezeit nichts für den Vorstellungsgottesdienst fertigstellen. Das haben wir in den nächsten beiden Stunden gemacht. Die Konfis haben sich dafür entschieden, die Episode mit Ptifars Frau im Verkündigungsteil des Gottesdienstes umzusetzen.Zunächst kommt der Verkündigungsteil, dann die anderen Texte des Gottesdienstes. Um alle Texte zu sehen, bitte einfach auf "Mehr Informationen" klicken.

Wir wollen ihnen, liebe Gemeinde, heute die Geschichte von Josef erzählen. Vielleicht kennen manche sie schon. Sie steht in der Bibel, im 1. Buch Mose. Es ist eine lange Geschichte. Deshalb lesen wir sie nicht vor, sondern wir erzählen ein bisschen davon. Und an einer Stelle haben wir dann überlegt, was das für Beziehungen zu unserer Welt heute haben kann. Aber fangen wir von vorne an.


Josef war der Sohn von Jakob. Jakob hatte, wie es damals normal war, mehrere Frauen. Josefs Mutter war seine Lieblingsfrau. Zehn ältere Brüder hatte er und einen jüngeren. Josef war der absolute Liebling von seinem Papa. Er bekam die tollsten Klamotten und musste weniger arbeiten als die Brüder. Kein Wunder, dass er sich selbst für was Besonderes hielt. Er träumte, dass er im Mittelpunkt steht und sich alles vor ihm verbeugt, sogar Sonne, Mond und Sterne. Die Brüder waren natürlich sauer und neidisch. Als er eines Tages im Auftrag von seinem Vater zu den Brüdern, die gerade auf die Schafherde aufpassten, gehen sollte, dachten sie: „Wir können ihn jetzt endlich töten!“

Aber einer der ältesten Brüder hatte eine andere Idee: sie sollten Josef nicht töten, sondern ihn in einen stillgelegten Brunnen werfen, aus dem er nicht klettern konnte. Dann sollten sie ihm seine tollen Klamotten abnehmen, ein Schaf schlachten, die Klamotten mit Blut beschmieren und dem Vater erzählen, dass ein wildes Tier Josef umgebracht hätte. Und so machten sie es auch. Zufällig kam eine Karawane auf dem Weg nach Ägypten vorbei. Die Brüder nutzten das und verkauften Josef als Sklaven an die Karawane. Jakob erzählten sie wie besprochen, dass Josef tot sei. Und der war natürlich sehr unglücklich.

In Ägypten wurde Josef weiterverkauft. Potifar hieß sein neuer Chef. Gott hat Josef beschützt und Josef bekam eine gute Stellung. Sein Chef hatte viel Vertrauen und er durfte den ganzen Besitz verwalten. Josef war jung und sehr schön. Und deshalb wollte die Frau von seinem Chef Josef verführen. Josef wollte nicht, denn er wollte das Vertrauen seines Chefs nicht missbrauchen. Und als die Frau das merkte, hat sie Josef reingelegt, hat ihm seine Klamotten runter gerissen und behauptet, dass Josef sie vergewaltigen wollte. Niemand hat Josef geglaubt – und so musste er ins Gefängnis. Und hier fangen unsere kleinen Geschichten an. Drei Geschichten aus dem Alltag. Und zu unserem Alltag gehört Musik. Wir haben uns als Begleitung für das Rollenspiel ein Lied ausgesucht. Es heißt „Vergeben und Vergessen“. In ihm geht es auch um Enttäuschungen. Und darum, wie schwer es ist, zu vergeben.





1.) Junge (Flo S.), Mädchen (Alina), Freundin 1: (Viki), Freundin 2: (Christina)

Mädchen: Du bist echt süß!

Junge: Ich weiß!

Mädchen: Angeber! Hättest du nicht Lust, am Samstag mit mir ins Kino zu gehen?

Junge: Geht nicht, bin mit Sarah verabredet.

Mädchen: Och , du und Sarah! Uncool, aber wie wär’s denn am Freitag? Da könnten wir an die Lahn gehen!

Junge: Da feiert mein Kumpel Geburtstag und da geh ich mit Sarah hin!

Mädchen: Aber am Sonntag, da sind meine Eltern nicht da. Willst du dann nicht bei mir vorbeikommen?

Junge: Wenn ich Sarah mitbringen kann…

Mädchen: Sarah, Sarah, Sarah – was willst du denn mit der? Die hat Pickel, ist hobbylos, hat keine eigenen Freunde! Mach mal was mit mir!

Junge: Kapier doch endlich: Sarah ist meine Freundin. Und es ist soooo uncool, wie du versuchst, mich anzumachen…

Mädchen: Das wirst du mir büßen…

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Mädchen: Habt ihr schon gehört: Nick ist einer, der lieber mit Jungs rummacht…

Freundin 1: Ist doch normal, dass er mit seinen Kumpels Fußball spielt und Playstation zockt.

Mädchen: Nein, nicht so, anders… - so richtig…

Freundin 2: Du willst doch nicht etwa sagen, dass Nick… - aber der ist doch mit Sarah zusammen!

Mädchen: Alles nur Tarnung! Was glaubst, du, was ich gestern zufällig alles gesehen habe!

Freundin 2: Das ist ja der Hammer!

Freundin 1: Das hätte ich nicht gedacht. Komm, das posten wir mal gleich auf facebook! Das müssen die aus unserer Klasse doch unbedingt wissen!



2.) Mutter (Christina), Stiefvater (Flo S), 2 Kinder (Viki, Alina), Polizist (Marc), Chef (Stefan)

Kind 1: Früher, als Papa noch bei uns gewohnt hat, war alles viel schöner!

Kind 2: Ja! Der Klaus, der versucht sich als Vater aufzuspielen! Der hat uns gar nichts zu sagen! Was Mama nur an dem findet!

Kind 1: Tut immer so freundlich, so ein richtiger Schleimer!

Kind 2: Wenn Mama den heiraten sollte, dürfen wir bald gar nichts mehr, der ist so megastreng!

Kind 1: Hast Recht, das müssen wir verhindern. Ich hab da auch eine Idee…

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Kind 1: Mama, der Klaus ist komisch!

Mutter: So, so – und warum?

Kind 1: Weißt du, wenn du Frühschicht hast und schon weg bist, dann kommt er immer, wenn ich mich dusche, rein. Und dann hat er auch noch den Bademantel immer offen stehen.

Mutter: Das bildest du dir noch nur ein!

Kind 1: Nein, ich schwör!

Kind 2: Stimmt, und mich hat er auch schon ein paarmal angegrabscht. Erst sollte es wie zufällig aussehen. Aber dann hat er gesagt: jetzt hab dich nicht so, du bist alt genug, du hast doch nen Freund!

Mutter: Das kann nicht sein!

Kind 1 und Kind 2: Glaub uns doch! So ist es gewesen! Ehrlich!

Mutter: Ich bin so fertig – aber da muss ich was machen

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Stiefvater: Tag Schatz! Was gibt’s denn heute zu essen?

Mutter: Spar dir deinen Schatz! Du Perverser! Was machst du mit meinen Töchtern?

Stiefvater: Nichts! Ich bin freundlich. Okay, manchmal etwas streng vielleicht, aber ich bemüh mich…

Mutter: Deine Bemühungen kenn ich! Lass deine dreckigen Finger von meinen Kindern!

(es klingelt) Polizist: Herr Schulz? Ich muss sie bitten, mit aufs Präsidium zu kommen. Gegen sie liegt eine Anzeige wegen Kindesmissbrauch vor!

Stiefvater: Das ist ja ein Alptraum!

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Chef: Herr Schulz, wir müssen uns von ihnen trennen. Sie sollen bei unserer Versicherung junge Eltern beraten – und da wirkt es nicht gerade seriös, wenn wegen Kindesmissbrauch gegen sie ermittelt wird!

Stiefvater: Aber das ist doch gelogen! Und ich bin doch freigelassen worden!

Chef: Aber nur bis zum Prozess. Und wir können es uns nicht leisten, schlechte Presse zu bekommen. Ihre Papiere können sie bei Frau Hertel holen und falls sie nicht schuldig gesprochen werden, melden wir uns nochmal bei ihnen. Auf Wiedersehen!



3.) Mädchen 1 (Christina) Mädchen 2 (Viki) Mädchen 3 (Alina)

Mädchen 1: Hi Clara, hast du heute Abend Zeit? Ich hab Fast and Furious 5 auf DVD, wollen wir uns das anschauen? Meine Mutter ist heute nicht da und hat mir Geld für Pizza dagelassen, da könnten wir uns eine bestellen!

Mädchen 2: Sorry, heute bin ich bei Aline, ein andermal vielleicht

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(alle 3 stehen zusammen) Mädchen 1: Wollen wir heute ins Freibad? Wetter ist geil und Tobi und Maurice sind sicher auch da! Und wo die sind, sind auch andere süße Jungs nicht weit…

Mädchen 2: Warum nicht…

Mädchen 3: Clara, wir wollten doch heute mit meinem Bruder und seinem Freund nach Gießen zum shoppen!

Mädchen 1: Super, da wollte ich am Wochenende hin. Aber heute passt es mir auch!

Mädchen 3: Sorry, aber mein Bruder hat einen Aygo, da passen nur vier Leute rein. Ein andermal vielleicht.

Mädchen 2 und 3 gehen weg, Mädchen 1 bleibt und sagt: Die werden sich noch wundern…)

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Mädchen 1: Und, hast du Ärger gekriegt wegen der Klassenkonferenz?

Mädchen 2: Das kannst du laut sagen! Vier Wochen nicht raus am Wochenende, kein Handy und kein Computer! Wenn ich rauskriege, wer verpetzt hat, dass ich das mit der Tür war!

Mädchen 1: Ich weiß, wer es war. Aline hat dich verpetzt, die tut so, als wär sie deine Freundin, dabei ist sie nur scharf auf Daniel! Und weil der mehr mit dir rumhängt, wollte sie dir einen reinwürgen!

Mädchen 2: Die kann was erleben!

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Mädchen 3: Weißt du, was mit Clara los ist? Die redet nicht mehr mit mir und erzählt bei Lucie immer so blödes Zeug über mich!

Mädchen 1: Hast du das nicht mitgekriegt? Die wollte dir Tarek ausspannen und hat bei ihm voll über dich gelästert. Und weil sie Tarek nicht rumgekriegt hat, läuft das jetzt so!

Mädchen 3: Mit der bin ich fertig!

Mädchen 1 (zu sich selbst): Super geklappt, wenn die zwei wüssten….

Milena: Menschen sind neidisch und eifersüchtig. Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Und wenn es erstmal so weit ist, wie in unseren Beispielen oder wie in der Geschichte von Josef, dann ist es sehr schwer, da wieder rauszukommen. In der Bibel, bei Josef, ist alles gut ausgegangen – aber das hat gedauert. Josef saß lange im Gefängnis. Zwei Angestellte des Pharao haben geträumt und Josef hat ihnen mit Gottes Hilfe erklärt, was das bedeutet. Einer wollte ihm helfen, hat ihn vergessen, aber als dann der Pharao schlecht träumte, hat er sich an Josef erinnert. Josef hat vorausgesagt, dass eine Hungersnot kommen wird und vorgeschlagen, Scheunen zu bauen. Er hatte Recht und der Pharao machte ihn zum Vizekönig. Die Hungersnot war so schlimm, dass auch seien Brüder nach Ägypten mussten, um Vorräte zu holen. Sie haben ihn nicht erkannt. Josef hat ihnen was gegeben, immer noch unerkannt, hat sie auf die Probe gestellt und gemerkt, dass sie sich geändert haben. Er hat ihnen vergeben. „Ihr hattet Böses mit mir vor, aber Gott hat es zum Guten gewendet“ sagt Josef zum Schluss seinen Brüdern.

Ob das alles im Alltag auch so klappt oder so was nur in der Bibel steht? Wir glauben, dass es auch im Alltag klappen kann. Wir glauben, dass Gott Menschen dazu fähig macht, zu vergeben und Fehler einzusehen. Aber das ist gar nicht so einfach. Wenn das Vertrauen erst einmal kaputt ist, dann ist es sehr schwer, das wieder herzustellen. Und es ist sehr schwer, Fehler zuzugeben. Manchmal ist es ja so, dass man die Fehler selbst einsieht. Aber vielleicht schämt man sich und traut sich deshalb nicht, auf den anderen zuzugehen. Oder man hat Angst, dass der andere das gar nicht hören will und genauso gemein zu einem selbst ist, wie man es bei ihm war. Aber jemand muss den ersten Schritt machen. Sonst wird alles immer schlimmer.

Gott will auch aus dem, was Menschen schlecht gemacht haben, was Gutes machen. Das steht nicht nur einfach so in der Bibel, sondern das ist etwas, woran ich glaube. Wenn das nicht so wäre, wäre die Welt ja schon längst untergegangen, bei so viel Bösem und Schlechten, wozu wir Menschen fähig sind. Und deshalb hoffe ich, dass Gott mir auch den Mut gibt, den ersten Schritt zu machen. Einmal dann, wenn ich selber etwas falsch gemacht habe. Dass ich dann den Mut habe, zu dem, dem ich wehgetan oder geschadet habe, hinzugehen und darum zu bitten, dass er mir vergibt. Aber weil ich weiß, wie schwer das ist, kann ich Gott auch um noch mehr bitten. Ich kann ihn bitten, dass er mir die Kraft gibt, auch dann den ersten Schritt zu machen, wenn ein anderer mir weh getan hat. Ich kann Gott bitten, die Kraft zu haben, nicht nur andere um Vergebung zu bitten, sondern anderen auch zu vergeben. Das ist oft noch viel schwerer. Niemand hat gesagt, dass das Leben leicht ist. Auch nicht ein Leben mit Gott. Aber es kann richtig schön und gut sein. Denn einen Satz dürfen wir wirklich ernst nehmen: „Die Menschen hatten Böses vor, aber Gott hat es zum Guten gewendet.“ Amen.

Wir hören jetzt das Lied „Someone Like You“. Bei der Konferfreizeit hat es uns auf die Abendgebete vorbereitet und es gefällt uns sehr gut. Adele hat es geschrieben, als sie sehr enttäuscht war. Und das Lied zeigt auch, dass aus dem, was wir vielleicht für schlecht halten, etwas Schönes und Gutes werden kann.


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Begrüßung Vorstellungsgottesdienst


Lara: Mit dem Lied 557 haben wir den Gottesdienst angefangen. Ich habe es ausgesucht, weil es mich an meine Grundschulzeit erinnert. Heute werden wir lauter Lieder singen, die wir ausgesucht haben, weil sie uns gut gefallen und an besondere Zeiten erinnern.



Aber zuerst einmal: Herzlich willkommen in unserem Vorstellungsgottesdienst. Heute ist für uns Konfis ein besonderer Tag. Den Gottesdienst heute haben wir selbst vorbereitet. Wir waren zusammen auf Konfifreizeit, haben da die Geschichte von Josef gehört und uns damit beschäftigt und darum wird es in der Predigt gehen. Und auch sonst sind die Sachen, die sie sehen, unsere Ideen. Wir freuen uns, dass sie den Gottesdienst heute mit uns feiern.

Am Anfang wollen wir einmal Danke sagen. Danke für eine meistens ziemlich schöne Konfizeit. Wir haben untereinander viel Kontakt bekommen mit Leuten, die wir vorher nicht kannten, und das war richtig schön. Und wir haben Mitarbeiter gehabt, die uns für den Glauben faszinieren konnten. Vorher war uns vieles egal und viele von uns wollten zu Konfer, weil man das halt so macht. Aber jetzt ist es so, dass ganz viele sich wirklich mit dem Glauben an Gott beschäftigen.

Deshalb sagen wir Danke an alle Mitarbeiter. An Juliane, Ursel und Daniel vom Unterrichtsteam, an Daniel, Basti, Willi, Karo und Caro vom Konficafe-Team. An Lisa, die mit auf der Freizeit war. Und an Pfarrer Kling-Böhm, der das alles organisiert hat.

Und natürlich auch Danke an die tolle Gruppe, die sich jetzt kurz mit Namen vorstellt:

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Wie alle unsere Gottesdienste feiern wir auch heute im Namen Gottes, der uns wie ein guter Vater beschützt. Im Namen von Jesus, der uns Gottes Liebe gezeigt hat. Und im Namen des Heiligen Geistes, durch den Gott uns heute auch noch Kraft zum Glauben, Hoffen und Lieben gibt.

Michael: Und als nächstes singen wir das Lied 515, Laudato Si. Es ist ein Lied, das uns Konfirmanden gut gefällt. Wir wollen es mit ihnen allen so singen, wie wir das im Unterricht gesungen haben. Wir alle singen zusammen den Kehrvers. Die Jungen und Männer singen dann die Strophen 1,3,5,7 und 9 und dazwischen immer wieder den Kehrvers. Die Mädchen und Frauen singen den Kehrvers am Anfang zwei Mal. Dann singen die Frauen und Mädchen die Strophen 2,4,6 und 8, dazwischen den Kehrvers, nach Strophe 8 zwei Mal den Kehrvers. Sie werden sehen, es klappt.



Psalm 23

Stefan: Wir beten mit einem Psalm, den wir selber geschrieben haben und der für uns das in die heutige Zeit übersetzt, was Psalm 23 sagt:

Der HERR ist mein Beschützer, mein Freund und mein Vater.

Mir wird nichts fehlen.

Er führt mich auf allen Wegen

und besorgt mir Mezzo-Mix.

Er tut mir gut.

Aurelia: Er hilft mir, auf der guten Seite zu bleiben.

Dafür steht er mit seinem Namen.

Wenn ich Stress oder Probleme habe, fürchte ich kein Unglück.

Denn du liebst mich. Deine Liebe und Güte tröstet mich.

Obwohl mein Feind in der Näh ist, kann ich trotzdem gechillt sein.

Du cremst mich mit Liebe ein

und schenkst mir alles ein.

Deine Güte und Liebe werden mir folgen mein Leben lang

und ich werde immer bei dir bleiben.



Bitte:

Michael: Gott, wir wissen, dass nicht alles perfekt gelaufen ist. Wir haben andere weh getan und manchmal das Gegenteil von dem gemacht, was gut gewesen wäre. Aber wir wissen, dass Jesus uns vergeben kann. Darum bitten wir dich und rufen:

Anfangsgebet:

Marc: Hallo Gott, cool, dass du da bist! Danke für das Wochenende und dafür, dass wir heute hier sein dürfen. Bitte mach was richtig Geniales aus diesem Gottesdienst. Danke, dass wir hier sein dürfen. Amen.



Glaubensbekenntnis:

Annalena: Wir haben heute zwei Glaubensbekenntnisse. eins zum Zuhören. Es ist von Dietrich Bonhoeffer vor fast 70 Jahren geschrieben worden. Es passt gut zu dem, was wir nachher aus der Bibel und in der Predigt hören und sehen werden:

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.

Ela: In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Schicksal ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Und gemeinsam sprechen wir das Glaubensbekenntnis so, wie es alle kennen. Es soll ein zeichen dafür sein, dass wir zusammengehören. Hier in der Gemeinde, aber auch mit allen anderen Christen weltweit:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde…

Annalena: Jetzt singen wir das Lied „Er hält die ganze Welt in seiner Hand“, Lied Nummer 619. Ich habe es ausgesucht, weil es mich an schöne Kindergottesdienste erinnert.



Fürbitten:

Flo D: Hallo Gott Wir möchten dir erst einmal „Danke“ sagen, für die geniale Konfi-Zeit, die wir haben durften. Wir bitten dich, dass du uns eine richtig schöne Konfirmation schenkst und, dass du an dem Tag voll dabei bist.

Flo S: Wir bitten dich für unsere Gemeinde und Herrn Kling-Böhm, dass du auf alle aufpasst und ihnen Kraft für alles gibst.

Flo D: Wir bitten dich auch für den Richtsberg. Besonders bitten wir dich für die Leute, die keine Arbeit haben oder ein Problem mit Alkohol haben. Bitte gib ihnen Kraft und neue Hoffnung. Bitte hilf auch Daniel bei der Arbeit im Richtsberg-Mobil.

Flo S: Wir bitten dich auch für die Obdachlosen in Marburg, dass du ihnen ein Dach über den Kopf gibst und sie mit Essen und Trinken versorgst.

Flo D: Wir haben gehört, dass Josef sehr schwere Zeiten durchgemacht hat und möchten dich bitten, dass du uns hilfst, wenn wir durch so schlechte Zeiten gehen.

Flo S: Bitte sei bei uns und schenke uns Hoffnung. Bitte hilf uns besonders in der kommenden Woche, wenn es uns nicht gut geht. Zeig uns, dass du da bist und hilf uns in dunklen Zeiten. Danke! Und gemeinsam beten wir: Vater unser im Himmel…



VOR Lied 590: Marcel: Zum Schluss singen wir das Lied „Herr, wir bitten, komm und segne uns“, Nummer 590, weil es ein tolles Lied ist, das uns gut gefällt.

Segen

Marcel: Gott sei stark in dir

Milena: Gott schenke dir Freude ins Herz

Lara: Gott schenke dir seine Liebe und Geborgenheit und er schenke dir und deinen Mitmenschen Frieden

Kling-Böhm: Und so segne und behüte euch der allmächtige und barmherzige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.